Die wichtigsten Faktoren für den Erfolg im Fintech.

von Maik Klotz am 19.Januar 2016 in Mobile Payment, News, Trends

shutterstock_177915332Nach dem im Fintech viele virtuelle Säue durchs Dorf getrieben wurden und auch immer noch werden, wird die Branche trotzdem langsam erwachsen und damit auch die angebotenen Produkte. Unglücklicherweise sind es oft die üblichen Verdächtigen die ein Thema kundengerecht umsetzen, meistens Google, Apple, Facebook oder Amazon. Dabei sind diese Unternehmen mitnichten die ersten, die sich einer Sache annehmen. Die Art und Weise, wie sich einem Thema genähert wird, unterscheidet sich jedoch in Details. Eines dieser Details hat mit dem Use Case und der Benutzerführung zu tun. An erster Stelle steht der Gedanke wie man einen Arbeitsablauf für die Nutzer verbessern kann oder anders ausgedrückt: Wie kann man optimal ein Problem lösen, ohne aber neue Probleme aufzuwerfen. Dann kommt es vor allem darauf an, wie die Lösung umgesetzt wird. Viele Unternehmen mögen eine gute Idee haben, ist diese jedoch schlecht umgesetzt, hilft das nur bedingt. Ein Beispiel dafür ist Mobile Payment. Apple und Google haben erkannt, wie wichtig der Onboaring-Prozess ist und haben diesen entsprechend vereinfacht. Auch wissen beide, dass Mobile Payment kein Produkt sein kann, sondern nur Teil einer ganzheitlichen Strategie. Deshalb ist Apple Pay ein Feature des iPhones und Android Pay ist Teil des Android Betriebssystems. Das Mobile Payment nur der Anfang einer ganzheitlichen Strategie ist, liegt auf der Hand. Peer-to-Peer Payment wird genauso Teil des jeweiligen Ökosystems wie Mobile Payment. Der Schritt zu einem voll umfänglichen Banking ist dann nur noch ein kleiner. Apple, Google und Co werden das Thema voran treiben und in den nächsten Jahren kräht kein Hahn mehr danach, dass es da 2015 noch andere Lösungen gab.

Von Inseln und Lösungen

Der Fintech-Bereich wächst. Immer mehr Lösungen kommen auf den Markt, die alle möglichen Anwendungsfälle bedienen. Mobile Banking, Peer-to-Peer Payment, Mobile Payment, Insurance. Themen die einst den etablierten Banken vorbehalten waren, werden mehr und mehr von Startups und branchenfremden Unternehmen besetzt. Das wundert nicht, denn die etablierten Banken haben sich mit der Digitalisierung bisher vergleichsweise schwer getan.

All diese vielen Lösungen für die vielen unterschiedlichen Anwendungsfälle haben ihre Daseinsberechtigung und es wird immer eine Anzahl von Nutzern geben, die eine Lösung X oder Y auch gerne einsetzen. Der Erfolg einer Lösung hängt im Endkundensegment vor allem an der Anzahl der Nutzer. Um eine kritische Masse zu erreichen, spielen (neben vielen anderen) vor allem drei wesentliche Faktoren eine Rolle: Problem, das “große Ganze” und eine Lösung mit einer positiven nahtlosen Nutzererfahrung, unabhängig vom Touchpoint.

Wichtige Faktoren für den Erfolg von Lösungen – nicht nur im Fintech

1) Ein Problem. Ohne Problem keine Lösung. Umgekehrt funktioniert das nämlich nur mittelgut. Leider haben das nicht alle Unternehmen verstanden. Oft werden Lösungen für ein Problem entwickelt, ohne zu hinterfragen, ob die Nutzer überhaupt eine solche Lösung brauchen. Es spielt dann auch keine Rolle mehr, ob die vermeintliche Lösung extrem gut oder schlecht umgesetzt wurde. Ohne Problem – oder Use-Case – interessiert es den Nutzer herzlich wenig.

2) Tiefer gehen und das große Ganze sehen. Wenn man jeden Tag Kopfschmerzen hat, kann man jeden Tag eine Aspirin nehmen. Das Symptom wird bekämpft. Die Ursache nicht. So verhält es sich immer wieder mit den unterschiedlichen Lösungen im Fintech-Bereich. Ein augenscheinliches Problem wird erkannt, aber was dahinter steht wird nicht hinterfragt. Alle haben Smartphones, niemand mag Bargeld – also ist die Lösung Mobile Payment. Die Entwicklungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass das auf dem Papier gut aussieht, der Nutzer aber nicht so Recht mit dem Smartphone an der Kasse zahlen will. Die wichtige Frage wäre also gewesen, warum das so ist. Nur mit diesem Wissen kann man Lösungen entwickeln, die vom Nutzer angenommen werden. Auch das große Ganze spielt eine wesentliche Rolle. Machen Lösungen Sinn, die nur einen Teil des Puzzles liefern? Konsumenten bezahlen an unterschiedlichen Touchpoints und haben unterschiedliche Geldströme. Die Philosophie, für einen Anwendungsfall eine Lösung anzubieten, hat noch immer seine Richtigkeit. Ob die Anwender für jede dieser Lösungen einen anderen Anbieter nutzen wollen, steht auf einen anderen Blatt. Zumindest so lange, bis es im Zahlungsverkehr eine Art Facebook-Connect gibt, ein Bindeglied zwischen den Lösungen. API-Lösungen wie figo könnten ein solches Bindeglied sein.

Seamless Fintech

3) Seamless. Wir sind heute nicht mehr mobil. Es gibt kein “Mobile First“ mehr. Kunden sind digital. Lösungen müssen entsprechend darauf ausgerichtet sein. Er reicht nicht mehr aus, eine mobile App zu machen. Die Nutzer erwarten nahtlose Lösungen abhängig vom Touchpoint. Netflix sieht am TV anders aus als auf dem Smartphone und verhält sich auch anders. Seamless heißt nicht Oberflächen gleichmachen, sondern auf den Touchpoint abgestimmte Lösungen anzubieten. Im Browser hat man nun mal andere Möglichkeiten als auf der Smartwatch oder dem Smartphone. Trotzdem müssen die Lösungen seamless sein. Schaut man in der Netflix-App einen Film, kann man ihn nahtlos am TV weiterschauen – obwohl die Apps unterschiedliche Funktionen haben. Google Maps sieht im Browser anders aus als auf dem Smartphone, trotzdem weiß die App, dass im Browser ein Ort gesucht wurde und bietet die Navigation an.

Fazit

Der Schlüssel zum Erfolg liegt beim Nutzer und darin, wie ganzheitlich ein Thema betrachtet wird. Insellösungen werden es schwer haben, vor allem in einem Bereich der so viele Facetten hat wie der Zahlungsverkehr. Nutzer werden immer mehr daran gewöhnt, das Lösungen nahtlos unabhängig vom Gerät bzw. dem Touchpoint agieren. Es reicht nicht aus “mobil” zu denken, denn die Nutzer denken nicht in diesen Kategorien. Nutzer sind digital und das Internet ist so selbstverständlich geworden wie der Strom aus der Steckdose. Lösungen, nicht nur im Fintech, müssen sich mit dieser Entwicklung auseinandersetzen. (Beitragsbild: shutterstock.com)


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