Interview: Ulrich Kipper über Mobile Shopping und Mobile Payment mit GO4Q.

von Florian Treiß am 26.August 2013 in Interviews, Mobile Commerce, Mobile Payment

Ulrich-Kipper-Go4Q„Wir verfolgen die Strategie, GO4Q gleichzeitig im Bereich von Konzernen und bei der Pizzeria um die Ecke zu platzieren. Der klein- und mittelständisch geprägte Handel wurde von den ‚Mobile Playern‘ bisher vernachlässig“, sagt Ulrich Kipper, Geschäftsführer von it-werke Service, dem Betreiber von GO4Q. Der Dienst erlaubt es dem Kunden, mit seinem Smartphone z.B. in EDEKA-Filialen oder in Taxen in Baden-Württemberg zu bezahlen. Die GO4Q- Technologie basiert auf QR-Codes und soll es auch kleinen Händlern ermöglichen, mobiles Bestellen und Bezahlen anbieten zu können. Dieser braucht nur Smartphone oder Tablet. Wir haben mit Ulrich Kipper über Begeisterung beim Mobile Payment und auch bei Kuckucksuhren gesprochen.

mobilbranche.de: Sie werben für Ihr Unternehmen mit dem Claim „Einkaufen wo und wann Sie wollen – Das ist GO4Q mobile shopping.“ Sind Sie selbst ein geplagter Wochenend-Einkäufer mit Schlange-stehen an jeder Kasse – oder wie sind Sie auf die Idee gekommen, den Einkauf über QR-Codes – unabhängig von Öffnungszeiten und Verkäufern – abzuwickeln?

Ulrich Kipper: Es liegt an meinen übersinnlichen Fähigkeiten. Ich treffe immer die Schlange, bei der 10 Sekunden nachdem ich mich angestellt habe, die Kassiererin zum Telefon greift und einen Preis oder sonstwas nachfragen muss… Außerdem stehen die Leute, die Ihr Geld passend in kleinen Münzen haben, an Kassen immer vor mir.

Aber im Ernst – es passiert mir immer wieder, dass ich aus dem Kino oder einer Kneipe komme, an einem Schaufenster hängen bleibe und denke, das hätte ich jetzt gerne. Für mich ist der geschlossene Laden Frust, der Händler hat Umsatz verschenkt. Mit GO4Q helfe ich mir und allen anderen, denen es ähnlich geht.

mobilbranche.de: Im Dezember war der Startschuss fürs Shoppen über QR-Codes mit Kuckucksuhren im Schwarzwald. Wieso haben Sie ein Produkt ausgewählt, dass die ältere – und nicht ganz so Smartphone-fitte/fixierte Zielgruppe anspricht?

Ulrich Kipper: Unterschätzen Sie Kuckucksuhren nicht. Die können es mit Phones durchaus aufnehmen: Sie kommen irgendwo aus China, bestehen aus verschiedenen Metallen und Kunststoffen, zeigen die Zeit an, spielen Geräusche ab, haben ein ausgefallenes Design und sogar ein iterativ-temporäres 3D feature (Kuckuck). Hängen Sie so ein Teil in Ihre Wohnung und sie werden feststellen wieviel Sie auch darüber reden können 😉

Zusätzlich wollten wir ein Zeichen setzen, dass Mobile Commerce auf dem Weg in die Breite ist und zum Bestandteil des normalen Alltags wird.

mobilbranche.de: Neue Anbieter Ihrer Zahlmethode sind jetzt auch ein Baden-Badener Taxi-Unternehmen sowie ein EDEKA-Händler. Wie wird das bei den Kunden angenommen?

Ulrich Kipper: Das Feedback war durchweg positiv – je mehr Akzeptanzstellen umso besser. Interessanterweise löste die Ankündigung „wir machen jetzt ‚Mobile Payment'“ jedoch keine große Aufregung mehr aus. Vermutlich ist der Begriff durch die endlosen Ankündigungen in Zusammenhang mit NFC (nächstes Jahr wird das Jahr des Mobile Payment…) übernutzt.

Insgesamt müssen sich sowohl Handel wie Konsumenten erst wieder auf das Thema einlassen. Begeisterung geht nur, indem wir praktisch zeigen, dass durch „Mobile“ echte Mehrwerte erzeugt werden. Dies gilt nicht nur für den Verbraucher, sondern auch für die Retailer, die damit so nah an ihre Kunden kommen, wie noch nie in der Geschichte des Handels.

Wir verfolgen die Strategie, GO4Q gleichzeitig im Bereich von Konzernen wie z.B. EDEKA und bei der Pizzeria um die Ecke zu platzieren. Die Pizzeria steht dabei als Platzhalter für den klein- und mittelständisch geprägten Handel. Diese Gruppe wurde von den „Mobile Playern“ bisher vernachlässigt. Wir halten sie für extrem wichtig  und haben deshalb das GO4Q mobile terminal „erfunden“.  Der Biergarten, der Flohmarkthändler, das kleine Spielzeuggeschäft, sie alle können ihren Kunden damit sofort und ohne Änderungen an der Kasse Mobile Payment anbieten. Nötig ist  dafür nur ein Smartphone oder Tablet. Weil GO4Q im Standby keine Kosten verursacht, entsteht für sie auch kein Risiko, wenn „Mobile“ im Einzelfall mal langsamer anläuft. Die Anmeldung kostet ohnehin nichts.

