Facelift: Facebook entledigt sich seines ärgsten Konkurrenten um die Gunst der jungen Nutzer.

von Fritz Ramisch am 20.Februar 2014 in Apps, Mobile Media, News, Ökosysteme

Facebook-vs-WhatsappMilliardenschwere Verjüngungskur: Facebook kauft den Kurznachrichten-Dienst WhatsApp für unglaubliche 16 Mrd Dollar. Bis zu 3 Mrd Dollar will Facebook in Form von Aktien für die Mitarbeiter noch drauflegen, wenn diese auch nach der Übernahme an Bord des Messengers bleiben. Der Großteil der Kaufsumme soll in Form von Facebook-Aktien, lediglich 4 Mrd Dollar in bar gezahlt werden. Nach Instagram kauft sich Facebook einmal mehr die verlorengegangene und besonders für Werbekunden unentbehrliche junge Nutzergruppe zurück. Nicht die Übernahme-Nachricht selbst, vielmehr der Preis hat die Tech-Branche in Aufruhr versetzt. „Die haben wohl ein Komma vergessen“, „Das ist doch durchgeknallt“ heißt es von Google und Yahoo – beide Unternehmen sind selbst nicht zimperlich bei Milliardenübernahmen. „Das Imperium kauft ein“, titelt WiWo Online und weist in seinem Bericht auf die Vormachtstellung des mit Mehrfachstimmrechten ausgestatteten und dadurch das soziale Netzwerk quasi alleinregierenden Facebook-Gründers Mark Zuckerberg hin. Ein Vorteil gegenüber etwaigen Mitbietern. Die muss es hinsichtlich der enormen Kaufsumme gegeben haben, mutmaßen die „WiWo“-Redakteure Matthias Hohensee und Jana Reiblein. Dem Techblog „The Information“ zufolge soll Facebook dem Chat-Dienst sogar Geld geboten haben, um über die Gebote anderer Unternehmen informiert zu werden. Zuckerberg soll den Deal am Valentinstag mit WhatsApp-CEO Jan Koum beim Dessert unter Dach und Fach gebracht haben, wie die „New York Times“ berichtet. Spiegel-Redakteur Thomas Schulz befürchtet, dass „selbst kleinste Startup-Klitschen nun dreistellige Millionenbeträge aufrufen könnten“ – eine neue Blase? Erst vor wenigen Monaten hatte Snapchat, ebenfalls eine bei jungen Nutzern heiß begehrte Messaging-App, ein Milliarden-Kaufangebot von Facebook ausgeschlagen. Das könnte sich unter den neuen Vorzeichen freilich als klug herausstellen. Denn noch ist unklar ob die in puncto Datenschutz sensibilisierten Nutzer WhatsApp den Deal mit der Datensammelstelle Facebook durchgehen lassen. Denn die Messaging-App verzichtete bislang bewusst auf die Eckpfeiler des Facebook-Geschäftsmodells Werbung, Gimmicks und Spiele und finanzierte sich durch eine jährliche Nutzungsgebühr von 0,99 Dollar. Zwar behauptet WhatsApp selbst profitabel zu sein, riesige Umsätze dürften mit diesem Geschäftsmodell aber nicht zu erwirtschaften sein. Ob WhatsApp nun als unabhängige App bestehen bleibt ist fraglich. Facebook-Chef Mark Zuckerberg möchte daran allerdings keinen Zweifel lassen: „Unsere Strategie ist es uns in den nächsten Jahren darauf zu fokussieren zu wachsen und die gesamte Welt miteinander zu verbinden.“ Grund für die Übernahme sind auch die Anleger, die den börsennotierten US-Riesen im Nacken hängen. Sie dulden keinen Stillstand, wollen Rekordzahlen, Fortschritt um jeden Preis. Besonders freuen wird die Übernahme die Investoren von Sequoia Capital. Sie sind einer der wenigen externen Kapitalgeber, die WhatsApp an Bord geholt hat. Für sie dürfte sich der Milliarden-Exit besonders gelohnt haben.
nytimes.comnewsroom.fb.com, theinformation.comwiwo.de, spiegel.de, faz.net

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