Interview: Jan Webering über die Neuausrichtung von Sevenval.

von Fritz Ramisch am 19.Dezember 2013 in Interviews, Mobile Advertising, Mobile Marketing, News

Jan-Webering-Sevenval„Mobile heute getrennt zu betrachten ist meines Erachtens ein Trugschluss. Mobile First ist der Trend, der uns die Marschrichtung vorgibt“, sagt Jan Webering, CEO und Gründer von Sevenval. Für den Mobile-Technology-Spezialisten war es ein ereignisreiches Jahr: Im Juli kaufte Webering das von ihm gegründete Unternehmen von YOC zurück und will sich nun als „Technologie-Anbieter für das mobile und adaptive Web“ neu positionieren. Kürzlich hat Sevenval zudem eine eigene Consulting-Unit für Mobile Business ins Leben gerufen und eine Kooperation mit dem Content-Anbieter Imperia bekanntgegeben. Nur einer von vielen weiteren Kooperationen mit „Unternehmen, die wir alle kennen“ – Zukäufe nicht ausgeschlossen.

mobilbranche.de: Seit dieser Woche gibt es eine neue Webseite von Sevenval. Was hat es damit auf sich? Ist das die neue DNA von Sevenval?

Jan Webering: Wir wollen Sevenval wieder eine technischere Prägung geben. Wir haben Sevenval wieder auf das Thema Technologie und auf das mobile Internet ausgerichtet – das spiegelt sich jetzt in unserem neuen Webauftritt wider. Die Nische Mobile ist aufgegangen im Massenmarkt Web und genau dieser Veränderung wollen wir Rechnung tragen. Wir positionieren uns daher als Technologie-Anbieter für das mobile und adaptive Web.

mobilbranche.de: Vier Monate sind nach dem Rückkauf von Sevenval durch YOC vergangen. Was hat sich seitdem verändert?

Jan Webering: Es hat sich eine Menge getan: Zum einen hat sich für mich persönlich natürlich geändert, dass ich jetzt, statt bei einem Unternehmen angestellt zu sein, wieder mein eigenes Unternehmen führe. Das ist schon etwas anderes. Auf der anderen Seite haben wir Sevenval zu alter Stärke zurückgeführt. Wir haben und sind immer noch dabei Prozesse zu verschlanken. Wir sind auch dabei die letzten vertraglichen Verpflichtungen gegenüber YOC zu erfüllen und uns dort abzunabeln.

Innerhalb der YOC waren wir lange Zeit die Cash-Cow, die für das Bringen von Ergebnissen verantwortlich war. Als Technologieunternehmen funktioniert das eine ganze Weile. Irgendwann muss man aber eben auch wieder investieren und innovativ sein. Das haben wir uns für dieses und nächstes Jahr vorgenommen.

mobilbranche.de: Um YOC steht es aktuell alles andere als gut. Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage?

Jan Webering: Ich bekomme das momentan auch nur aus der Entfernung mit. Ich glaube, dass es allen Negativ-Meldungen zum Trotz bei YOC eine Menge positive Assets gibt: z.B. die Mitarbeiter, die Positionierung und der Markt, in dem YOC unterwegs ist. Dirk Kraus ist als ehemaliger Gründer im Moment meines Erachtens der richtige Mann, um das Unternehmen wieder zurück in die Erfolgsspur zu holen. Ich glaube das wird gelingen.

mobilbranche.de: Sie haben gerade die Gründung einer neuen Unit für Mobile Business Consulting bekanntgegeben. Was hat es damit auf sich? Auf welche Themen ist die Abteilung spezialisiert und wie wollen sie sich vom Wettbewerb differenzieren?

Jan Webering: 2003/2005 war das Thema Mobile von vielen taktischen Lösungen geprägt. Das lief damals häufig nach dem Motto „Mach mal ne Mobile-Kampagne“ ab. Heute ist Mobile bei vielen Unternehmen das Schlüsselthema und rückt zunehmend in das Hauptaugenmerk der Unternehmen. Dadurch steigt auch der Beratungsbedarf. Deshalb wollen wir unser Know How in diesem Bereich unter Leitung von Sascha Langfus in einer neuen Unit bündeln. Es wird in dieser Branche viel erzählt, was wenig sinnvoll ist. Dieser Situation wollen wir mit unserem Beratungsdienstleistungen entgegensteuern.

mobilbranche.de: Also bieten Sie eine ganzheitliche Mobile-Beratung?

Jan Webering: Ja. Die Kernfragen, denen wir uns widmen werden, sind: Was muss ich als Marke, als Unternehmen oder E-Commerce-Player tun, um im M-Commerce erfolgreich zu sein.

mobilbranche.de: Mobile Advertising und die Werbewirkung – ein heikles Thema. Einige Studien führen hohe Klickraten auf den sogenannten Wurstfinger-Effekt zurück und gehen davon aus, dass der Großteil der mobilen Klicks auf Werbung ungewollt und durch schlecht platzierte Anzeigen eher zufällig zu Stande kommt. Wie kommt es, dass beim Thema mobile Werbewirkung die Studienergebnisse teils gravierend auseinander gehen und wie kann man diesen Phänomenen (steigenden Impressions, bei sinkenden Klicks oder „Wurstfinger-Effekt“) entgegensteuern?

