Interview: Jens Oberbeck von InMobi über das rasante Wachstum der mobilen Mediennutzung.

von Florian Treiß am 27.Februar 2013 in Interviews, Mobile Advertising, Mobile Media

mobilbranche.de: Jens Oberbeck, was für neue Erkenntnisse zur mobilen Mediennutzung bringt InMobi zum Mobile World Congress hier in Barcelona mit?

Jens Oberbeck: Wir haben eine weltweite Studie mit 15.000 Smartphone-Besitzern, davon 500 in Deutschland, durchgeführt, bei der herauskam, dass wir insgesamt eine Mediennutzung von 6,3 Stunden pro Tag haben. Laut unserer Studie liegt dabei allein die mobile Mediennutzung bei 107 Minuten am Tag und hat sogar Online mit 85 Minuten und TV mit 95 Minuten überholt (siehe auch in der Infografik zum mobilen Medienkonsum). Die Zahlen unterstreichen, dass es dort verstärkt auch eine Second-Screen-Nutzung gibt und dass es eine große Chance für jedes Unternehmen ist, in diesen Bereich vorzustoßen. Denn dort kann man durch Dual-Screen-Ansätze natürlich auch toll den Werbekunden erreichen.

mobilbranche.de: Was sind weitere Highlights der Studie?

Jens Oberbeck: Wir haben herausgefunden, dass die User innerhalb der letzten dreißig Tage durchschnittlich 7,2 Apps verwendet haben. Das finde ich sehr interessant, denn jeder Fachmann hätte hier mit einem höheren Wert gerechnet. Bei diesen 7,2 Apps pro Monat liegt ein starker Fokus auf Social Media, Unterhaltung und Spielen. E-Mails liegen bei gerade einmal 12 Prozent Nutzung und landen somit auf einem hinteren Platz. Das heißt: ein großer Teil der Kommunikation auf Smartphones findet heute über Facebook und andere Social-Media-Dienste statt.

mobilbranche.de: Welche Erkenntnisse liefert die Studie speziell zu mobiler Werbung?

Jens Oberbeck: Mittlerweile finden zudem 34 Prozent der Nutzer die Werbung auf ihren Mobilgeräten genauso interessant wie die bei TV und Online. Und wir haben uns auch mit dem „Dicke-Daumen-Syndrom“ beschäftigt und abgefragt, wie viele Leute tatsächlich schon mal aus versehen auf ein mobiles Werbebanner geklickt haben. Und es waren nur noch 7 Prozent der Nutzer, die angegeben haben, ausversehen auf mobile Werbebanner zu klicken. Das zeigt, dass mobile Werbung mittlerweile gelernt ist – die Leute wissen, was sie erwartet.

mobilbranche.de: Eine Zahl, die Du am Anfang genannt hast, macht mich etwas stutzig – die von InMobi gemessene TV-Nutzung liegt deutlich unter der gängigen Zahl, dass der durchschnittliche Deutsche dreieinhalb Stunden pro Tag vor der Glotze hängt. Wie erklärt sich das?

Jens Oberbeck: Das geht vermutlich darauf zurück, dass wir in unserem mobilen Werbenetzwerk, über das die Studien-Teilnehmer rekrutiert wurden, sehr viele „Smartphone-Süchtige“ als Nutzer haben. Solche Leute nutzen natürlich ihr Smartphone besonders intensiv, man denke nur an Pendler, die jeden Tag von A nach B mit dem Zug fahren. Wenn man dann täglich zweimal eine halbe Stunde mit der Bahn fährt und sein Smartphone dort intensiv nutzt wie viele, dann hat man schon eine Stunde Smartphone-Nutzung täglich. Wenn man dann auch nochmal auf der Arbeit drauf schaut oder später zu Hause auf dem Sofa, kommen diese 107 Minuten mobile Mediennutzung recht schnell zu Stande. Neulich gab es auch eine andere Studie, wo belegt wurde, dass der durchschnittliche Smartphone-Nutzer 116 Mal am Tag auf sein Smartphone schaut – was ja unfassbare Zahlen sind.

mobilbranche.de: Du hattest gesagt, dass die App-Nutzung mit 7,2 Apps pro Monat sehr selektiv erfolgt. Hast Du Erkenntnisse darüber, wieso das so ist?

