Studie: Status quo der mobilen Verlagslandschaft. Verlags-Apps werden im Durchschnitt schlechter bewertet als andere Apps.

von Fritz Ramisch am 04.Dezember 2013 in Apps, News, Studien

App-Kategorien geben einen guten Überblick über die VerlagsschwerpunkteVerlags-Apps dominieren die deutschen iOS-Charts: Verlage haben die Potenziale, die mit der steigenden Smartphone- und Tablet-Nutzung einhergehen, längst erkannt und drängen vorwiegend mit kostenpflichtigen Apps auf den Mobile-Markt. 7 von 10 Apps in den Top-10-Rankings der aktivsten App-Publisher werden von Verlagen angeboten. Testhub und DSP Partners haben mehr als 2.000 Apps aus deutschen App Stores mit Fokus auf insgesamt 14 Verlage (darunter Springer, Bauer, Burda, Dumont, Gruner + Jahr, Madsack, Funke und Holtzbrinck) unter die Lupe genommen. Diese haben insgesamt 757 Smartphone- & Tablet-Apps für iOS, Android, Windows Phone und Blackberry am Start – das sind im Durchschnitt 54 Apps je Unternehmen. Nur Microsoft und Google haben mehr.

Verlage setzen auf iOS: Kunden nutzen Android-SmartphonesDoch Masse statt Klasse funktioniert auch auf dem Smartphone nicht, wie die umfassende Studie zur mobilen Verlagslandschaft zeigt. DSP Partners und testhub haben per Crowdtesting stichprobenartig User-Feedback zu ausgewählten Verlags-Apps erhoben und dabei festgestellt, dass Verlage – mehr als andere Branchen – iOS als Plattform (66 Prozent) bevorzugen und auf Bezahl-Inhalte setzen, statt kostenlose Apps anzubieten. Dadurch ist die Verlagsbranche zumindest bei Android (nur 30 Prozent der Apps) – immerhin das Betriebssystem mit der größten Nutzerschaft – noch vergleichsweise schwach aufgestellt. Hier bieten sich enorme Wachstumschancen. Das Dilemma, wie eine weniger zahlungskräftige und -bereite Android-Nutzerschaft dazu bewegt werden kann, für Apps und Inhalte zu bezahlen, bleibt die größte Herausforderung und ist wohl auch ein Grund für die Zurückhaltung der Verlage in Bezug auf Android-Apps. Ein Patentrezept ist längst nicht gefunden.

Während Anbieter wie die Rheinische Post, die DDVG oder der Ippen Verlag sehr stark auf die App-Kategorien Nachrichten & Wetter ausgerichtet sind, bieten Burda, Gruner & Jahr oder Axel Springer ein sehr diversifiziertes App-Portfolio in unterschiedlichsten Kategorien an. 3 der Top 5 App-Kategorien sind auf Inhalte wie Nachrichten & Wetter, Unterhaltung, Shopping & Lifestyle sowie Finanzen & Wirtschaft ausgerichtet, so dass Verlage mit der Fokussierung auf Inhalte gut gewappnet sind. Immerhin 7 von 14 Verlagen erreichen mit mindestens einer App eine Nummer-1-Platzierung in Apples App Store. Insgesamt 17 der 757 untersuchten Verlags-Apps stand im deutschen App Store auf Platz 1 – dies allerdings nur einmalig. Damit ist eine Sichtbarkeit der entsprechenden Publikationen in den App Stores sehr gering. Bei Android im Google Play Store schaffte es bislang keine App aufs Siegertreppchen.

Im Rahmen der Studie haben Mobilfunk-Nutzer die Apps Bild.de, stern.de, Focus Online, Spiegel Online, Handelsblatt Online und süddeutsche.de hinsichtlich der Kriterien Ladezeiten, Benutzerführung/Navigation, Erwartungen, Design, Lesbarkeit, Auffindbarkeit im Store, Download und Installation bewertet.

Am besten schnitt die App von Spiegel Online mit einer Durchschnittsbewertung von 4,5 von 5 Punkten ab. Focus Online (4,25) und Süddeutsche.de (4,1) rangieren Handelsblatt Online und stern.de, während Bild.de (3,2) abgeschlagen auf dem letzten Platz abschneidet.

Sterne-Bewertungen AppStores vs. Kunden-Befragung der Testhub CrowdKunden von Zeitungs-Apps bevorzugen insgesamt eher native und kostenlose,werbefinanzierte Zeitungs-Apps. Dabei sind Aufmachung und Inhalt die wichtigsten Kauf- bzw. Downloadkriterien. Auffindbarkeit im App Store, Design der App und Lesbarkeit der Schrift der Zeitungs-App sind offenbar die wesentlichsten Wettbewerbs-Faktoren, da hier die Bewertungen am weitesten auseinander klaffen. Im Durchschnitt sind die Verlags-Apps mit 3,2 Sternen 0,2 Sterne schlechter bewertet als der Rest der untersuchten Apps.

Entsprechend der Ergebnisse wird Verlagen empfohlen das Design der App, die Auffindbarkeit im App Store (App-Name, Publisher, Beschreibung) und die Usability fortwährend zu optimieren – auch oder gerade unter Einbeziehung der Community. Außerdem birgt Android als dominierende und noch immer wachsende Plattform riesige Chancen. Auch unter Berücksichtigung der geringeren Zahlungsbereitschaft von Android-Nutzern kann hier durch geschickte und individuell je nach App und Wettbewerbssituation weiterentwickelte Geschäftsmodelle Geld verdient werden. Zum Beispiel durch In-App-Käufe oder Werbefinanzierung.

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