Leitfaden iBeacon: Wie der technische Roll-out wirklich gelingt.

von Gastautor am 02.November 2015 in Mobile Marketing, Mobile Technology, News, Trends

von Hans J. Even

Eine aktuelle Studie von Retail TouchPoints zeigt, dass 70 Prozent der befragten Händler von der iBeacon-Technologie als Touchpoints im Store profitieren. Die kleinen Alleskönner verhelfen Retailern das Kaufverhalten von Konsumten im Store zu tracken und zu verstehen. Doch hat die Technologie tatsächlich das Potenzial, ganze Branchen zu verändern? Hans J. Even von TWT Interactive sagt ja und erläutert, wie es in der Praxis funktioniert.

Apple veränderte mit der iBeacon-Technologie im Jahr 2013 die PoS-Kommunikation grundlegend. Erstmals ist es möglich, über Bluetooth Low Energy positionsabhängige Dienstleistungen wie mobiles Bezahlen, ortsspezifische Angebote oder auch eine präzise Innenraum-Navigation über alle mobilen Endgeräte hinweg zu ermöglichen.

Der Einsatz von Beacons erhöht nachweislich Besucherzahlen und auch Umsätze am Point of Sale. Relevante Coupons, die via Beacon-Technologie aufs Smartphone ausgespielt werden, steigern die Zahl der Ladenbesuche von Kunden um 23 Prozent. Darüber hinaus verlängert sich die Aufenthaltsdauer am PoS um 31 Prozent. Bereits heute unterstützen mehr als 85 Prozent aller Smartphones und Tablets den Standard – Tendenz steigend.

iBeacon 2

Doch wie funktioniert der Rollout nun wirklich? Erfolgreiche Beacon-Projekte im Handel setzen auf Analyse, Service und Beratungskompetenz. Plumpe und aufdringliche Push-Nachrichten funktionieren langfristig nicht. Lediglich über relevante Dienstleistungen, Rabatte oder Angebote können Unternehmen sich via Push etablieren. Doch auch hier gilt: Weniger ist meistens mehr.

Lernen Sie, Ihre Kunden zu verstehen

Fragen Sie Ihre Kunden, welche Angebote sie sich wünschen und lernen Sie das Verhalten Ihrer Zielgruppe am PoS kennen. Nutzen Sie hierfür die Daten, die Ihnen der Einsatz von iBeacon liefert und optimieren Sie so die User Experience. Auf diese Weise erhalten die Kunden bessere Angebote und Sie bekommen das Vertrauen ihrer Nutzer.

Content Management Systeme der Unternehmens-Website können heutzutage problemlos mit dem Store-System verknüpft werden. Auch Informationen aus Wearables wie z.B. Smartwatches können eingespeist und ausgewertet werden. Anhand von In-store-Bewegungsprofilen via Beacon lassen sich schnell wertvolle Daten sammeln, die zur Personalisierung von Content oder Kampagnen eingesetzt werden.

So funktioniert die Technik

Für die Datenübertragung greift iBeacon auf die weit verbreitete Bluetooth Low Energy-Technik (BLE) zurück. Sobald sich ein kompatibles iOS- oder Android-Endgerät einem Beacon nähert, empfängt dieses eine eindeutige Kennung und gibt das Funksignal an die entsprechende App des Anbieters weiter. Nach erfolgreicher Verbindung wird eine in der Applikation hinterlegte Aktion, die im Vorfeld vom Beacon-Besitzer festgelegt wird, ausgelöst.

