Interview: Jens Redmer von Google über Herausforderungen an mobile Werbung.

von Fritz Ramisch am 23.April 2013 in Interviews, Mobile Advertising

jens redmer google Deutschland„Viele Werbekunden verschenken Potenzial, indem sie ihre Kampagnen nicht medienübergreifend optimieren“, sagt Jens Redmer, der bei Google Deutschland für neue Produkte und Werbelösungen verantwortlich ist. Vor allem die parallele Nutzung mehrerer Geräte wie etwa Smartphone, Laptop und  Fernseher bringt Potenziale, aber auch eine Menge Herausforderungen für werbungtreibende Unternehmen mit sich. Auf dem diesjährigen Mobile Gipfel vom 28. bis 29. Mai in Berlin wird Jens Redmer unter dem Motto „Mobile ist Business jetzt, nicht Trend morgen!“ über Herausforderungen und Potenziale mobiler Werbelösungen referieren. Wir haben vorab mit Jens Redmer über Multiscreen, Kabelsalat und mobile Werbemöglichkeiten gesprochen.

mobilbranche.de: Wie viele Mobilgeräte besitzen Sie insgesamt?

Jens Redmer: Zu viele. Ein Nexus 4, ein HTC One, ein iPhone 5, zwei Tablets (Nexus 7, iPad) und meinen Laptop. Ich liebe den Geruch neuer Hardware. Ich bin damit sicher überdurchschnittlich gut versorgt – aber in ähnlicher Form gilt das auch für den typischen Nutzer, der heute Desktop-Rechner, Laptop, Tablet und Mobiltelefon nutzt und Informations- und Transaktionsbedürfnisse quer durch diese „Multiscreen-Welt“ hat.

mobilbranche.de: Wann haben sie sich das letzte Mal über einen Kabelsalat geärgert?

Jens Redmer: Heute morgen an der Sicherheitskontrolle am Flughafen, als ich meinen Rucksack öffnen musste und die Lade- und Sync-Kabel von allen Geräten ausräumen musste. Liebe Startups, die am „Ein Kabel für alles“ arbeiten: Bitte meldet Euch!

mobilbranche.de: Multi-Screen ist in den Wohnzimmern der Nutzer längst Alltag: Der Fernseher läuft im Hintergrund während man seine E-Mails auf dem Smartphone checkt und auf dem Laptop im Internet surft. Welche Herausforderungen und Potenziale bringt die veränderte Mediennutzung mit sich?

Jens Redmer: Nutzer sind heutzutage fast dauerhaft online, zusätzlich ist die Parallelnutzung von verschiedenen Geräten wie Smart-TVs, Tablets und Mobiltelefonen dramatisch angestiegen – die Mehrzahl der TV-Nutzer haben bereits heute während des Fernsehkonsums einen zweiten Screen neben sich. Viele Dienste werden heute bereits sehr viel intensiver auf Mobilgeräten genutzt als auf Desktop- oder Laptop-Geräten. Das schafft ein neues Potenzial für Werbekunden, ihre Kunden im richtigen Moment zu erreichen. Auf der Seite der Herausforderungen sehe ich einerseits das Cross-Device-Tracking, also die Messung von geräteübergreifenden Konvertierungen (Der Nutzer beginnt Suche auf Gerät 1, fährt auf Gerät 2 fort und schließt auf Gerät 3 ab.), und andererseits die Tatsache, dass viele Werbekunden Potenzial verschenken, indem sie ihre Kampagnen nicht medienübergreifend optimieren. Ein Beispiel aus dem realen Leben: Jetzt beginnt die Heuschnupfen-Zeit. Wenn ich als Pharma-Unternehmen eine TV-Kampagne für mein Heuschnupfenmittel starte, muss ich sicherstellen, dass ich auch entsprechendes Suchmaschinenmarketing starte – sonst beginnt der Nutzer nach dem gesehenen TV-Spot online nach „Heuschnupfen“ zu suchen und findet meinen Konkurrenten in der Suchergebnisseite. Und: Es ist sehr wichtig, eine mobil optimierte Webseite zu haben, denn vielleicht sucht der Nutzer gerade auf einem mobilen Gerät.

mobilbranche.de: Welche Chancen bietet die 24/7-Nutzung von mobilen Diensten und Geräten für werbungtreibende Unternehmen und warum bleiben daraus resultierende Potenziale noch häufig ungenutzt?

Jens Redmer: Wir sehen das ganz einfach: Wenn der Kontext stimmt, dann geht die Rechnung für Nutzer, Werbetreibende und auch für Google auf. Wenn ich abends vor der verschlossenen Wohnungstür stehe und meinen Schlüssel verloren habe, hilft mir am meisten die Werbung eines Schlüsseldienstes (vielleicht sogar mit einem Spezialangebot), der in meinem Stadtteil genau jetzt geöffnet hat und dessen Telefonnummer ich im Display einfach anklicken kann, wenn ich nach “Schlüsseldienst” suche. Das ist keine Zukunftsmusik, sondern kann bereits heute umgesetzt werden. Unternehmen, die das verstehen, profitieren überproportional; für den Rest bleibt dieser Markt eine Herausforderung. Dazu eine dramatische Zahl: Nur gut ein Drittel der Webseitenbetreiber in Deutschland haben eine mobil optimierte Website – umgekehrt heißt das, das fast zwei Drittel praktisch ein „Sorry, Laden geschlossen“-Schild vor ihre Website stellen.

mobilbranche.de: Wie müssen mobile Werbekonzepte in Zukunft aussehen und wie können sie geräteübergreifend miteinander verknüpft werden?

Jens Redmer: Sie müssen über den entsprechenden Kontext verfügen und damit die zusätzlichen Möglichkeiten des mobilen Endgerätes sinnvoll nutzen. Hier sind im wesentlichen die Dimensionen Location, Zeit und Endgerätetyp entscheidend. Ein Beispiel: Ein Nutzer, der um 12.00 mittags nach „Pizza“ auf einem Mobiltelefon in der Innenstadt von Frankfurt sucht, sollte eine Werbeanzeige eines lokalen Pizzarestaurants sehen, im Idealfall vielleicht sogar mit einem speziellen Angebot. Derselbe Nutzer, der abends um 19.00 auf einem Tablet oder Desktop dieselbe Suche ausführt, sollte eher die Werbeanzeige eines Pizza-Lieferservices sehen. Den Kontext einer Suchanfrage immer besser zu verstehen, ist der Schlüssel dafür, immer relevantere Ergebnisse zeigen zu können. Das hilft dem Nutzer und damit auch dem Werbetreibenden. Googles erweiterte Kampagnen sind genau aus diesem Grund gestartet worden, und wir haben sehr gute erste Erfahrungen gemacht.

mobilbranche.de: Nutzer, die systemübergreifend mehrere Mobilgeräte und Dienste unterschiedlicher Hersteller nutzen, haben oft Probleme mit der Synchronisation der Daten. Ist die Virtualisierung der Daten die einzige Lösung für Nutzer um Systemeinschränkungen zu überwinden?

Jens Redmer: Die Cloud hilft an sehr vielen Stellen, Daten (mit Einwilligung der Nutzer) sinnvoll und geräteübergreifend an einer Stelle zusammenzuführen und sie damit nützlicher zu machen. Zum Beispiel kann ich, wenn ich in mein Google Konto eingeloggt bin, automatisch meine Suchhistorie geräteübergreifend nutzen oder über Google Chrome geräteunabhängig überall auf der Welt alle meine Bookmarks wiederfinden.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview.

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