15. Mobilisten-Talk: Warum Smartwatches noch Rohrkrepierer sind – und trotzdem wichtig.

von Fritz Ramisch am 23.September 2015 in Events, Mobilisten-Talk, News, Wearables

15.Mobilisten-Talk Smartwatches & Wearables 5„Häufigster Anwendungsfall bei der Apple Watch ist das Aufladen“, so Maik Klotz in seiner Keynote beim 15. Mobilisten-Talk zum Thema „Smartwatches & Wearables“ gestern Abend im BASE_camp in Berlin. Dürftige Hardware und noch dürftigere Apps machten die aktuellen Smartwatches (noch) zu Rohrkrepierern und Ladenhütern. Weil Smartphones ihren Zenit erreicht haben und künftig v.a. als Information Hub in der Hosentasche fungieren werden, haben smarte Uhren aber trotzdem ihre Daseinsberechtigung und eine Menge Potenzial, so Klotz. Die größte Herausforderung für die Mobilbranche sei es daher, neue, sinnvolle und kontextbezogene App-Konzepte zu entwickeln.

Das sahen auch die Experten der darauffolgenden Podiumsdiskussion so: Sina Aukamp (Futurecandy), Simon Bartmann (Sagitta Internet), Florian Brandt (IQ mobile) Markus Hallermann (komoot) und Christoph Mörl (SinnerSchrader Mobile) diskutierten unter Leitung von Florian Treiß (mobilbranche.de) über Sinn und Unsinn von Wearables. Christoph Mörl brachte die Aufgabe von Smartwatches gleich zu Beginn der Diskussion auf den Punkt: „Es geht darum Dinge zu erleichtern. Irgendwann ist alles möglich mit der Uhr. Aber Smartwatches werden das Smartphone nicht ersetzen.“ Markus Hallermann war mit seiner Fahrrad- und Wander-App komoot einer der ersten deutschen App-Publisher mit einer eigenen App für die Apple Watch. Die Uhr sei vielleicht nicht das beste Gerät auf dem Markt, Apple habe es aber wieder einmal geschafft, ein neues Ökosystem zu schaffen – und das sei letztendlich das Entscheidende. Bei der App-Konzeption seien aktuell Notifications das A und O, denn „kaum jemand öffnet aktiv eine App auf der Smartwatch“, so Hallermann. Deshalb müssten Botschaft, Zeit und Häufigkeit der Push-Nachrichten wohl durchdacht sein.

15.Mobilisten-Talk Smartwatches & Wearables

Markus Hallermann, Christoph Mörl, Florian Brandt, Sina Aukamp, Simon Bartmann und Florian Treiß (von links nach rechts)

Handel muss besser informieren

Simon Bartmann geht mit der Nevo Watch bewusst einen komplett anderen Weg und setzt auf ein proprietäres System statt auf Drittanbieter-Apps. Auch vom Design unterscheidet sich die Uhr von der Konkurrenz. Statt eines Mini-Computers fürs Handgelenk sieht Nevo wie eine ganz normale Armbanduhr aus. An der geringen Verbreitung von Wearables habe laut Bartmann auch der Handel eine Mitschuld: Es fehlt noch an Produktinformation, Kundenberatung und Möglichkeiten, die Geräte auszuprobieren. Das ändere sich aber: So werde bald ein großer Händler eine Art Lifestyle Shop mit Sitzecken, ohne typischen O2-Stand und mit Fokus auf Wearables sowie Smart Home vorstellen, bei dem sich Kunden die Mehrwerte der neuen Geräte ganzheitlich erklären lassen können.

Fokus auf Fitness und Gesundheit

Bei Sina Aukamp von der Innovationsberatung Futurecandy liegt die Apple Watch mittlerweile in der Ecke. „Als ich mich dabei ertappt habe, dass ich extra später ins Bett gehe, um mein Bewegungsziel zu erreichen, war Schluss.“ Auch ihre Kunden fragen Smartwatch-Konzepte noch selten nach. Noch spannender seien Datenbrillen. „Da wollen viele zu den First Movern gehören.“ Die Innovationsberaterin ist deshalb davon überzeugt, dass „Datenbrillen wichtiger als Smartwatches“ werden. Vor allem in Kombination mit Virtual oder Augmented Reality seien Datenbrillen vielseitig einsetzbar – in der Unterhaltungsindustrie ebenso wie in der Logistik oder Produktion. Florian Brandt von IQ mobile sieht v.a. Sport und Gesundheit als wichtigsten Anwendungsfall auf der Smartwatch. Wearables als Shopping-Device sind für ihn noch Zukunftsmusik, könnten sich aber vor allem bei Einkäufen mit geringem Wert durchaus etablieren. Vor allem in Sachen Gesundheit gibt es eine Reihe interessanter Ansätze, die noch kaum genutzt werden, waren sich die Experten einig. So habe Apple mit HealthKit und ResearchKit spannende Schnittstellen geschaffen, um App-Daten für medizinische Zwecke nutzbar zu machen. Auch Versicherungen wollen den Datenschatz, den die vielen Sensoren zu Tage fördern, heben. Die damit einhergehende Datendebatte sei vor allem ein gesellschaftliches Thema, fndet Markus Hallermann. Denn das Prinzip, das Versicherte in verschiedenen Schadensfreiheitsklassen eingeteilt werden, gäbe es doch längst. „Nur die Daten werden genauer“, so Hallermann. Das Thema erfordere v.a. hier in Deutschland ein sensible Herangehensweise: „Versicherungen dürfen es nicht versieben, denn es gibt nur diese eine Chance“, fasst Christoph Mörl das Dilemma vieler Unternehmen zusammen, die den Wearable-Datenschatz heben wollen.

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