Jan Webering: Es hängt dabei immer davon ab, wer die Studie in Auftrag gegeben hat. Die Studien werden sehr oft dazu benutzt, um einen vermeintlich objektiven Eindruck einer Situation zu erzeugen. Auf der anderen Seite glaube ich, dass Mobile Advertising eine große Zukunft hat. Denn mobile Werbung ist viel näher am Nutzer, als das bei Online-Werbung der Fall ist.

Mobile Advertising wird heutzutage aber einfach noch nicht hundertprozentig richtig betrieben. Das heißt die Nähe des Nutzers zu seinem Endgerät wird noch nicht bestmöglich ausgenutzt.

Ich glaube, dass das gesamte Online und damit auch das Mobile Advertising sich zu einem sehr viel kundenbezogenerem Advertising weiter entwickeln muss. Engagement Advertising ist denke ich hier das Schlüsselwort, dass vorgibt wohin die Reise geht – unabhängig davon ob im Bereich Videos, Games oder anderen Bereichen.

Unternehmen müssen endlich verstehen den Nutzer mehr in den Vordergrund zu rücken. Wenn sie das verstanden haben, können sie auch den Mobile USP ausspielen. Das machen zu wenige Unternehmen.

mobilbranche.de: Sie haben ebenfalls in dieser Woche eine Partnerschaft mit dem Content-Spezialisten Imperia bekanntgegeben. Was erwarten sie sich von der Partnerschaft?

Jan Webering: Die Partnerschaft ist aus vielerlei Gesichtspunkten sehr interessant für uns. Jeder System-Anbieter im Markt – ob das jetzt Shop- oder CMS-Anbieter sind – behauptet Mobile zu können und suggeriert Kunden kein Zusatzsystem zu benötigen. Wir haben das lange Zeit als Bedrohung empfunden, haben uns die Systeme dann aber mal genauer angeguckt und festgestellt, dass da sehr standardisiert und basisch gearbeitet wird.

Beim Thema Mobile geht es nicht mehr nur darum mobilen Content zu veröffentlichen. Es geht darum Content schnell, in hoher Qualität zu veröffentlichen und diverse Schnittstellen zugänglich zu machen. Da kommen Spezialunternehmen für mobile Technologien, so wie wir eines sind, ins Spiel. Das können wir mit unserer Technologie tun. Deswegen ist Imperia eines der Unternehmen, die sich für uns als Partner entschieden haben, um in den Markt des adaptiven Webs einzusteigen. Imperia ist die erste von mehreren Technologie-Kooperationen, die wir jetzt und in Zukunft eingehen.

mobilbranche.de: Was sind die nächsten Meilensteine, was ist als nächstes geplant?

Jan Webering: Es stehen weitere Kooperationen in den Startlöchern. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die wir alle kennen. Mehr möchte ich dazu jetzt noch nicht verraten. Die Expansionspläne gehen mit der neuen Positionierungsstrategie in Richtung Technologie einher.

mobilbranche.de: Sind auch Zukäufe mit eingeplant?

Jan Webering: Zukäufe sind nicht ausgeschlossen. Wir haben da einen sehr guten Investor mit der Berlin Technologie Holding, der uns da auf unserem Weg unterstützt.

mobilbranche.de: Welche Trends im mobilen Web stehen uns bevor. Wo sehen sie die größten Herausforderungen im mobilen Werbemarkt?

Jan Webering: Mobile heute getrennt zu betrachten ist meines Erachtens ein Trugschluss. Mobile First ist der Trend, der uns die Marschrichtung vorgibt.

Ein zweites wichtiges Trendthema im mobilen Umfeld wird das Thema Schnittstellen und API sein. Viele Projekte scheitern heute noch daran, dass Content nicht verfügbar gemacht werden kann. Zu guter Letzt wird natürlich der Kampf um die Vormachtstellung der Übertragungsdienste – ob das NFC oder iBeacon ist – und deren Einsatz besonders spannend.

mobilbranche.de: NFC ist ein gutes Stichwort. Welcher Übertragungsstandard wird sich Ihrer Meinung langfristig durchsetzen?

Jan Webering: Dazu kann ich nur sagen, dass da Businessmodelle in den Startlöchern stehen, zu denen die entsprechenden Trägermedien gesucht werden. Es wird sich die Technologie durchsetzen, die auf Seiten der Endgeräte-Hersteller Akzeptanz findet und natürlich auch vom Kunden akzeptiert wird.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.

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