Die BLE-Technologie wird häufig mit NFC verglichen, doch dieser Vergleich hinkt auf vielen Ebenen. NFC kommuniziert über elektromagnetische Wellen und die Reichweite von NFC ist mit knapp 20 Zentimetern deutlich geringer. BLE ist allerdings nicht primär für die Übertragung großer Datenmengen geeignet. Die Technik ist darauf ausgerichtet, kleine Datenmengen zu übertragen – das allerdings sehr effizient im Hinblick auf Geschwindigkeit und Batterieverbrauch.

iBeacon ist ein proprietärer Standard. Dennoch können sowohl Apple-Endgeräte (wie iPhone oder iPad ab iOS 7.x) als auch Android-Smartphones (ab Version 4.3) die Signale empfangen. Entwickler müssen dafür lediglich die iBeacon-Funktion in einer App integrieren oder über eine eigenständige App zur Verfügung stellen. Die App stellt dann die Kommunikation zum nächsten Beacon her.

5 Anwendungsszenarien von iBeacon:

Indoor Navigation

Aus der Übertragung der Informationen zwischen der Smartphone-App und dem Beacon, erhalten Einzelhändler viele neue Daten über das Verhalten ihrer Kunden im Geschäft. Sie können Kunden auf diese Weise schneller an das gewünschte Ziel führen und die Kundenzufriedenheit signifikant steigern.

iBeacon Use Case Flughafen

E-Learning

Die britische Clevedon School verwendet ein digitales Lehrbuch, das auf iBeacon basiert. Schüler und Lehrer können dieses Buch nutzen, um Lernmaterialien auszutauschen oder Materialien zur Klausurvorbereitung miteinander zu teilen

Kundenansprache

Die Sparkasse plant zukünftig bei der digitalen Kundenansprache auf iBeacon zu setzen. Durch die Technologie soll eine Steigerung der Kundeninteraktion, wie auch der Nutzungen von Services und Beratungsangeboten umgesetzt werden. Darüber hinaus ist das mobile Bezahlen mit iBeacon denkbar.

Business Expert Locator

Das iBeacon als Expert Locator bietet mit Hilfe eines Mobiles Devices an, die Experten in der Nähe zu erkennen. Durch den kurzen Kommunikationsweg über das iBeacon wird der Experte direkt gelotst und kann am gebrauchten Standort schneller ankommen.

Notfall-Helfer

iBeacon kann für Lehrer zum Beispiel als Notfall-Nachricht fungieren. Um auf sich aufmerksam zu machen, kann der Mini-Sender mit M7 Motion Coprocessor und Indoor Mapping (iOS 8) verbunden werden und eine Gefahrenquelle lokalisieren. Die Empfänger der Nachricht können gezielt Hilfe verständigen, oder ein Signal absenden, um einen Krankenwagen zu rufen.

Kampagnen mit professionellem Beacon-Management

Beacon Management-Plattformen bieten alles, was Marketing-Verantwortliche für erfolgreiche Proximity Interaction-Kampagnen benötigen. Verschiedene Technik-Anbieter auf dem neuen Markt stellen bereits komfortable Tools für die Verwaltung und Organisation der ausgespielten Inhalte zur Verfügung. Solche Systeme helfen dabei, Versand-Statistiken zu analysieren und mit mehreren Kollegen erfolgreich an einer Kampagne zu arbeiten – und das direkt über den Web Browser. Über intelligente Web Dashboards lassen sich Beacons und Kampagnen einfach erstellen, managen und verwalten. Nutzer solcher Systeme können sowohl die Aktionen, als auch den ausgespielten Content an laufende Kampagnen oder bestehende Services bedarfsweise anpassen. Software Development Kits (SDK) ermöglichen einer bereits bestehenden App, mit Beacons zu interagieren.

Fazit

Die Technik ist fit für die Zukunft, nun müssen die Unternehmen nachrüsten. Neue Projekte und Marktlösungen auf Basis der iBeacon-Technologie werden den Handel am PoS verändern und digital transformieren.

Hans J. EvenHans J. Even ist seit 1999 Geschäftsführer der TWT Interactive GmbH in Düsseldorf und verantwortet die Units Consulting, Business Development und Sales. Vor seiner Tätigkeit bei TWT arbeitete der Diplomkaufmann und Master of Business für führende internationale Investmentbanken und Consulting-Unternehmen in den Bereichen Corporate Finance, Strategie, Vertriebs- und Prozessoptimierung.


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