Mobile Web für regionale Medien.

von Florian Treiß am 21.März 2014 in Mobile Media, Trends

„Mobile Web – über Möglichkeiten, Risiken und Nebenwirkungen des Mobile-Geschäfts für regionale Medienhäuser“ – darüber durfte ich gestern beim Workshop „Den Journalismus besser machen“ von IPJ und dd.vg in Hannover referieren. Die fünf zentralen Thesen des Vortrags lauten:

  1. Mobile ist das neue Massenmedium – Regionale Medien dürfen den Anschluss nicht verlieren
  2. Mobile ist das Leitmedium für junge Mediennutzer
  3. Der mobile Werbemarkt steckt in den Kinderschuhen – und Paid Content auch
  4. Tablets bieten bessere Chancen für Paid Content als Smartphones
  5. Für regionale Medien heißt das Zauberwort „SoLoMo“ (Social, Local, Mobile)

Die Vortragsfolien sind hier eingebettet, darunter findet sich zudem ein Abstract des Vortrags.

Mobile Web für regionale Medien from Florian Treiß

Abstract:

Knapp 30 Millionen Deutsche sind 2013 mobil mit ihrem Smartphone oder Tablet ins Internet gegangen – das sind 43 Prozent mehr als noch 2012. Erstmals waren 2013 damit mehr als die Hälfte aller Internetnutzer in Deutschland mobil im Internet, so das Statistische Bundesamt. Gerade bei jungen Menschen – und damit einer besonders wichtigen Zielgruppe für (regionale) Medienhäuser – steht der Begriff Internet heute weniger für eine Nutzung per „stationärem“ PC als vielmehr per mobilem Smartphone: Unter den 16- bis 24-jährigen Internetnutzern beträgt der Anteil „mobiler Onliner“ schon knapp 81 Prozent.

Daraus ergeben sich gewaltige Herausforderungen für alle Medienhäuser: Social Networks wie Facebook laden geradezu dazu ein, sie auch von unterwegs zu nutzen – und Facebook & Co sind anders als gedruckte Zeitungen Echtzeit-Medien, die von ihrer Aktualität leben. Facebook hat in Deutschland schon 15 Millionen mobile Nutzer – schließlich ist Zeitvertreib (neben Zeitersparnis) eines der Hauptnutzungsmotive fürs mobile Internet. Und so checken junge Leute mal zwischendurch an der Bushaltestelle, unter Schulbank oder im Hörsaal, was es gerade Neues bei Facebook gibt. Und das müssen nicht nur die Nachrichten der eigenen Freunde sein: Auch eine Regionalzeitung kann sich hier gut positionieren mit einem tagesaktuellen Facebook-Auftritt, der auf aktuelle Meldungen aus der Region auf der hauseigenen mobil-optimierten Website verweist.

Ein mobil-optimiertes Angebot ist aber nicht nur wegen der Facebook-Verknüpfung heute Pflicht für jeden Medienmacher, sondern auch aus anderen Gründen:  Denn „normale“ Internetseiten sehen auf Smartphones suboptimal aus und werden beim Einsatz von Technologien wie Flash nur bruchstückhaft dargestellt. Lange Ladezeiten „normaler“ Internetseiten wirken auf Smartphones zudem störend – viele Nutzer brechen den Ladeversuch schon nach fünf Sekunden ab. Und ein nicht zu unterschätzendes Argument sind die „Mobile-only-Nutzer“: Diese gehen gar nicht mehr per PC ins Netz, sondern nur noch per Smartphone. Bei manchen Websites liegt der Anteil hier bereits bei 15 bis 20 Prozent. Wer keinen mobilen Internetauftritt hat, dem droht also die Gefahr, nicht alle potenziellen Nutzer überhaupt noch zu erreichen.

In Deutschland sind Angebote, die diese veränderte Mediennutzung Ernst nehmen, bislang Mangelware. Dabei rollt die nächste Welle auf uns zu, und zwar die der „bunten Aggregatoren“, bei denen die Inhalte boulevardesker und Community-getrieben sind – und Mobile und Social Media an erster Stelle stehen. So bereitet das US-Portal Buzzfeed gerade seinen Deutschland-Start vor. In der Schweiz arbeiten Watson.ch und Storyfilter.com nach ähnlichen Prinzipien.

Und während diese neuen Player mit den Hufen scharren, gibt es im mobilen Internet zugleich noch ein Monetarisierungsproblem: Auf mobilen Websites und in mobilen Apps steht deutlich weniger Werbeinventar zur Verfügung als auf „Desktop-Seiten“, und dieses wird auch noch zu niedrigeren Preisen verkauft. In der Not soll manches Medienhaus seinen mobilen Auftritt deshalb schon wieder deaktiviert haben, um Smartphone-Nutzer auf die besser vermarktbare Desktop-Seite zu lotsen. Doch das ist ein Armutszeugnis in Sachen Nutzerfreundlichkeit.

Immerhin: bei mobilen Apps haben viele Nutzer schon gelernt, dass sie für diese manchmal zahlen müssen. Der heilige Gral namens „Paid Content“ kann hier also womöglich auch von Verlagen gehoben werden. Allerdings sollte sich die Branche hier nichts vormachen: für die üblichen dpa-Meldungen ist heute kein Endnutzer mehr bereit zu zahlen, denn diese verbreiten sich in Windeseile über Social Media, Aggregatoren und natürlich auch über die großen Nachrichtenportale wie Spiegel Online, die das Thema Paid Content skeptisch sehen. Geld verlangen kann man also auch bei mobilen Apps nur für wirklich exklusive Inhalte (regionales, keine Welt-Nachrichten, lange Reportagen) und eine optisch ansprechende, „magazinige“ Gestaltung. Die App kann dann als geschlossenes Produkt gut funktionieren – vor allem bei wöchentlich erscheinenden Medien wie Sonntagszeitungen, bei denen sich die Macher mehr Zeit nehmen können als im „Dampfbetrieb“ Tageszeitung.

Über den Autor:

Florian Treiß (Jahrgang 1981) gründete Anfang 2011 in Leipzig den digitalen Fachverlag Treiß Media, der B2B-Entscheider zu wichtigen Themen und Trends kurz und kompetent informiert. Die Plattformen von Treiß Media sind mobilbranche.de zu Mobile Marketing und Mobile Business und Location Insider zu Location-based Services und Local Commerce. Vor der Gründung von Treiß Media arbeitete Florian Treiß viereinhalb Jahre für den Medien-Fachdienst turi2.de, zuletzt als stellvertretender Chefredakteur. Florian Treiß war zudem mehrfach Lehrbeauftragter der Hochschule Ostfalia in Salzgitter.

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