Interview: Klemens Gaida über die ersten Investments des Mobile-Inkubators 1stMOVER.

von Florian Treiß am 08.März 2013 in Interviews, Mobile Startups

Klemens Gaida hat 2012 zusammen mit Peter Hornik in Düsseldorf 1stMOVER gegründet, einen Inkubator, der speziell in Mobile-Startups investiert. In den vergangenen Monaten haben die beiden rund 120 Geschäftsideen sondiert, sich mit zwölf davon intensiv beschäftigt und anschließend drei mobile Geschäftskonzepte ausgewählt, die nun finanziert und vorangetrieben werden. Im mobilbranche.de-Interview gibt Klemens Gaida einen ersten Ausblick auf diese drei Startups, bei denen es sich u.a. um einen Kiosk-Lieferdienst dreht, und erläutert auch, für was der Name 1stMOVER überhaupt steht.

mobilbranche.de: Klemens, Du hast vergangenes Jahr in Düsseldorf zusammen mit Peter Hornik den Mobile-Inkubator 1stMOVER gegründet. Wieso habt Ihr Euch für diesen Standort entschieden und nicht für Berlin, wo es eine sehr vitale Startup-Szene gibt?

Klemens Gaida: Für uns gibt es drei wesentliche Gründe 1stMOVER in Düsseldorf zu betreiben: Durch meine Zeit als Partner einer Unternehmensberatung und Manager bei einem Mobilfunkkonzern – beide Male in Düsseldorf – habe ich viele persönliche und berufliche Kontakte in der Stadt und Umgebung, insbesondere in das „Mobile Ecosystem“ mit Vodafone, E-Plus, Ericsson, Huawei u. v. a. Hinzu kommt, dass wir der erste und bisher einzige Inkubator in Düsseldorf sind, was sehr vorteilhaft für unseren Dealflow ist: Wir sind für viele Startups der erste Ansprechpartner. Und schließlich teilen wir uns mit unserem strategischen Partner Appseleration, einem führenden Mobile-Full-Service-Provider in Deutschland, eine komplette Etage im neuen Gründerzentrum „K-LAN“ in Düsseldorf. Branchenumfeld, Alleinstellung und Appseleration – das ist das Besondere von Düsseldorf für 1stMOVER.

mobilbranche.de: Nun sind die ersten drei Investments spruchreif. Worum geht es dabei?

Klemens Gaida: Die Namen der neuen Mobile-Startups können wir noch nicht publik machen, aber 1stMOVER gewährt einen ersten Blick hinter die Kulissen und dort sind spannende Entwicklungen zu sehen: die drei Projekte können jeweils in die Kategorie Mobile Commerce, Mobile Marketing und eBooks eingeordnet werden – drei Felder mit enormem Marktpotenzial. Ein Blick auf die Website von 1stMOVER verrät erste Details und zeigt: die 1stMOVER-Startups sind tatsächlich First Mover, also erste Anbieter eines neuartigen Angebots in ihrem relevanten Marktsegment.

mobilbranche.de: Eines dieser Startups soll sich „Same hour delivery“ widmen, ein Thema, was bislang vor allem von Pizza-Bringdiensten dominiert wird. Welche Zielgruppe habt Ihr hier im Fokus, auch die Handelsriesen wie Amazon oder eher lokale Händler?

Klemens Gaida: Der Slogan der Mobile-App lautet „Das erste Büdchen in deiner Hosentasche“ und zeigt ganz gut, um was es geht: Mit dem neuen Lieferdienst geht auf keiner Party das Bier aus, fehlen niemals die Snacks zum Fernsehen und ist der Grill am Badesee immer gut gefüllt. Zielgruppe sind Party- und Freizeit-Menschen, die akuten Bedarf und eine hohe Zahlungsbereitschaft haben. Der Dienst wird zzt. in Düsseldorf erprobt und dann in die nächsten Städte ausgerollt. Achillessehne ist natürlich die Lager- und Lieferinfrastruktur, wie bei allen Bringdiensten.

mobilbranche.de: Ein wichtiger Partner von Euch ist Appseleration. Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen?

