Interview: Mpax-Mitgründer Georg von Hehn über das „Bezahlen mit dem Handy“ und die vermeintliche Konkurrenz.

von Fritz Ramisch am 26.Juni 2013 in Interviews, Mobile Payment, Mobile Startups

mpax-Mitgründer Georg von Hehn im Interview mit mobilbranche.de„Wir sind schneller als Bargeld“, fasst mpax-Gründer Georg von Hehn die Vorteile seines Bezahldienstes zusammen. Das Berliner Startup mpax, Anbieter einer Bezahl-App, über die Händler auch Rabatte zur Kundenbindung geben können, befindet sich momentan in der Pilotphase . Die App wird aktuell in mehreren Berliner Restaurants und Cafés getestet. Mpax ist eines von mittlerweile 8 Startups, die momentan am Accelerator-Programm Plug and Play von Axel Springer teilnehmen, und rüstet sich für den großen Pitch. Mitgründer Georg von Hehn stand mobilbranche.de am Rande des MLOVE ConFestivals 2013 im Schloss Beesenstedt in einem Interview Rede und Antwort. Der Berliner konnte die Jury der MLOVE-Startup-Competition überzeugen und mpax wurde neben dem Startup Stylemarks als einziges deutsches Startup unter die Top 5 gewählt.

mobilbranche.de: Hallo Georg, welche Idee steckt hinter mpax und wie funktioniert das Ganze?

Georg von Hehn: Mpax ist eine App fürs Smartphone mit der Nutzer bezahlen können. Jedesmal wenn Nutzer mit der mpax-App bezahlen, sammeln sie automatisch Treuepunkte, die später in Rabatte eingelöst werden können. Das Besondere ist , dass wir die Zahlungen für Händler kostenlos anbieten. Das heißt, wir übernehmen Kreditkarten- und Lastschriftgebühren für die Händler. Wir refinanzieren das durch verschiedene Marketingleistungen, die wir den Händlern anbieten. Wir bieten den Händlern Marketingleistungen zur Neukundengewinnung, zur Erhaltung von Stammkunden und eine Datenanalyse an. Für diese verschiedenen Marketingleistungen stellen wir dem Händler eine Komission in Rechnung.

mobilbranche.de: Also ein B2B-Geschäftsmodell?

Georg von Hehn:  Ein B2C- und B2B-Geschäftsmodell. Das Geld fließt aber B2B. Für den User ist mpax kostenlos.

mobilbranche.de: Wie weit seid ihr momentan? Gibt es ein Pilotprojekt? Welche nächsten Schritte sind geplant?

Georg von Hehn: Wir haben einen Prototypen bzw. eine alpha-Version, die wir in fünf Läden in Berlin installliert haben. Dort machen wir In-Store-Testing und holen uns erste Feedbacks von Nutzern und Händlern gleichermaßen. Momentan bauen wir an unserer Beta-Version. Das ist der wichtigste Meilenstein für die nächsten 6-8 Wochen. Seit 4 Wochen nehmen wir am Accelerator-Programm von Axel Springer Plug and Play teil. Das Programm geht über 3 Monate. Ziel ist es innerhalb der drei Monate ein skalierbares Produkt zu entwickeln und erste richtige Traction aufzubauen, damit wir am Ende der drei Monate vor den Investoren erfolgreich pitchen können und weiteres Geld einsammeln.

mobilbranche.de: Heute hast du auf dem MLOVE ConFestival 2013 im Rahmen der Startup-Competition gepitscht und bist sogar ins Finale der besten 5 Startups eingezogen. Wie schätzt du deine Chancen heute für den finalen Pitch ein und wie schätzt du generell die Chance ein, sich gegen die Konkurrenz von Mobile-Payment-Anbietern durchzusetzen?

Georg von Hehn: Für den heutigen Pitch schätze ich meine Chancen gut ein, wobei die Konkurrenz auch stark ist. Grundsätzlich sehe ich vermeintliche Konkurrenten, wie SumUp oder Payleven nicht als Mobile Payment-Startups sondern als mobile Kartenleser. Ich verstehe unter Mobile Payment Bezahlen mit dem Handy. Bei SumUp und Payleven zahlt man immer noch mit der Karte – für mpax sind diese beiden Startups daher eher als indirekte Konkurrenten anzusehen. Beide haben natürlich eine starke Finanzierung, unterscheiden sich aber in einigen Punkten von uns: Wir bieten Zahlung direkt mit dem Handy an, stellen die Marketingleistungen als Mehrwert für Händler in den Vordergrund. Das Payment ist dabei eher ein Feature. Im Sommer kommen einige neue Mobile Payment-Startups an den Start, auf die wir gespannt sind. Die anderen Anbieter, wie etwa Google, PayPal oder mpass machen uns keine Angst. Diese Anbieter probieren seit Jahren verschiedene Lösungen aus und kommen nicht richtig zu Potte. Von SumUp und Payleven bin ich auch noch nicht so richtig überzeugt von.

mobilbranche.de: Welche Erkenntnisse habt ihr innerhalb der Pilotphase gewonnen? Wie ist das Nutzer-Feedback?

Georg von Hehn: Wir bieten unseren Service momentan hauptsächlich im Gastronomiegewerbe in Cafés und Restaurants an. Das Wichtigste in der Gastronomie z. B. in Cafés, die besonders zur Mittagszeit einen hohen Durchlauf haben, ist, dass es sehr schnell geht. Deswegen bieten solche Läden auch oftmals keine Kartenzahlung an – weil Bargeld einfach schneller ist. Wir sind schneller als Bargeld – mit mpax dauert eine Transaktion unter 10 Sekunden. Einmal Abscannen, Bestätigen, zack, fertig.  Bargeld dauert in der Regel 12 – 15 Sekunden.

Von den Usern haben wir bisher ein gutes Feedback erhalten. Die Nutzer bekommen bei der ersten Transaktion mit mpax einen direkten Rabatt zwischen 1 Euro und 5 Euro. Das ist davon abhängig, wie groß der durchschnittliche Warenkorb des Händlers ist. Nach den nächsten 4 – 5 Restaurant- oder Cafébesuchen bekommen Sie dann wieder Rabatt. Es ist ein bisschen wie ein Rollenspiel – sie haben eine Statusleiste, können ihre gesammelten Punkte einsehen, ihre Händler suchen und alles mitverfolgen. Das ganze soll Spaß machen. So ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie wieder kommen – sogar öfter wieder kommen und letztendlich mehr Geld ausgeben.

mobilbranche.de: Was entgegnest du den Leuten, die der Meinung sind Datenschutz sei mit Mobile Payment nicht in Einklang zu bringen und der deutsche Markt noch nicht bereit für mobile Bezahllösungen?

Georg von Hehn: Zunächst mal ist Datensicherheit auch bei uns ein großes Thema. Wir kommen mit den Daten überhaupt nicht in Berührung. Die Daten werden ausschließlich auf den sicheren Servern der Banken oder der Payment-Providern, mit denen wir zusammenarbeiten , gespeichert. Wir haben keinen direkten Zugriff auf die Konto- oder Kreditkartendaten. Ich glaube, dass der deutsche Markt im Jahr 2013 anfängt neu zu denken. Seit einem Jahr fangen Mobile Payment-Startups an den Markt aufzuweichen und die Deutschen fangen an zu verstehen, dass das Bezahlen mit dem Handy sicher ist und das ihre Daten auch mobil geschützt werden.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.

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