Zoff um Krankenkassen-Zuschuss für Apple Watch & Fitnesstracker.

von Florian Treiß am 10.August 2015 in Geräte, Mobile Health, News

Apple Watch Bloß ein Werbegag? Krankenkassen wie die AOK Nordost und die Techniker Krankenkasse ziehen mit ihren Plänen, den Kauf der Apple Watch und von Fitnesstrackern zu bezuschussen, den Zorn der Politik auf sich: „Ich unterstütze gute Präventionsprogramme, aber ich halte nichts von Marketingmaßnahmen der Kassen auf Kosten der Beitragszahler“, sagt Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein im „Spiegel“. Auch sein SPD-Kollege Karl Lauterbach hält den Bonus für „fragwürdig“. Die Kritiker sind sich einig, dass es den Kassen weniger um Gesundheitsprävention mit der Apple Watch geht als darum, gut gebildete, junge und gesunde Mitglieder von anderen Kassen abzuwerben. Ganz so einfach ist es aber auch nicht: Den stolzen Zuschuss von 250 Euro sollen bei der Techniker Krankenkasse nur die wenigen Mitglieder erhalten, die zuvor am Bonusprogramm teilgenommen und dabei innerhalb eines Jahres neun Maßnahmen abgehakt haben wie z.B. Vorsorgeuntersuchungen und Gesundheitskurse. Deutlich einfacher zu erhalten, aber auch deutlich niedriger ist der Zuschuss bei der AOK Nordost: hier können Mitglieder alle zwei Jahre 50 Euro erhalten, wenn Sie sich einen Fitnesstracker oder eine Apple Watch zulegen wollen.

Beide Krankenkassen wollen aber keineswegs die von den Geräten erfassten Gesundheitsdaten übermittelt bekommen, wie es in letzter Konsequenz vielleicht logisch wäre. Vielmehr sollen die Geräte nur ein Anreiz sein, um gesünder zu leben. Die italienische Generali-Versicherung bietet dagegen bereits ein neues Tarifsystem, das u.a. auch Schrittzähler-Daten berücksichtigen soll. Solche Gedankenspiele rufen selbstverständlich Kritiker auf den Plan: Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ titelte gestern „Meine Pulsfrequenz gehört mir“. In dem Beitrag heißt es u.a.:

„Die Frage ist bloß: Wollen wir so eine Gesellschaft? In der jene profitieren, die sich vermessen lassen, die Gesundheit für quantifizierbar halten, die Daten preisgeben, weil sie „nichts zu verbergen haben“? Das Wort von der Solidargemeinschaft ist altmodisch. Aber auch das sind wir noch: eine Gemeinschaft, in der die Starken den Schwachen helfen, den wirklich Kranken. Es darf nicht geschehen, dass Krankheit als selbstverschuldetes Scheitern von Leuten begriffen wird, die es versäumt haben, ihre Fitness-Ziele zu erfüllen.“

Thomas Petri, Bayerischer Landesbeauftragter für den Datenschutz, warnt wiederum gegenüber dem Bayerischen Rundfunk:

„Das Problem bei den gesetzlichen Krankenversicherungen ist: Wenn sie Apps anbieten, die nicht von ihnen selber entwickelt worden sind, dann stellt sich die Frage: Wer bekommt denn eigentlich die Daten, die diese App erhebt, wo gehen diese Daten hin? Gehen sie an die Krankenkasse zurück? Dann stellt sich die Frage: Was macht die Krankenkasse mit solchen Daten? Wenn die Daten nicht an die Krankenkasse fließen, sondern an andere, zum Beispiel den App-Entwickler oder einen Anbieter, stellt sich die Frage: Was macht der denn mit den Daten?“

Und Teresa Buecker befürchtet bei Edition F gar:

„Die Dystopie, die sich aufmacht, wenn wir den Einsatz von Gesundheitstrackern konsequent weiterdenken, ist, dass jemandem in der Zukunft eine medizinische Behandlung verwehrt wird oder er sie selbst finanzieren muss, weil er in seinen 20ern gern getrunken hat – oder einmal gekokst. Und ein System, das die Frage stellt, ob sich eine Behandlung lohnt oder vergeudetes Geld ist, wird irgendwann dem Kind die Operation verwehren, dessen Lebenserwartung ohnehin nur bei drei Jahren liegt.“

Bald dürfte sich die hysterische Diskussion um Apple Watch & Fitnesstracker aber wohl legen, selbst wenn manch einer sogar sagt: „Liebe Versicherung, bitte tracke mich!“. Denn dass Krankenkassen tatsächlich die Fitnessdaten ihrer Patienten permanent erfassen wollen, ist wohl deutlich unwahrscheinlicher als dass Versicherer künftig den Fahrstil von Autofahrern per Black Box erfassen und braven Fahrern Rabatte weitergeben. Zumal auch Leistungssportler plötzlich Krebs oder Multiple Sklerose bekommen können – und die Erfassung von Fitnessdaten das auch nicht verhindern kann.

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