Kanye West disst Apple Music – und verhilft Tidal zum Comeback.

von Florian Treiß am 17.Februar 2016 in App Business, Mobile Media, News

Kanye West (links) und Jay-Z bei einem gemeinsamen Konzert 2012 in London

Kanye West (links) und Jay-Z bei einem gemeinsamen Konzert 2012 in London (Copyright: Florian Treiß)

Content is King – das gilt natürlich auch für Rap-König Kanye West im Besonderen und fürs Musik-Business im Allgemeinen. In den letzten Tagen zeigte sich dies sehr deutlich bei der Premiere von „The Life of Pablo“, Kanye Wests neuem Album. Der einerseits als Musik-Genie bewunderte, aber andererseits auch als Selbstdarsteller gefürchtete Rapper sagte via Twitter:

„My album will never never never be on Apple. And it will never be for sale… You can only get it on Tidal.“

Das Album ist also nicht etwa bei iTunes, Apple Music oder als CD im Musikladen erhältlich, sondern zumindest aktuell einzig und allein bei Tidal. Das ist ein eher unbekannter Musik-Streamingdienst, den Kanye Wests alter Homie Jay-Z letztes Jahr gekauft hatte. Angeblich soll mittlerweile auch Kanye West selbst Anteile an dem bislang eher unbekannten Dienst halten – womöglich hat er deshalb gerade 53 Mio Dollar Schulden am Hals, wie er jetzt bei Twitter jammerte.

Tidal wiederum kannte bislang kaum ein Mensch – doch plötzlich steht die App von Tidal in den USA auf Platz 1 im AppStore, der natürlich wiederum zu Apple gehört. Ganz ohne Apple geht’s also doch nicht. Die Geschichte rund um „The Life of Pablo“ ist in jdem Fall eine Paradebeispiel für gleich zwei Dinge:

  1. Gelungenes App-Marketing zum kleinen Preis: Nehme einen Promi, der sich begeistert über eine App äußert oder darin etwas Exklusives platziert, und plötzlich schnurren die Downloads nach oben, ohne das man teure Werbung für die App buchen muss. Das hatte schon bei der Emoji-App von Kanye Wests Ehefrau Kim Kardashian funktioniert, und nun klappt es auch beim Musikdienst Tidal.
  2. Im Musik-Business zeichnet sich immer mehr eine Entwicklung ab, die wir bereits aus dem Business mit TV-Serien kennen: Exklusiv-Produktionen für Streaming-Dienste wie Netflix, z. B. „House of Cards“. Denn es braucht exklusiven Content, um den eigenen Streaming-Dienst noch beliebter zu machen. Im Fall des Musik-Streamingdienstes Tidal, der bislang gegenüber Spotify, Deezer und Apple Music eine kleine Nummer war, ist es nun das neue Album von Kanye West. Zudem sollen dort Alben der Rapper Kendrick Lamar und Young Thug folgen, die ebenfalls von Kanye West produziert wurden. Ironie dieser Geschichte: Kendrick Lamar war zuvor auch Gast auf Dr. Dres Album „Compton“, das zunächst exklusiv nur bei Apple Music erhältlich war – denn schließlich hatte Dr. Dre zuvor seine Firma Beats Audio an Apple verkauft. Es dürfte also spannend werden, wie oft es Musik-Streamingdienste künftig schaffen, Künstler exklusiv an sich zu binden. Hier könnte es so wie im Film-Business kommen, nämlich das es verschiedene Auswertungsstufen gibt: zunächst Exklusivität bei einem Streamingdienst (im Film-Business wären das nach wie vor die Kino-Betreiber), später dann Auswertung über weitere Kanäle wie etwa andere Streamingdienste, MP3-Downloadplattformen, Verkauf auf CD etc.

Ebenfalls lesenswert zum Phänomen Kanye West: 7 Gründe, warum das Internet nur mit Kanye West richtig funktioniert, bei den Kollegen von „Wired“.


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