App-Store-Optimization: Stefan Bielau rät „75 Prozent des Entwicklungsbudgets für Mobile Marketing“ einzuplanen.

von Fritz Ramisch am 07.April 2014 in Apps, Interviews, Mobile Marketing, News

App Store Optimization Stefan Bielau„Ca. 75 Prozent des Entwicklungsbudgets sollten Entwickler nochmal on top für Mobile Marketing einplanen“, so Stefan Bielau, Experte für App Store Optimization und Mobile SEO. „Investier frühzeitig in A/B-Testing, saubere Screenshots und eine gute Keyword-Analyse um sicher zu gehen, dass die Keywords zum Launch der App zur Verfügung stehen“, so Bielaus Credo. Stefan Bielau berät, mittlerweile gemeinsam mit drei Partnern bei Stefan Bielau | Consulting, Unternehmen zu mobilen Services und Apps. Im Vordergrund stehen dabei Lösungen zu Strategie, Produktentwicklung, Marketing und Analytics. Zudem schreibt er regelmäßig bei Tumblr über App Store Optimization. Am 22. Mai 2014 ist Stefan Bielau Dozent des mobilbranche.de-Seminars „App Store Optimization & Mobile SEO“ in Berlin. In dessen Mittelpunkt steht die Frage wie es gelingt, dass der User a) eine App in den Unweiten der App Stores überhaupt findet und b) dann auch herunterlädt. Im Vorfeld des Seminars haben wir Stefan Bielau u.a. zur Bedeutung von App-Store-Optimization (ASO) und alternativen App Stores befragt. In dem Interview verrät Stefan Bielau u.a. welche Optimierungsmaßnahmen App-Publisher und -Entwickler selbst ergreifen können. Tickets  für das Seminar „App Store Optimization & Mobile SEO“ mit Stefan Bielau können noch bis 22. April mit 100 Euro Frühbucherrabatt gebucht werden. Einfach Buchungsanfrage an Florian Treiß schicken.

mobilbranche.de: Wie wichtig ist App-Store-Optimization für App-Entwickler und App-Publisher?

Stefan Bielau: Es ist nichts was eine bescheidene App in alle Höhen hebt und auch nichts was den alleinigen Erfolg bringt – weder in Bezug auf kostenlose Apps, die viele Downloads generieren sollen und sich über In-App-Purchases oder Werbung monetarisieren sollen, noch für kostenpflichtige Apps. Ich vergleiche die App Stores immer mit einem Supermarkt: Es gibt Millionen von Apps und es gilt die eigene App ganz vorn im Regal zu platzieren. Die App muss hervorstechen durch ein tolles Design, eine gute Beschreibung und natürlich ein gutes Preis/Leistungsverhältnis – sprich der User muss sie vor allen anderen Apps/Produkten sehen. Doch damit nicht genug, bei ASO geht es darum, sich so zu positionieren , dass ich a) gefunden werde und auf wesentliche Keywords besser als die Konkurrenz optimiert bin und b) meine Beschreibung, das Icon-Design und die Screenshots ansprechend sind, so dass c) der User meine App letztendlich nicht nur im App Store sieht sondern auch herunterlädt. Erst wenn meine App gut platziert im „Supermarkt-Regal“ steht, sollte ich damit beginnen Marketing und Kommunikation für meine App zu betreiben.

Darüber hinaus müssen Apps auch für die Google Suche im mobilen Browser optimiert werden – also Mobile SEO. Angenommen der User sucht im mobilen Browser in der Suchmaschine die App oder nach einem Stichwort, dann gelangt er bestenfalls auf die eigene Webseite, in den seltensten Fällen aber direkt in den App Store zu meiner App. Über eine vernünftige Keyword-Optimierung kann ich den User aber auch direkt zum App Store leiten und die Download-Barriere dadurch möglichst gering halten.

mobilbranche.de: Das heißt, dass die App-Store-Optimierung der klassischen Suchmaschinenoptimierung schon relativ nahe kommt und die Unterschiede gar nicht so groß sind?

Stefan Bielau: Ja, sie ist eigentlich ein Derivat. Man muss aber gewisse Einschränkungen berücksichtigen: Im Gegensatz zur Suchmaschinenoptimierung bekommt man von den App Stores so gut wie keine Daten im Hinblick auf Suchvolumen und User-Präferenzen.

mobilbranche.de: Warum nicht?

Stefan Bielau: Das sind geschlossene Systeme und sie wollen die Oberhand über App-Discovery und Recommendation behalten. Wenn dem nicht so wäre, würden die Apps, die eh schon vergleichsweise groß sind und größere Budgets haben, noch mehr Geld in die Optimierung reinbuttern und die App Stores noch mehr dominieren und noch besser performen als sie es ohnehin schon tun. Andererseits hätten kleinere Entwickler und Studios mehr Möglichkeiten, ihre Apps professionell zu vermarkten und erfolgreich zu sein. App Discovery und Recommendation steckt in den Kinderschuhe und Apple und Google unternehmen nicht wirklich viel, um dies zu verbessern. Aktuell ist es spannend zu sehen, dass z. B. Facebook und Twitter diese Themen deutlich besser und geschickter (z.B. über ihre App-Install-Werbeangebote) abbilden, während Apple und Google sich mit der Provision als Marktplatz-Betreiber zufriedengeben.

mobilbranche.de: Welche Optimierungsmaßnahmen können App-Entwickler und Publisher selbst ergreifen bevor sie Geld für externe Dienstleister in die Hand nehmen?

