Interview mit Oliver Flaskämper über Bitcoin im mobilen Zeitalter.

von Fritz Ramisch am 29.September 2014 in Highlight, Interviews, Mobile Payment, News

Oliver Flaskämper„Bitcoin wird in ein paar Jahren in Sachen Mobile das sein, was die E-Mail für das Internet ist“, prophezeit Oliver Flaskämper, Gründer und Vorstand des Bitcoin-Marktplatzes bitcoin.de. Zwar werde Bitcoin noch selten als mobiles Zahlungsmittel genutzt, doch „es ist davon auszugehen, dass immer mehr Mobile-Payment-Anbieter Bitcoins integrieren werden“, so Flaskämper. Das Thema Bitcoin dürfte durch die Ankündigung von PayPal, Bitcoin zu integrieren, an Fahrt aufnehmen. Oliver Flaskämper wird auf der WirtschaftsWoche Konferenz zum Thema „Mobile Ticketing & Payment“ am 10. und 11. November 2014 in Düsseldorf einen Vortrag zum Thema “Digitale Währungen – Funktionsweise virtueller Währungen am Beispiel Bitcoin” halten. Wir haben Flaskämper im Vorfeld der Konferenz dazu befragt, welche Rolle das virtuelle Zahlungssystem Bitcoin hierzulande und im mobilen Kontext spielt.

mobilbranche.de: Sie haben in einem Interview mal Bitcoin als „Digitales Gold mit Bezahloption“ bezeichnet. Was macht die virtuelle Währung Bitcoin denn so wertvoll?

Oliver Flaskämper:  Bitcoins sind selten, ebenso wie Gold. Diese Seltenheit ist über einen mathematischen Algorithmus gesichert, so dass Fälschungen oder eine Erhöhung der maximalen Bitcoin-Menge von 21 Millionen Einheiten nach heutigen Erkenntnissen ausgeschlossen sind. Daher eignen sich Bitcoins zur Verwendung als Wertaufbewahrungsmittel, wie auch schon Gold seit Menschengedenken zur Aufbewahrung von Werten verwendet wird. Im Gegensatz zu Gold schwankt das Angebot und die Nachfrage bei Bitcoin aber noch stark, so dass Bitcoins derzeit noch nichts für schwache Nerven sind.

mobilbranche.de: Wie wird Bitcoin hierzulande denn genutzt?

Oliver Flaskämper: Bitcoins werden überwiegend noch als Spekulationsobjekt genutzt. Durch immer mehr Akzeptanzstellen, bei denen mit Bitcoins Waren und Dienstleistungen bezahlt werden können, steigt jedoch die Verwendung von Bitcoins als Zahlungsmittel. Ich schätze, dass Bitcoin derzeit zu 90 Prozent zur Spekulation und Wertaufbewahrung und zu 10 Prozent als Zahlungsmittel verwendet wird. Die Verwendung als Zahlungsmittel wird aber immer bedeutender, so dass ich nach wie vor fest davon überzeugt bin, dass Bitcoin irgendwann eine weltweit akzeptierte Paralellwährung sein wird, die mehr Akzeptanzstellen hat als alle Kreditkarten zusammen. Das wird aber noch Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern. Selbst die britische Notenbank erinnert in einem jüngst erschienenen Report zum Thema Bitcoin daran, dass viele Innovationen Jahrzehnte bis zum Durchbruch brauchten.

mobilbranche.de: Nach dem Aus von Mt. Gox war die Aufregung und Verunsicherung groß. Wie ist es denn um die Stabilität und Sicherheit von Bitcoin und anderen virtuellen Zahlungssystemen bestellt und was hatte die Insolvenz für Folgen für die Bitcoin-Ökonomie?

Oliver Flaskämper: Das Aus von Mt. Gox war ein großer Rückschlag für die Bitcoin-Ökonomie. Da ist viel Vertrauen zerstört worden, auch wenn die Probleme bei Mt. Gox sich schon Monate zuvor abgezeichnet haben. Für viele User aus der Bitcoin-Community kam das Ende also nicht wirklich überraschend und Mancher war sogar froh, dass das Schrecken endlich ein Ende hatte.

mobilbranche.de: Investor Peter Thiel hat kürzlich Bitcoin als Zahlungssystem mit schlimmen Mängeln kritisiert. „Ich werde optimistischer im Bezug auf Bitcoin sein, sobald ich sehe, dass das Zahlungsvolumen wirklich steigt“, so sein Statement bei einer Fragerunde über Reddit. Wie beurteilen Sie diese Aussage?

