Interview: Christian Feser von M-Way Consulting über Auswahlkriterien einer Enterprise-Mobility-Plattform.

von Fritz Ramisch am 28.April 2014 in Enterprise Mobility, Interviews, Mobile Security, News

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„Die Adaption der Geschäftsprozesse an eine mobile Strategie, deren Fokus stets auf Sicherheit und Datenschutz liegen sollte, bietet die Grundlage für eine zukunftsorientierte Unternehmenspolitik“, sagt Christian Feser, Geschäftsführer bei der M-Way Consulting GmbH. M-Way Consulting hat in einem lesenswerten Whitepaper die wichtigsten Aspekte von Mobility-Plattformen zusammengetragen und stellt einige Anbieter und deren Produkte vor. „Um eine Fragmentierung im Mobility-Bereich zu vermeiden, sollte eine durchgängige mobile Infrastruktur als Grundlage der mobilen Strategie etabliert werden. Die Schwierigkeit besteht darin, verschiedene Enterprise-Plattformen zu integrieren und eine Verbindung zu den Backend-Systemen wie CRM-, SRM- oder Datenbank-Server herzustellen“, empfiehlt Feser. Bei der Einführung einer Mobility-Plattform sollten in der Regel die vier Säulen Mobile Application Development, Backend-Integration, Application Management und Device Management berücksichtigt werden, so Feser. Zuvor war Christian Feser bei M-Way Solutions als Projektmanager tätig. Vor seinem Einstieg bei M-Way Solutions war er als selbständiger IT Berater tätig und spezialisierte sich vor allem auf Mobile Enterprise Solutions. Im Interview mit mobilbranche.de erklärt er, was sich hinter dem Buzzword Mobile Enterprise verbirgt und was es bei der Auswahl einer Enterprise-Mobility-Plattform zu beachten gilt.

mobilbranche.de: „Mobile Enterprise“ ist in aller Munde, doch was bedeutet dieses so häufig verwendete Buzzword eigentlich?

Christian Feser: Der ständige Zugriff auf Geschäfts- und Kundendaten ist für zukunftsorientierte Unternehmen unverzichtbar. Vor allem Mitarbeiter sind durch den Einsatz von mobilen Lösungen effizienter. Durch Enterprise Mobility werden Prozesse und Anwendungen auf den mobilen Bereich erweitert und optimiert. Diese Flexibilisierung ermöglicht Unternehmen, neue Geschäftsfelder und Vertriebskanäle zu erschließen und die eigenen Prozesse zu optimieren. Um dies zu erreichen, müssen neben der Nutzung von mobilen Endgeräten auch entsprechende Infrastrukturen und Services zur Verfügung gestellt werden, mit denen die Geschäftsprozesse mobil genutzt werden können. Entscheidend sind die Implementierung und die exakte Planung einer mobilen Strategie. Somit ist Enterprise Mobility weit mehr als nur ein reines Mobile Device Management. Einige Firmen laufen hier Gefahr durch die technische Implementierung eines MDMs das komplette Enterprise Mobility Management abbilden zu wollen.

mobilbranche.de: Unternehmen sehen sich oft mit Phänomenen wie BYOD, Wirtschaftsspionage aber auch Big Data konfrontiert. Was sind die daraus resultierenden Gefahren/Chancen?