Jens Oberbeck: Ich glaube, man hat einfach ein Spektrum an Apps, was man regelmäßig benutzt. Man hat zwar vielleicht sechs Wetter-Apps heruntergeladen, aber nutzt dann tatsächlich nur eine davon. Dann hat man vielleicht eine Lieblings-App für News und eine Banking-App, mit der man immer wieder den eigenen Kontostand prüft. Dann hat vermutlich fast jeder noch Facebook drauf und auch Twitter. Das sind dann die Apps, die man wirklich benutzt. Und auch wenn man sich mal ein Spiel herunterlädt, dann ist es meistens so, dass man ein Spiel hat, diesen einen Monat spielt – und dann ist irgendwann der Reiz vorbei und man lädt sich im nächsten Monat ein anderes Spiel herunter. Es ist also eine Art individuelles Standard-Portfolio, was dann jeder für sich nutzt.

mobilbranche.de: Da stellt sich mir natürlich die Gretchenfrage – was kann InMobi tun, um vom Boom der mobilen Mediennutzung zu profitieren und die Werbebudgets der Kunden für mobile Werbung zu steigern? Aktuell kommt mobile Werbung in Deutschland ja auf kaum 1 Prozent des Umsatzes von Onlinewerbung für den PC. Was ist also Eure Strategie?

Jens Oberbeck: Einer der größten treibenden Faktoren in diesem Jahr wird sein, dass es darum geht, personalisierte und kontextuelle Werbung auszuspielen, die auch ein Bedürfnis des Kunden trifft. Also die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort an den richtigen Nutzer zu liefern. Wer das durch Datenanalyse und Datamining hinbekommt, der wird natürlich vorne dabei sein.

Ein weiterer Aspekt ist, dass wir in jetzt in einer Zeit sind, wo man nicht einfach mehr den Online-Werbebanner nimmt und ihn auf Smartphone-Größe anpasst. Sondern dass man jetzt die Möglichkeiten von HTML5 richtig nutzen kann, um kreative Rich-Media-Konzepte umzusetzen, in denen Videos laufen, weiterführende Informationen existieren, in denen eine Händlersuche eingebunden werden kann, wo ein Gutschein mit eingebaut werden kann und so weiter.

Das sind Themen, worauf auch Werbungtreibende extrem Lust haben. Weil sie sehen: mit Mobile habe ich die Möglichkeit, jemanden an einem Ort zu erreichen, der sonst völlig unzugänglich ist. Und auf der anderen Seite auch, vor allem wenn man sich den Tablet-Bereich anschaut, ich auch den Nutzer auf dem Sofa erreichen kann, der in einer total entspannten Laid-Back-Situation ist und auch Interesse daran hat, Informationen zu bekommen.

mobilbranche.de: Wie weit ist InMobi denn, diese ganzen Erkenntnisse auch technisch zu realisieren? Böse Zungen behaupten, dass mobile Werbung technisch eigentlich noch auf dem Stand der 90er Jahre bei der Onlinewerbung ist, gerade was Targeting und Tracking angeht.

Jens Oberbeck: Fakt ist, dass InMobi allein 350 Entwickler in Indien sitzen hat, die sich ausschließlich damit befassen, solche Themen und Produkte weiter voran zu treiben. Außerdem haben wir als InMobi bereits eine exzellente Audience-Targeting-Technologie entwickelt, um eben genau die richtigen Personen mit den richtigen Interessen anzusprechen zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wir haben zudem ein Lifetime-Value-Produkt entwickelt, um Werbungtreibenden Informationen darüber geben zu können, was ihnen die mobile Werbung sowohl im Branding- als auch im Performance-Bereich bringt. Und wir informieren darüber, wie sich der Nutzer auf unseren mobilen Seiten bewegt, welche Interessen hat er, wie oft war er da, was hat er sich angeguckt.

Und auf der anderen Seite ist es auch so, dass wir auch die Möglichkeit bieten, gezielte Download-Kampagnen und sonstiges umzusetzen, was super hilfreich ist für die Werbungtreibenden. Denn wir wissen ja, nur wenn das richtige Interesse vorhanden ist beim Nutzer, dann wird auch der Download getätigt. Und dem entsprechend fließen diese drei Themenbereiche da auch stark ineinander.

mobilbranche.de: Wie ist InMobi denn aktuell in Deutschland aufgestellt?

Jens Oberbeck: Aktuell haben wir allein in Deutschland eine Reichweite von 1,2 Mrd Ad Impressions. Unser Hamburger Office wird weiter verstärkt, das Vertriebsteam wird noch ausgebaut und auch das Business Development, zudem die Infrastruktur im Headquarter. Wir erreichen in Deutschland mittlerweile ungefähr 25 Prozent der Unique Mobile User. Das ist schon ein sehr guter Wert.

mobilbranche.de: Ist eine künftige Teilnahme an den AGOF mobile facts denn für InMobi auch ein Thema, um die Wahrnehmung im Markt noch zu verbessern?

Jens Oberbeck: Die AGOF ist sehr interessant und spannend für uns. Aber dabei geht es um die Frage, wie man große Netzwerke wie uns in der Studie überhaupt richtig abbilden kann. Es gibt schon erste Ansätze, dass auch mobile Werbenetzwerke in der AGOF vorhanden sind. Aber es ist eben unklar, wie man ein so großes Netzwerk wie unseres mit 9.000 Publishern überhaupt erfassen will. Das dürfte spannend werden, sowas umzusetzen.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg noch auf dem Mobile World Congress!

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