Wir glauben, dass die Durchgängigkeit von groß bis klein wichtig für die Akzeptanz von mobilen Lösungen und damit ein zentraler Erfolgsfaktor ist. Diesen möchten wir durch Mehrwertdienste verstärken. Wir haben GO4Q deshalb mit Zusatzfunktionen ausgestattet, z.B. der Möglichkeit sein Konzertticket oder seine Eintrittskarte direkt über GO4Q zu kaufen. Am Eingang muss nur noch der jeweilige Entry-Code aus dem Ticketspeicher gezeigt werden. Das passt für Kleinkunstbühnen und Ausstellungen ebenso wie für Festivals und Verkehrsverbünde. Darüber hinaus kann GO4Q inzwischen auch Greenfees für Golfplätze, Kundenkarten und Abholgutscheine.

Für den städtischen Einzelhandel haben wir Qcity entwickelt. Das funktioniert so, dass jedes Schaufenster einen individuellen Qcity Code erhält. Scannt ein Besucher eine bestimmte Anzahl dieser Codes, d.h. er besucht eine Anzahl von Schaufenstern, bekommt er vom jeweiligen Stadtmarketing ein Incentive. Den Besucher freuts, die Händler auch und der erlebte Nutzen von GO4Q ist weiter gestiegen.

mobilbranche.de: Welche Geschäftssparte wäre Ihrer Meinung nach prädestiniert für GO4Q Mobile Shopping, also wen würden Sie gern als Kunden gewinnen?

Ulrich Kipper: Natürlich freuen wir uns darauf, dass in unseren Zielländern die Meinungsführer des Handels sagen: We go for Q! und ihren Kunden Mobile Shopping und Mobile Payment anbieten. Der Aufwand ist ja, wie bereits gesagt, gering. Praktisch steht hinter Meinungsführern jedoch immer eine Organisation, das heißt Besprechungen, Risikoanalysen und Kostenbetrachtungen, selbst bei einem Produkt, das keinen Startup Invest erfordert und dessen operative Kosten nicht höher sind als bei jeder anderen unbaren Zahlung.

Damit komme ich zurück zur Kuckucksuhr. Sie steht auch für innovative Unternehmer, die eine Entscheidung treffen und ausprobieren, statt in Meetings intellektuell mit Szenarien zu brillieren, die für das jeweilige Unternehmen in der Praxis nicht mehr stattfinden, weil es zu spät dran ist. Wichtiger als die schiere absolute Größe sind für uns deshalb Leuchttürme, mit denen wir heute zeigen können, was GO4Q alles kann. Nur Sichtbarkeit und praktisches Erleben schafft Vertrauen und Akzeptanz.

Apropos Vertrauen, wir haben bisher nur von den technischen Funktionen und Mehrwerten von GO4Q gesprochen, weil diese im Alltag im Vordergrund stehen.
GO4Q bringt, zusätzlich zum Komfort, auch ein gutes Stück mehr echte Sicherheit. Das ist möglich, weil die Transaktionen im Back-End abgewickelt werden und im Gegensatz zu klassischen Zahlungsverfahren, weder Smartphone noch Händler, mit Zahlungsdaten in Berührung kommen. Damit ist GO4Q bad news for Phisher & Skimmer.

mobilbranche.de: Wo sehen Sie Grenzen beim Mobile Payment bzw. auch Nachteile?

Ulrich Kipper: Im Gegensatz zu Münzen und Scheinen wird Geld durch Mobile Payment zu einer Abstraktion. Zahlen mit dem Smartphone hat dadurch den klassischen Nachteil unbarer Zahlungen. Ich muss als Verbraucher damit umgehen, dass mein Geld allein durch Virtualisierung nicht mehr wird.

Natürlich haben wir schon über Budget-Konzepte und Limits nachgedacht. Wir glauben allerdings, dass die Lösung Tranzparenz heißt und deshalb sieht jeder GO4Q Nutzer in seinem Account sofort wieviel er ausgegeben hat. Er kann damit sein Verhalten nach seinen Bedürfnissen optimieren.

mobilbranche.de: Wenn wir in 5 Jahren wieder ein Interview führen – was wird der Anlass sein? Dass Ihre Firma IT-Werke mit GO4Q der führende Player auf dem deutschen Markt ist?

Ulrich Kipper: Geben Sie uns 2 Jahre mehr Zeit. Dann sind Sie zur Feier des 5-jährigen Bestehens unserer Niederlassung in Seattle eingeladen.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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