Glanzkinder und Cancom trennen sich – Interview mit Heinz Ingensiep.

von Florian Treiß am 09.Dezember 2014 in Enterprise Mobility, Interviews, News

Heinz-Ingensiep-GlanzkinderLoslösung von Cancom: Der Kölner App-Spezialist Glanzkinder hat sich nach einer zweijährigen Liaison wieder vom börsennotierten IT-Systemhaus Cancom getrennt. „Um die notwendigen Freiräume für Entwicklungsphasen zu realisieren und weil Softwareentwicklung kein Kerngeschäft von Cancom ist, hat man die enge Verflechtung gelockert“, sagt Glanzkinder-Geschäftsführer Heinz Ingensiep im mobilbranche.de-Interview. Die zu den Top 3 der deutschen IT-Systemhäuser zählende Cancom hatte erst im Juni 2012 eine Beteiligung von 49 Prozent an Glanzkinder erworben, um „ihr Geschäft im wachstumsstarken Mobile Business Umfeld auszubauen“, wie es damals hieß. Beide Unternehmen wollen zwar partnerschaftlich verbunden bleiben, doch hat Glanzkinder in den letzten Tagen eigenständig zwei neue Produkte veröffentlicht: Eine iBeacon-Managementplattform sowie eine Lösung zur mobilen Verteilung von Dokumenten. Über die neue Strategie haben wir mit Heinz Ingensiep gesprochen.

mobilbranche.de: Glanzkinder und Cancom gehen seit kurzem wieder getrennte Wege. Wie kommt’s?

Heinz Ingensiep: Hintergrund ist eine konsequente Ausrichtung der Glanzkinder in Richtung professioneller mobiler Business-Software-Lösungen. Um die notwendigen Freiräume für Entwicklungsphasen zu realisieren und weil Softwareentwicklung kein Kerngeschäft von Cancom ist, hat man die enge Verflechtung gelockert. Die Cancom Gruppe und die Glanzkinder GmbH werden zukünftig in enger Partnerschaft Mobile Projekte realisieren. Hier stehen Themen wie Industrie 4.0 und Smart Retail im Vordergrund. So können zum Beispiel mit dem SEEM Manager von Glanzkinder alle nur denkbaren iBeacon-Lösungen im Handel oder der Industrie mit nur wenigen Clicks umgesetzt werden.

mobilbranche.de: Ohne Konzernstrukturen im Rücken können Sie nun sicher freier agieren als in den letzten zwei Jahren. Wie wollen Sie Glanzkinder in Zukunft positionieren?

Heinz Ingensiep: Unser Slogan „einfach mobil arbeiten“ bringt es auf den Punkt. Wir konzentrieren uns auf prozessoptimierende Enterpriselösungen, welche die Kosten und Qualität unserer Kunden optimieren. Hierbei stehen drei Leistungsbereiche im Vordergrund:

  1. Agile Customentwicklung maßgeschneiderter Lösungen
  2. Branchenübergreifende OUT OF THE BOX Produkte wie z.B. unseren Document Distribution Manager zur gezielten Bereitstellung von Dokumenten.
  3. SaaS Lösungen wie z.B. unseren SEEM Manager zur Steuerung und Verwaltung von Beacons und anderen Sensoren/Emittern.

Auf Grund der klaren Fokussierung auf Enterprise-Lösungen stellen wir alle Produkte auch immer““On Premise“ (auf dem eigenen Kundenserver) zur Verfügung. Somit behält der Kunde immer die absolute Datenhoheit und Sicherheit.

mobilbranche.de: Eines Ihrer ersten Produkte ohne Cancom-Beteiligung ist der „SEEM-Manager“, der jetzt Premiere feiert. Wer kann eine solche Management-Plattform für Beacons gebrauchen?

Heinz Ingensiep: Beacons (aus dem englischen „Leuchtfeuer“) sind Sensoren, welche in hoher Frequenz eine Identifikationsnummer senden. Diese Identifikationsnummern können z.B. in Apps hinterlegt werden, so dass diese darauf reagieren. Diese Technologie birgt für Unternehmen ein großes Potenzial zur Kosteneinsparung und Qualitätssteigerung. Jedes Unternehmen benötigt zum Managen dieser Beacon ein intelligentes Basissystem, welches sowohl bei einer kleinen Anzahl als auch bei großen Mengen an zu verwaltenden Beacons sicher, leicht zu bedienen, intelligent und wirtschaftlich ist. Darüber hinaus gehört zu einem solchen System die Bereitstellung einer erweiterbaren API und SDKs für alle gängigen Plattformen. Eine solche Management-Plattform benötigen alle Unternehmen aus dem Bereich Handel, Industrie und Dienstleistung.

mobilbranche.de: Was kann der „SEEM-Manager“, was Wettbewerber von Ihnen nicht können?