Stefan Bielau: Bevor ich einen Euro für User Akquise in die Hand nehme und Push-Promotions mache oder an alternative App-Stores denke, muss ich die Hausaufgaben sprich die Basics erledigen. Einmal Keywords, Beschreibung, Icon-Design, Screenshots etc. sauber aufgesetzt, muss ich den Auftritt meiner App nur noch aktuell halten und von Zeit zu Zeit überprüfen sowie die Screenshots und Keywords anpassen. Zudem kann ich regelmäßig überprüfen wie die Wettbewerber aufgestellt sind. Ab und zu muss ich evtl. mal ein Update durchführen. Das ist aber alles nix, was mich so stark bindet wie die klassische SEO, wo ich fast täglich optimieren muss.

mobilbranche.de: Wie wichtig ist das User-Feedback bei der ganzen Sache?

Stefan Bielau: Reviews und Ratings sind fast die einzige soziale Kompenente in den App Stores. Sie haben eine zunehmend steigende Bedeutung – auch in Bezug auf die Gewichtung des Ranking-Algorithmus. Neben Anzahl der Downloads, werden auch die Nutzung und die Anzahl und Qualität der Bewertungen berücksichtigt und fließen in das App-Store-Ranking ein.

Google Play macht beispielsweise einzelne Play-Store-Bewertungen, die mit dem Google Plus-Profilen verbunden sind, zugänglich. Die Tendenz geht zu sozialen Empfehlungen. Zudem hat Google eine eigene Kategorie für Empfehlungen gestartet. Es ist auch zu erwarten, dass, wie im klassischen SEO, die Anzahl der Facebook-Likes, Tweets und Google Plus‘ innerhalb der App Stores sich auf das Ranking einer App auswirken wird.

mobilbranche.de: Die Konkurrenz in den Top-App-Stores ist ja bekanntlich riesig. Welche Potenziale haben denn alternative App-Stores?

Stefan Bielau: Alternative App-Stores per se sind fast ausschließlich ein Android-Spielfeld. Alle Android-Entwickler sollten sich damit auseinandersetzen. Wobei das Thema nicht für alle gleich relevant ist. Alternative Appstores sind Umfelder für Apps, die sich dafür eignen: Meistens handelt es sich um eine App, die Android-kompatibel und mehrsprachig ist und internationalen Usern zur Verfügung gestellt werden soll. Vorbereitend sollte ich darauf achten, ob es Länder oder Sprachregionen gibt, in denen meine Android-App im Google Play Store überproportional viele Downloads oder Nutzung generiert. Anschließend kann ich entscheiden, welche lokalen Appstores es ggf. noch gibt um dies zu verstärken. Dann machen alternative App-Stores durchaus Sinn. Schlüsselfragen sind: welche lokalen Besonderheiten in Form von alternativen AppStores gibt es, wer sind da die Player, wie muss ich da meine Meta-Daten aufbereiten bzw. übersetzen/lokalisieren.

Vor allem für größere Player wie Soundcloud, eBay oder große Game-Publisher (vor allem Free-to-play) ist es ein absolutes Muss in solchen Stores vertreten zu sein und dort auch entsprechende Meta-Daten zu lokalisieren und App-Promotions durchzuführen. Dort habe ich nämlich zumeist Möglichkeiten für bezahlte Promotions, die ich wiederum in Google Play nicht habe. Meist sind die Akquisitionskosten auch deutlich günstiger, als z.B. Mobile-Display-Kampagnen in solchen Ländern.

mobilbranche.de: Angenommen du hättest ein kleines Unternehmen mit einem geringen Marketing-Budget, was wären die Maßnahmen, die du durchführen würdest?

Stefan Bielau: Das kommt natürlich stark auf die App an. Ich würde frühzeitig – und zwar noch vor dem Launch – einen Testerpool aufbauen, die nicht nur während der Beta-Testphase sondern auch nach dem Launch in ihrem Netzwerk darüber reden, dass es die App gibt. Zweitens würde ich frühzeitig Blogger und App-Tester ansprechen.

Mein Credo: Investier frühzeitig in A/B-Testing, saubere Screenshots und eine gute Keyword-Analyse um sicher zu gehen, dass die Keywords zum Launch zur Verfügung stehen. Zudem ist wichtig in Erfahrung zu bringen wer die Ansprechpersonen in den App Stores sind. Da gibt es z.B. bei Google, Apple oder Amazon Developer Relationship Manager, die sich auch frühzeitig eine App im Beta-Status anschauen und wichtige Hinweise in der Entwicklungsphase geben  können.

Ich empfehle außerdem die Vernetzung mit der Entwickler-Community. Der  Austausch mit diesen Leuten ist ungeheuer wichtig um 1.) ehrliches Feedback zu bekommen und 2.) ein Netzwerk aufzubauen, was später beim Launch meiner App hilfreich sein kann. Man kann sich da gegenseitig gut unterstützen, zum Beispiel mit Social Promotions oder Cross-Marketing via User-Tausch.

Außerdem ein Learning: Ca 75 Prozent des Entwicklungsbudgets sollten Entwickler nochmal on-top für Mobile Marketing einplanen. Das unterschätzen viele Entwickler. Die veröffentlichen ihre App, haben für die Entwicklung den Großteil ihres Geldes ausgegeben und hängen dann in den Unweiten des App Stores fest. Dann fehlt ihnen neben dem nötigen Geld auch noch der Mumm oder das Feedback und die App kommt nicht voran.

Ich muss mir frühzeitig Ziele festlegen und mich fragen Will ich damit Geld verdienen oder mache ich das nur weil ich die Idee gut finde? Erfolg ist planbar und messbar.

Das heißt: Gute Planung, gutes Messwerk, ein guter Meta-Plan und Feedback sind das A und O. Wenn ich die Idee im stillen Kämmerlein aushecke ohne auf Veranstaltungen, in Foren, im Freundeskreis die Idee zu teilen und Feedback einzuholen wird das in der Regel nix.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.

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