Christian Feser: Speziell durch die Medien und die NSA-Affäre wird das Thema Sicherheit und Datenschutz immer weiter in den Vordergrund gerückt. Die Risiken und Folgen von BYOD werden im Moment noch von vielen Unternehmen unterschätzt, da es im Moment hier auch noch keine klare Rechtsprechung gibt. Bei Big Data geht es vor allem um den Ort der Datenspeicherung. In welchem Land werden die Firmendaten gehostet und was hat das für den Datenschutz zur Folge?
Die Vorteile, die sich aus den genannten Buzzwords ergeben, liegen auf der Hand: es entwickeln sich neue Geschäftszweige, Sicherheit und Datenschutz bekommen die Aufmerksamkeit, die sie dringend benötigen und es findet eine Sensibilisierung der Betroffenen statt – denn Sicherheit steht eng in Verbindung mit Wissen und Vertrauen.
Speziell zum Thema BYOD besteht sehr viel Aufklärungsbedarf. Mitarbeiter müssen durch Workshops im richtigen Umgang mit ihrem privaten Endgerät geschult werden. Nur so werden Missverständnisse wie die Annahme, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter ausspähen könnten, aufgeklärt und die Vorteile wie Flexibilität, Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivitätssteigerung erreicht. Sicherheit und Datenschutz sollten bei jeder mobilen Strategie als höchste Priorität wahrgenommen werden. Nur so können Unternehmen von den möglichen Chancen gefahrenlos profitieren.

mobilbranche.de: In einem aktuellen Whitepaper stellt M-Way Consulting wichtige Trends und Anbieter von Mobility-Plattformen vor. Ab wann braucht ein Unternehmen eine Enterprise-Mobility-Plattform überhaupt?

Christian Feser: Mobile Lösungen haben sich mittlerweile in Unternehmen etabliert. Mithilfe einer Mobility-Plattform wird garantiert, dass alle unternehmensrelevanten Informationen unter Verwendung der vorhandenen Schnittstellen mobil verarbeitet werden können. Um eine Fragmentierung im Mobility-Bereich zu vermeiden, sollte eine durchgängige mobile Infrastruktur als Grundlage der mobilen Strategie etabliert werden. Die Schwierigkeit besteht darin, verschiedene Enterprise-Plattformen zu integrieren und eine Verbindung zu den Backend-Systemen wie CRM-, SRM- oder Datenbank-Server herzustellen. Zusätzlich sollen Unternehmen über die Mobility-Plattform befähigt werden, mobile Applikationen selbst erstellen und verwalten zu können. Wer diese Aspekte im Unternehmen integrieren möchte, ist mit einer Mobility-Plattform gut beraten.

mobilbranche.de: Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Entscheidungskriterien bei der Auswahl einer Mobility Plattform für Unternehmen?

Christian Feser: Die zentrale Aufgabe einer Mobility-Plattform ist die Unterstützung der Mobilisierung von Unternehmen. Während es im Consumer-Umfeld im Wesentlichen um die Entwicklung einer mobilen Anwendung geht, stehen im Enterprise-Umfeld die Anbindung an die bestehenden Systeme und Anwendungen sowie das Management einer Vielzahl von Anwendungen und Geräten im Vordergrund.
Ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Auswahl einer Mobility-Plattform sollte die Skalierbarkeit sein. Bei steigenden Bedürfnissen in Unternehmen, wie beispielsweise die steigende Anzahl an Applikationen oder mobilen Endgeräten, sollte die Funktionalität einer Mobility-Plattform adaptierbar sein. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Flexibilität. Die Möglichkeit, sowohl native, hybride als auch Web-Apps zu entwickeln und dabei sämtliche Daten in der Cloud oder On-Premise ablegen zu können, stellt einen entscheidenden Vorteil dar.
Bei der Einführung einer Mobility-Plattform werden in der Regel die folgenden vier Säulen berücksichtigt:
Mobile Application Development: Design und Entwicklung der mobilen Anwendung sind ein wichtiger Bestandteil einer Mobility-Plattform. Hierdurch wird die User-Experience und somit der Grundbaustein für eine effiziente Bedienung gefördert.
Backend-Integration: Bei der Erstellung einer mobilen Enterprise-Anwendung handelt es sich meist um die Mobilisierung einer bestehenden Anwendung oder eines Systems. Bestehende Funktionalitäten sollten durch die mobile Anwendung wiederverwendet werden.
Application Management: Die Entwicklung einer mobilen Anwendung und der dazugehörigen serverseitigen Anbindung an Backend-Systeme ist nur der erste Schritt. Die Anwendungen müssen außerdem in einem definierten Prozess getestet, abgenommen und verteilt werden. Auch nach der Entwicklung sollte es Monitoring-Möglichkeiten geben, um die Applikation überwachen zu können.
Device Management: Die Verwaltung mobiler Endgeräte spielt eine wichtige Rolle. Ein administrativer Ansatz hierfür bietet ein Mobile Device Management. Es ermöglicht die eingesetzten Endgeräte zentral zu verwalten und zu steuern.