Oliver Flaskämper: Er hat vollkommen Recht. Ohne einen Anstieg des Zahlungsvolumens wird Bitcoin keinen langfristigen Erfolg – als Zahlungsmittel – haben. Das ist aber weitestgehend unabhängig von der Nutzung als Wertaufbewahrungs- und Werttransportmittel. Wenn man sich den Chart mit der Anzahl der Transaktionen anschaut, dann stimmt mich dieser jedoch optimistisch. Die Anzahl geht auf Jahressicht kontinuierlich nach oben und es ist auch nicht absehbar, dass sich daran etwas ändern wird.

mobilbranche.de: Bitcoin und Mobile hatten ja anfangs einen schlechten Start. Apple hat beispielsweise Bitcoin-Apps aus dem App Store verbannt. Mittlerweile sind diverse Apps wieder zugelassen. Was hat sich geändert?

Oliver Flaskämper: Ich denke, dass Apple erkannt hat, dass man sich nicht einer Idee verschließen kann, deren Zeit gekommen ist. Geld ist weder gut noch böse. Es ist ein Energieträger und es kommt darauf an was man damit macht. Dass digitale Währungen es vielleicht einfacher machen illegale Waren über das Internet über das Internet zu erwerben kann man nicht bestreiten. Wenn man jedoch so argumentiert, müsste man auch das Internet verbieten. Ich denke diese Erkenntnis hat auch bei Apple dazu geführt, dass Verbot von virtuellen Währungen im App Store praktisch aufzuheben.

mobilbranche.de: Welche Rolle spielt Bitcoin denn heutzutage in Sachen Mobile Payment?

Oliver Flaskämper: Noch keine große Rolle. Es gibt mittlerweile aber zahlreiche Apps über die mit Bitcoins bezahlt werden kann. Es ist auch davon auszugehen, dass immer mehr Mobile-Payment-Anbieter Bitcoins integrieren werden. Die eBay-Tochter Braintree steht ja zum Beispiel kurz davor Bitcoin zu integrieren. Das wird dazu führen, dass immer mehr Online-Shops Bitcoins als zusätzliche Zahlungsmethode anbieten werden und sich Bitcoin immer mehr als Internet-Währung durchsetzen wird.

mobilbranche.de: Wie kann Bitcoin denn beispielsweise von Apple Pay profitieren?

Oliver Flaskämper: Wenn Apple Bitcoin nicht in Apple Pay integrieren sollte, und davon ist erst einmal auszugehen, wird Bitcoin davon natürlich gar nicht profitieren. Ich denke Apple will vor allem Kreditkarten-Unternehmen aus dem Einzelhandel verdrängen und sieht Bitcoin eher als Gefahr für sein Modell.

mobilbranche.de: eBay will Bitcoin offenbar in PayPal integrieren? Was hätte das zur Folge?

Oliver Flaskämper: Paypal hat im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern sehr früh die vielen Vorteile einer Integration von Bitcoin erkannt. Nämlich die Möglichkeit unabhängig von Banken, praktisch gebührenfrei Geldbeträge um die Welt zu versenden. Wenn Paypal Bitcoin integrieren würde, wäre das der Ritterschlag für Bitcoin und würde die Anzahl der potenziellen Akzeptanzstellen weltweit vervielfachen.

mobilbranche.de: Datenschutz, Privatsphäre sind hitzig diskutierte Themen. Welche Vorteile hat ein dezentrales virtuelles Zahlungssystem gegenüber bestehenden Zahlungsmethoden?

Oliver Flaskämper: Die Dezentralität von Bitcoin macht es praktisch unmöglich das System durch DDoS-Attacken lahmzulegen oder eben auch zu verbieten. Auch ein Datenverlust ist praktisch ausgeschlossen, da sämtliche Transaktionsdaten verteilt auf jetzt schon hundertausenden von Comuptersystemen der Nutzer auf der ganzen Welt gespeichert sind. Da es zu den Transaktionsdaten keine direkte Zuordnung zu Personendaten gibt, ist das System weitestgehend anonym. Man spricht hier auch gerne von pseudonym, weil natürlich über die Zuordnung eine Bitcoin-Adresse zu einer Person, z.B. bei einer Bezahlung, auch historische Transaktionen aufgedeckt und zurückverfolgt werden können. Davor kann man sich aber gut schützen, indem man ähnlich wie beim „Tor“-Browser-Projekt Dienste zur Anonymisierung der Zahlungsströme verwendet.

mobilbranche.de: Bitcoin wird in Sachen Mobile- (In-App-Payment) … (Bitte vervollständigen Sie den Satz.)

Oliver Flaskämper: … zu dem, was die E-Mail für das Internet ist.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

 


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