Heinz Ingensiep: Zum einen sind wir komplett unabhängig von Herstellern von Beacons und anderen Sensoren, können also Unterstützung auch für Szenarien bieten, in denen herkömmliche iBeacons und z.B. BLE-Sensoren zur Umgebungs- oder Maschinendatenerfassung gemischt betrieben werden sollen. Ein weiteres Merkmal stellt die dokumentierte API dar, die es in Verbindung mit “Scripted Actions” erlaubt, Fremdsysteme über frei programmierbare Regeln mit Daten aus einer App (z.B. Maschinendaten) zu versorgen. Darüber hinaus kann das Fremdsystem im Gegenzug auch Daten über diesen Kanal zurück liefern, so dass davon abhängig Aktionen in der App ausgelöst werden – das alles zentral gesteuert über das Managementsystem. Alle Funktionalitäten können ohne Einschränkungen für bis zu drei Beacons kostenfrei genutzt werden. Darüber hinaus bieten wir das Management-System als SaaS-Lösung mit einem transparenten Preissystem an. Und last, but not least können wir dank der skalierenden Architektur die gesamte Lösung auch “On Premise” anbieten, so dass wir auch Anforderungen an Sicherheit und Compliance erfüllen können.

mobilbranche.de: Beacons haben sich zu einem echten Hype-Thema entwickelt. Was sind aus Ihrer Sicht die spannendsten und vor allem auch nachhaltigsten Anwendungsmöglichkeiten?

Heinz Ingensiep: Einerseits Beacon-Based-Services: im Enterprise, B2B als auch im B2C Bereich. Somit kann z.B. ein Beacon der an einer Industrieanlage befestigt ist, automatisiert das zu erstellende Auditformular beim Servicetechniker auf dem iPad in den Vordergrund stellen. Der Servicemitarbeiter muss nicht mehr suchen, verwendet auf jeden Fall das aktuelle und richtige Dokument. Oder ein Beacon in einer Kaffeemaschine zeigt automatisch welcher Kalkfilter erforderlich ist und der Nutzer kann diesen mit einem Knopfdruck nachbestellen. Oder ein Beacon in einer Bohrmaschine zeigt, welche Bohrer verwendet werden können. Oder ein Beacon an einem Verkaufsregal ermöglicht den Anruf eines Experten per Video-Talk. Oder ein Beacon an einer Produktionsmaschine ermöglicht nutzerbezogene Dienste und zeigt z.B. dem Manager die aktuelle Auslastung, dem neuen Anwender ein Bedienungsvideo, dem Service-Mitarbeiter eine Wartungscheckliste. Oder ein Beacon in einem Hotelzimmer ermöglicht es dem Nutzer z.B. mit nur einem Knopfdruck einen Cappuccino, Bademantel oder einen Termin zur Massage zu bestellen. Ich könnte das jetzt Stundenlang fortführen 😉

Andererseits aber auch Beacon-Based-Indoor-Navigation: Navigation in Industrieanlagen, Handelshäusern, Messen, Flughäfen, Bürokomplexen, etc. Oder in einem Krankenhaus wird dem Mitarbeiter angezeigt wo sich z.B. ein bestimmtes EKG Gerät befindet und navigiert ihn dorthin.

mobilbranche.de: Welche Rolle werden Beacons denn generell in den kommenden Jahren spielen?

Heinz Ingensiep: Beacon-/Sensoren-basierte Lösungen werden die Art der vernetzten Informationen grundlegend verändern. Der Nutzer wird nicht mehr von außen auf Dienste / Informationen  etc. zugreifen müssen, sondern befindet sich automatisiert in deren Mittelpunkt.

mobilbranche.de: Was hat Glanzkinder in den nächsten Monaten noch in der Pipeline?

Heinz Ingensiep: Rund um die bestehenden Themen befinden sich viele Weiterentwicklungen und Ergänzungen in der Pipeline. Hierbei stehen Einfachheit und Produktintelligenz im Vordergrund. Darüber hinaus haben wir für 2015 mit den bestehenden Themen Kooperationsprojekte mit Cisco, IBM, Apple, Microsoft und Vodafone am Start, die dem Markt spannende Lösungen bieten.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!


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