mobilbranche.de: Der Markt sogenannter Mobility-Plattformen verändert sich Ihrem MEAP-Report zufolge  – allen voran durch Marktkonsolidierung und Cloud-basierte Lösungen. Im Gegenzug dazu sind durch den NSA-Skandal, Hackerattacken und Wirtschaftsspionage Unternehmen und Nutzer gleichermaßen in Bezug auf IT-Sicherheit und Datenschutz sensibilisiert. Ist es da vorteilhaft, dass einige wenige Unternehmen den Markt dominieren und dann auch noch sämtliche Daten in die Cloud schieben?

Christian Feser: Unternehmen, welche bereits eine Lösung eines großen Anbieters implementiert haben, müssen für sich vor allem die Frage beantworten, ob der Speicherort der Daten ein relevantes Thema sind. Die aktuell etablierten Mobility-Plattformen bieten einen hohen Grad an Funktionalität und sind sehr leistungsstark. Doch für viele kleine und mittelständische Unternehmen kann es interessant sein, Mobility-Plattformen von kleineren Anbietern in Betracht zu ziehen. Neben erheblichen Kosteneinsparungen kann auf individuelle Wünsche und Anforderungen besser eingegangen werden.
Der Trend zur Cloud ist auch im Bereich Mobility-Plattform stark zu spüren. Während es bereits seit Beginn vereinzelt Anbieter gibt, welche ihre gesamte Plattform als Cloud-Lösung anbieten, steigen nun immer mehr große Unternehmen auf die Cloud um (vgl. Kony und SAP) oder ergänzen ihre Angebote um entsprechende Lösungen. Für Kunden bietet dies oftmals einen vereinfachten Einstieg in eine Mobility-Plattform, da die komplette Installation und Konfiguration eines Servers entfällt und durch flexible Lizenzmodelle auch der initiale Kostenaufwand deutlich reduziert wird. Hierdurch können Unternehmen mit vergleichsweise geringem Aufwand und niedrigen Kosten eine erste mobile Lösung entwickeln. Für viele Unternehmen ist es allerdings wichtig, dass sensible Daten auf selbst-verwalteten Servern gespeichert werden, um entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen zu können. Ein deutscher Server-Standort spielt dabei oft eine große Rolle. Eine Auslagerung von Unternehmensdaten in die Cloud sollte demnach individuell evaluiert werden, bevor eine Entscheidung getroffen werden kann. Hier kann ein MEAP-Benchmark die entscheidende Handlungsempfehlung bei der Auswahl einer Mobility-Plattform sein. Dieser identifiziert die Vor- und Nachteile der jeweiligen Plattformen und gleicht sie mit den individuellen Anforderungen ab. Dann steht auch dem Schritt in die Cloud nichts im Wege.

mobilbranche.de: Unternehmen, die langfristig keine mobile Strategie verfolgen … (Bitte vervollständigen Sie den Satz)

Christian Feser: …nutzen mögliche Potenziale für effizienteres Arbeiten und die daraus resultierenden Vorteile nicht aus. Die Adaption der Geschäftsprozesse an eine mobile Strategie, deren Fokus stets auf Sicherheit und Datenschutz liegen sollte, bietet die Grundlage für eine zukunftsorientierte Unternehmenspolitik.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.

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