Gastbeitrag: Die SMS wird 20 – und ist jung genug für eine große Zukunft.

von Gastautor am 05.Dezember 2012 in Interviews

Oliver Zabel leitet in Köln den SMS-Spezialdienstleister GTX GmbH, der sich seit sechs Jahren im B-2-B-Geschäft mit SMS etabliert hat. GTX bietet seinen Kunden SMS-Routen und bietet Zugang zu mehr als 800 Telefonnetzen in mehr als 160 Ländern.  In einem Gastbeitrag für mobilbranche.de schreibt er über den 20. Geburtstag des Kurznachrichten-Systems SMS, der diese Woche gefeiert wird.

Die SMS ist 20 Jahre alt. Ein Grund zum Feiern – schließlich hat diese Technik Milliarden von Menschen einen intuitiv verständlichen Kommunikationskanal eröffnet. Die SMS hat die Welt geprägt, wie unser Team in einem Blog zeigt. Doch in diesen Tagen lesen wir vor allem: „Der SMS geht die Puste aus.“ Alternative, Internet-basierte Messaging-Angebote – so die Wahrnehmung – werden schon bald das Aus für die SMS bedeuten. Dieser Meinung können wir uns nicht anschließen – vielmehr sehen wir viele Wachstumschancen mit SMS.

Peer-to-Peer: Natürlich ändert sich das Bild in einem Land wie unserem, in dem Abermillionen Menschen mit neuesten Smartphones im kostengünstigen Netz surfen. Messenger-Alternativen wie WhatsApp übernehmen hier immer mehr Marktanteile. Zumal hierzulande in machen Netzen immer noch bis zu 19 Cent für 160 Zeichen anfallen. Doch beim Blick auf Schwellen- und Entwicklungsländer ist klar: Es wird noch lange dauern, bis diese Milliarden Menschen eine bezahlbare Mobile-Web-Verbindung und iPhones oder Android-Endgeräte haben.

Akzeptierter Standard: Aber auch bei uns wird die SMS das Standard-Vehikel für „Text Messaging“ bleiben. Niemand muss sich registrieren wie bei WhatsApp, jedes Handy kann mit jedem anderen kommunizieren. Auch iMessage setzt ja auf die gute alte SMS als Ersatzlösung. Schließlich surft auch in Deutschland nicht jeder jederzeit mit unbegrenzter Datenflat. Wichtig ist, dass SMS garantiert funktioniert und dass eine Nummer genügt, um eine Nachricht zu schicken. Eine Registrierung, Mitgliedschaft oder ähnliches braucht man nicht – ein klarer Wettbewerbsvorteil für die SMS. Die Dienste wie WhatsApp und iMessage setzen bewusst auf Inkompatibilität. Sie wollen sich absetzen, eine eigene Zielgruppe bedienen. Solange es aber keinen weltweit anerkannten Ersatz-Standard gibt, den jedes Endgerät von Fabrik aus unterstützt, bleiben diese Dienste Insellösungen. Sie werden wachsen, aber durchsetzen können sie sich in diesem Wettstreit nicht.

Wachstum im B-2-B-Bereich: Das hier soll keine Utopie sein. Netzbetreiber werden gewaltig an Margen einbüßen, weil Verbraucher beim Messaging auch sparen wollen. Aber es kommen neue Geschäftsfelder für die SMS, die sich bereits durchsetzen. Ein wichtiges Segment nennen wir A2P, also Application-to-Peer. Mit Application ist hier allerdings alles gemeint, was eine kommerzielle oder vergleichbare Transaktion auslöst. Insbesondere im E- und M-Commerce ist die SMS alternativlos. Lieferheld sendet Bestellbestätigungen, DHL richtet mir aus, dass ein Paket für mich beim Nachbarn abgeliefert wurde. Das sind Beispiele progressiver Kundenkommunikation, die nur mit SMS gehen – weil sie mich sofort auf meiner Mobilnummer erreichen. SMS lässt sich in so gut wie jeden Ablauf integrieren. In solch einem Kontext spielen Dienste wie WhatsApp keine Rolle. Es gibt bei dieser Form der Kommunikation keine Alternative zur SMS, wenn man möchte, dass die Nachricht unmittelbar den Kunden erreicht.

Sicherheit siegt: In Spezialbereichen des B-2-B obsiegt die SMS ebenfalls. Wo es um Sicherheit geht, bietet sich die Short Message aufs Handy an. Beispiel Online-Banking: Die allermeisten Banken senden heute TANs ad hoc per SMS an die verifizierten Nummern ihrer Kunden. Während bei WhatsApp wöchentlich über neue Sicherheitslücken berichtet wird, ist es so gut wie unmöglich, diesen spontanen SMS-Traffic zu manipulieren. Auch im IT-Bereich, beispielsweise bei hochsensiblen Administrationsaufgaben, wird die SMS zum Standardrepertoire. Ein Administrator loggt sich mit Namen und Passwort ein – und bekommt dann einen Code per SMS. Dieser Code verfällt nach Minuten, ebenso wie die Zustellung der SMS ein Zeitlimit bekommt. Ist sie bis dahin nicht ausgeliefert, wird sie gelöscht. Überhaupt hilft SMS in der IT. Wenn in Datenbanken oder Systemen bestimmte Probleme oder Vorkommnisse auftreten, können die Verantwortlichen vom System automatisch per SMS alarmiert werden. Das kommt garantiert an.

Marketing-Macht: Das Handy bleibt ein intimer Bereich. Werbung aufs Handy wirkt – entweder extrem abschreckend oder extrem positiv. Lange galt SMS als das „next big thing“ der Werbewirtschaft. Allerdings waren die Erwartungen überhöht. Doch die Macher hinter vielen Marken haben inzwischen verstanden, wie sie ihre Kunden nicht verstören, sondern Zusatznutzen bringen mit SMS. Gezielte Botschaften als Teil von Kampagnen landen direkt im Aufmerksamkeitsfeld des Kunden. Für SMS-Werbekampagnen gibt es ebenfalls keine Alternative bei Anbietern wie WhatsApp. Dabei ist es ökonomisch erheblich, dass der Absender jederzeit weiß, ob seine Nachricht angekommen ist.

Zuverlässige Technik: Die SMS ist nicht zufällig so erfolgreich. Es liegt an ihren technischen Stärken. Sie ist explizit keine Internet-Technologie. Ihr Standard ist universell gültig. Jedes Telefon kann mit jedem anderen auf der Welt per SMS kommunizieren. Kommerzielle Absender sehen dank „Delivery-Notification“, ob ihr Text den Empfänger erreicht. Die Gültigkeit einer Nachricht lässt sich einstellen. Kurz: Ein leistungsstarker Standard mit extrem niedrigen Eintrittshürden. Er lässt sich leicht anbinden an fast jedes beliebige Angebot, sei es ein Shop, eine Bank oder ein Friseursalon.

Ein Teil der Zukunft: Wir von GTX Messaging, einem Spezialanbieter für B-2-B-Kunden im SMS-Bereich, sehen die Chancen dieser Technik jeden Tag. Und wir sind fest überzeugt, dass es – neben dem Klagen über sinkende Umsätze im Massengeschäft – riesige Potentiale für SMS-Business gibt. Die SMS bietet Sicherheit, sie wirkt direkt, sie verschafft Zugang zu Zielgruppen in aufstrebenden Nationen, und sie ist Allgemeingut. Und wissen Sie was? Sie trainiert uns auch zu ökonomischem Schreiben. Ist Ihnen etwas aufgefallen? In diesem Text hatte kein Satz mehr als 160 Zeichen.

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