Klemens Gaida: Bei allen 1stMOVER-Projekten steht Appseleration mit Ideen, Know-how, Ressourcen und wichtigen Kontakten zur Seite. Neue Produkt- und Geschäftsideen aus dem Appseleration-Team werden an den 1stMOVER-Ideenauswahlprozess weitergegeben, Kompetenzen und Erfahrungen bzgl. neuer Produkte und Geschäftsmodelle für Mobile Internet und mobile Anwendungen aller Art werden eingebracht und es wird günstige Entwicklerkapazität für Standard-Entwicklungen oder für Lastspitzen in Inkubationsprojekten bereitgestellt. Und jede technische Lösung eines Startup-Teams, in das wir investieren wollen, wird von Appseleration einem technischen Audit unterzogen. Insgesamt profitieren die 1stMOVER-Startups also sowohl vom 1stMOVER-Inkubator-Team als auch vom Appseleration-Mobile-Solution-Team; die Startup-Projekte werden sowohl bei strategischen Entscheidungen als auch im Tagesgeschäft mit Rat und Tat unterstützt.

mobilbranche.de: Wieso habt Ihr eigentlich 1stMover als Bezeichnung für Euren Inkubator gewählt?

Klemens Gaida: Wie bereits erwähnt, ein „First Mover“ ist der erste Anbieter eines neuen Produkts in einem bestimmten Markt. Für einen solchen Anbieter können sich „First Mover-Vorteile“ bei den drei „Ms“, bei Marktanteilen, bei Margen und bei der Marktposition ergeben. Und zwar durch schnelle Marktanteilssicherung und weitreichenden Erfahrungsvorsprung, durch gezielte Abschöpfung und frühzeitige Kostensenkung sowie durch exklusive Rechte und Kooperationen. Im Online-Markt existieren First Mover-Chancen zwar nicht mehr bei klassischen, PC-basierten Anwendungen dafür aber jetzt bei mobilen, Smartphone- & Tablet-basierten Applikationen. Diese können jedoch nur mit neuen, speziellen Kompetenzen realisiert werden – am besten mit Unterstützung eines Mobile-Internet-Inkubators wie z. B. 1stMOVER. Das ist unsere Mission.

mobilbranche.de: Kannst Du exemplarisch einige First Mover nennen, die Ihr als Vorbild für Euer Wirken seht?

Klemens Gaida: Für die Realisierung nachhaltiger First Mover-Vorteile muss ein Markt besondere Eigenschaften aufweisen und zwar die breite Verfügbarkeit einer stabilen und kostengünstigen Technologie sowie noch formbare Marktstrukturen mit kleinen, noch nicht dominanten Anbietern. Dies trifft nicht mehr auf den klassischen Online-Markt zu – aber seit 2010/11 neu auf den Mobile-Internet-Markt.

Mit 3G-Netzen, mobilen Flatrates und ausreichend hoher Smartphone-Penetration ist seit 2012 ein junger Massenmarkt mit viel Gestaltungs- und Expansionsspielraum entstanden, auf dem First Mover noch ganz neue Marktkategorien erschaffen und besetzen können. Prominente Mobile-First Mover sind MyTaxi, WhatsApp, Instagram und ShopLove.

mobilbranche.de: Wie trefft Ihr generell Eure Investment-Entscheidungen und wer sollte sich bei Euch mit seiner Idee bewerben?

Klemens Gaida: Neben dem Mobile-Fokus sollen die 1stMOVER-Geschäftskonzepte einfach sein und einen konkreten Bedarf adressieren oder ein dringendes Problem lösen, wofür ein Privat- oder Firmenkunde dann bereit ist zu bezahlen, wie z. B. bei der Kiosk-App. Unsere anderen beiden Startup-Projekte folgen der gleichen Strategie: Mit einer neuen Kunden-werben-Kunden-App können Nutzer ganz einfach Geschäfte und Produkte an Freunde & Bekannte weiterempfehlen und im Erfolgsfall davon profitieren. Für Unternehmen bietet der mobile Software-as-a-Service ein schlankes, zeitgemäßes und wirkungsvolles Marketingtool zur Neukundengewinnung. Und mit einer neuen eBook-App erhalten Nutzer grenzenlosen Lesespaß ohne überquellendes Bücherregal oder prall gefüllten Speicher — angereichert mit innovativen Features zum Social Reading. Mit dezenter, passender Werbung ist das Lesen kostenlos. Wer auf Werbung verzichten möchte, wählt das Premium-Modell.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview, Klemens!

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