Interview: Jan Schwenzien von testCloud über Crowd-Testing für Apps und Software.

von Florian Treiß am 09.September 2013 in Apps, Interviews

Jan_Schwenzien_testcloud„Ein paar fremde Augen sind unerlässlich“, sagt Jan Schwenzien, Mitgründer und CTO von testCloud, und meint damit die Möglichkeit, im Rahmen der Entwicklung von mobilen Apps, Websites und Software ein Heer von Testern aus der Cloud einzusetzen. Denn Entwickler und ihre Teams sind oft betriebsblind und prüfen dabei nur das, was sie „bei der Implementierung auch schon absehen konnten“, so Jan Schwenzien. Deshalb hat sich testCloud darauf spezialisiert, Crowd Softwaretesting anzubieten und dabei „tausende begeisterte Tester“ mit Firmen wie Zalando, Red Bull und TUI zusammenzubringen. Wie genau das Crowd Testing funktioniert und was hinter dem neuen Produkt CIRRO von testCloud steckt, erzählt Jan Schwenzien in unserem Interview.

mobilbranche.de: testCloud ist Spezialist für „Crowd Softwaretesting“ – was bringt es für Vorteile, Ihre Dienste bei der Entwicklung mobiler Apps zu nutzen?

Jan Schwenzien: Mit einem Wort: Gerätevielfalt. Unsere Crowd von vielen Tausend Testern deckt alles an Geräten ab, das käuflich zu erwerben ist. Dabei handelt es auch um echte Geräte, wie sie tatsächlich verwendet werden, nicht um Labor-Geräte mit optimierter Konfiguration. Da alle Tester zeitgleich aktiv sein können, ergibt sich natürlich auch ein großer Geschwindigkeitsvorteil.

mobilbranche.de: Sie begleiten u.a. ByteRockers‘ Games, von denen u.a. das Android-Spiel „Flip Fullfeather“ stammt, im Prozess der App-Entwicklung. Können Sie an diesem Beispiel erläutern, wie testCloud dort zum Einsatz kommt?

Jan Schwenzien: Wir sind hier sehr früh in den Entwicklungsprozess eingestiegen, d.h. bereits in der Beta-Phase. Dies gab dem Kunden die Möglichkeit rechtzeitig (vor Launch im Store) letzte funktionale Fehler zu entdecken, das Stichwort hier: Endabnahmetests. Es konnten eigene Ideen und Empfindungen zum Produkt auf deren tatsächliche Wahrnehmung bei potenziellen Endkunden geprüft und letzte Feedbacks (bzgl. Usability, Design und Look & Feel) eingeholt werden.

mobilbranche.de: Gerade habt Ihr Eure Plattform einem Relaunch unterzogen. Was sind die wichtigsten Neuerungen?

Jan Schwenzien: Unser neues Produkt – wir haben es „CIRRO“ getauft – besteht aus einer Plattform, die einem selbst die Steuerung der Tester-Crowd ermöglicht. Wir wollen kein Flaschenhals zwischen Kunden und Tester sein. CIRRO erlaubt es nun, so flexibel zu testen, wie nur möglich und dennoch von unseren Erfahrungen und unserer Betreuung der Tester-Crowd zu profitieren.

mobilbranche.de: Wieso ist es eigentlich notwendig, auf Cloud-Tester zu setzen? Haben Entwickler-Teams nicht genügend eigene Test-Kapazitäten?

Jan Schwenzien: Kurz gesagt: Nein. Und selbst wenn die Entwickler ausreichen Kapazitäten hätten, gibt es hier ein viel größeres Problem: Betriebsblindheit. Wenn ich als Entwickler teste, prüfe ich dabei nur das, was ich bei der Implementierung auch schon absehen konnte. Ein paar fremde Augen sind unerlässlich. Dedizierte Tester aber sind teuer und stellen einen Flaschenhals dar: Entweder sie warten auf neue Ergebnisse der Entwickler, oder es so viel auf einmal zu testen, dass die Entwickler warten müssen. Cloud-Tester skalieren exakt so mit dem Testbedarf, wie benötigt.

mobilbranche.de: Was unterscheidet testCloud von Wettbewerbern wie Testhub oder Testbirds?

Jan Schwenzien: Wir waren die ersten am deutschen Markt und wir betrachten es als Kompliment, dass andere Anbieter versuchen, unser Modell nachzuahmen. Mit unserem Produkt CIRRO, unserem tollem Team und den zahlreichen Erfahrungen mit Unternehmen aller Größenordnungen sehen wir unsere Marktführerschaft allerdings nicht in Gefahr.

mobilbranche.de: Und nun die Gretchenfrage: Was kostet es denn, die Crowd von testCloud bei der Entwicklung mobiler Apps einzubinden?

Jan Schwenzien: Weniger, als man denkt. Natürlich sind Testprojekte viel zu unterschiedlich für eine standardisierte Preisliste. Grundsätzlich gibt es vier Varianten, unsere Tester-Crowd einzusetzen:

  1. Expert-Test: In enger Zusammenarbeit wird ein Testprojekt definiert. Um sämtliche Details und die Durchführung kümmert sich ein Test-Manager von testCloud. Der Preis beginnt bei 1.600€.
  2. Unlimited: Für einen monatlichen Fixbetrag kann in Eigenregie so viel getestet werden, wie man will. Die Preise beginnen schon bei 990 € / Monat.
  3. Test Cases: Man gibt den Tester detaillierte Schritt-für-Schritt Anweisungen, deren Ergebnisse (positiv oder negativ) dokumentiert werden. Man bezahlt pro Ausführung eines Test Cases (Der Preis hängt vom Volumen ab).
  4. Usability: Eine weitere Variante testCloud einzusetzen sind Usability Untersuchungen mit der Crowd. Dies bietet die Möglichkeit die eigene Software/Applikation mit den Augen potentieller Kunden zu sehen bzw. von unvoreingenommenen Usern in Augenschein nehmen zu lassen. Durch das hochwertige Feedback unserer Tester können wir für unsere Kunden direkte Handlungsempfehlungen ableiten.

Unsere Usability-Untersuchungen werden mit Screen-Captures dokumentiert und am Ende tragen wir alle Ergebnisse, Erkenntnisse und Verbesserungsvorschläge in einem Best-Of-Video und einer schriftlichen Dokumentation zusammen. Wir stützen uns hierbei auf die Anwendung modernster Verfahren unter Einhaltung relevanter DIN und ISO-Normen. Bitte sprechen Sie uns wegen des Preises für Usability Untersuchungen an, denn jedes Projekt ist individuell.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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