Mit Auflagen: EU will E-Plus-Übernahme durch Telefónica durchwinken.

von Fritz Ramisch am 17.Juni 2014 in Netzbetreiber, News, Ökosysteme

Telefonica-kauft-E-PlusDie EU-Kommission gibt Insidern zufolge grünes Licht für die 8,6 Mrd Euro schwere Mobilfunkfusion zwischen E-Plus und der Telefónica-Tochter O2. Einigen Experten zufolge bestand ohnehin kein Zweifel ob der Zusammenschluss genehmigt wird, sondern nur zu welchen Bedingungen. Durch die Übernahme verschmelzen der dritt- und der viertgrößte Mobilfunker in Deutschland zu einem neuen Mobilfunkschwergewicht mit knapp 50 Mio Handykunden. Experten, insbesondere die deutschen Kartellbehörden, befürchten einen Preisanstieg durch mangelnden Wettbewerb. Erst vergangene Woche hatte das Bundeskartellamt ihre Bedenken in einem Brief an die EU-Kommission zum Ausdruck gebracht. Auch Freenet-Chef Christoph Vilanek sieht die geplante Fusion zwischen E-Plus und O2 kritisch. Er befürchtet “eine Art nicht abgestimmtes Stillhalteabkommen”, dass Preissenkungen verhindert. “Der Wettbewerb hat während der letzten zwanzig Jahre hauptsächlich von E-Plus und O2 gelebt. Viele der echten Innovationen gingen von diesen beiden kleineren Angreifern aus, etwa die Einführung von Billigmarken wie Simyo. Ohne klare Vorgaben wird der Wettbewerb stark abnehmen. Zudem dürfte die Fusion in einer abspracheartigen Zusammenarbeit zwischen nur noch drei großen Spielern am deutschen Markt münden”, so Vilanek gegenüber manager magazin online. Als schlechtes Beispiel wird immer wieder der Zusammenschluss der österreichischen Mobilfunker Orange und Hutchinson Drei Austria aufgeführt. Nach der Übernahme 2013 verringerte sich die Zahl der Mobilfunkanbieter auf drei Anbieter. Bereits im ersten Jahr „nach der Marktkonsolidierung kam es im Mobilfunk zu deutlichen Preissteigerungen“, so der Freitag veröffentlichte Jahresbericht der österreichischen Regulierungsbehörde für Telekommunikation. Damit das nicht passiert muss Telefónica im Gegenzug offenbar mindestens ein Fünftel seiner Netzkapazitäten an einen kleineren Konkurrenten abgeben. Der Mobilfunker hatte Zugeständnisse hatte sich bereits bereit erklärt Mobilfunkfrequenzen freizugeben. Zu verlockend sind die Einsparptenziale, die eine Fusion mit E-Plus mit sich bringen. Einem Bericht der „Rheinischen Post“ zufolge ergeben sich im Rahmen der Fusion Einsparungen in Höhe von rund 400 Mio Euro bei der Verwaltung, 660 Mio Euro beim Kundenservice und knapp 800 Mio Euro an Netzbetriebskosten. Wie viele Jobs den Einsparmaßnahmen zum Opfer fallen werden, bleibt nur zu vermuten. Telefónica will dem Bericht zufolge im Falle der E-Plus-Übernahme jeden dritten Vertriebsshop dicht machen. Außerdem führt der Mobilfunkkonzern offenbar Verhandlungen mit mehreren kleineren Mobilfunkanbietern darunter neben Freenet, Drillisch und Unitymedia KablBW wohl auch mit dem französischen Mobilfunker Orange. Nach dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Telefónica und 1&1 könnten die Franzosen ein heißer Kandidat sein, um als vierter Mobilfunker in den deutschen Markt einzusteigen.
focus.de (Übernahmegenehmigung), handelsblatt.com (Hintergrund Preissteigerungen)


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