Interview: Michael Kurz von Telefónica über Mobile Payment.

von Florian Treiß am 19.November 2012 in Interviews

Das Etablieren der EC-Plastikkarte als Zahlungsmittel hat etwa 10 Jahre in Anspruch genommen“, sagt Michael Kurz und relativiert damit Beobachtungen, dass bislang kaum ein Verbraucher beim Einkaufen die Möglichkeiten von Mobile Payment nutzt. Der Vice President Digital Partnerships im Bereich Wholesale & Partnermanagement von Telefónica Germany betont im Vorfeld der Multi Channel Payment Days (20.11. in Hamburg, 4.12. in Köln und 6.12. in München), dass der Markt für mobiles Bezahlen bereit ist und viel Potenzial bietet: Das Transaktionsvolumen soll bereits 2016 bei weltweit 617 Mrd Dollar liegen – und schon heute sind drei Viertel der Handybesitzer unter 30 Jahren in Deutschland bereit, mobil zu bezahlen. Da es bislang aber noch zu wenig NFC-fähige Smartphones gibt und auch die NFC-fähigen SIM-Karten noch im Versuchsstadium sind, setzt Telefónica in Deutschland seit kurzem auf eine NFC-Sticker-Lösung, um einer großen Anzahl von Kunden schon heute das mobile und kontaktlose Bezahlen zu ermöglichen.

mobilbranche.de: Bezahlen mit dem Handy ist zwar in aller Munde, doch noch ist das Thema zumindest am Point of Sale eher Zukunftsmusik als gelebter Alltag. Welche Vorteile werden Ihre Kunden mittelfristig von Mobile Payment und Mobile Wallet haben?

Michael Kurz: Die digitale Gesellschaft entwickelt sich rasend schnell. Die Möglichkeit mit dem Mobiltelefon zu bezahlen wird schon heute von vielen unserer Kunden genutzt. Das direct to bill Verfahren – also das Einkaufen digitaler Güter über das Mobiltelefon und die Mobilfunkrechnung – wird monatlich von etwa 400.000 unserer Kunden genutzt, Tendenz steigend. Diese Kunden stehen grundsätzlich neuen Technologien, Produkten und Services offen gegenüber. Mit der Einführung von mpass im Handel sind wir nun den nächsten wichtigen Schritt gegangen. Jetzt ist das Einkaufen physischer Gütern in den Geschäften möglich. Aus Erfahrungen und Gesprächen wissen wir, dass unsere Kunden auch großes Interesse an der kontaktlosen Bezahlmöglichkeit mpass haben. Smartphones sind bereits zum ständigen mobilen Begleiter geworden und erfüllen eine Vielzahl von Aufgaben des täglichen Lebens. Bei Telefónica Germany waren im 3. Quartal des Jahres 95 Prozent der abgesetzten Geräte Smartphones. Ein Wert der weit über dem Marktdurchschnitt liegt und ein deutliches Zeichen für die zunehmende Nutzung der kleinen Alleskönner ist. Mit dem zukünftigen Einsatz eines mobile Wallet – also eines elektronischen Portemonnaies – kommt ein weiterer Schritt. Dann werden Kunden langfristig noch mehr Funktionen und Services in Ihrem Smartphone wiederfinden. Karten, die heute noch in physischer Form in der traditionellen Brieftasche stecken, werden dann digitalisiert sein. Darüber hinaus wird es möglich sein weitere Vorteile für die Kunden anzubieten, so beispielweise elektronische Tickets oder Gutscheine.

mobilbranche.de: Wie überzeugen Sie den Handel, dass Mobile Payment das Richtige ist?

Michael Kurz: Die Resonanz im Markt ist bereits sehr positiv. Viele Einzelhändler haben großes Interesse signalisiert. Für die Geschäfte bieten mobile und kontaktlose Bezahlverfahren wie mpass die Möglichkeit, den Kunden eine innovative Bezahlmöglichkeit anzubieten. Unabhängig von der Möglichkeit neue Zielgruppen zu erschließen, besitzen schon viele Kunden ein Mobiltelefon und setzten dieses für unterschiedlichste Anwendungen ein. Eine Ergänzung der Bezahlmöglichkeiten um das Mobiltelefon unter Einsatz der NFC-Technologie ist für den Handel somit interessant. Hinzu kommen weitere Vorteile des innovativen Bezahlservices wie beispielsweise: schnelle Abwicklungszeiten an der Kasse, Reduzierung der kostenintensiven Bargeldhaltung (Münz- und Scheingeld), Sicherung des Zahlungsausfallrisikos oder die Funktionserweiterung durch die Integration von Loyalty-Programmen und Gutscheinen.

mobilbranche.de: Was für einen Mehrwert muss Mobile Payment mit sich bringen, damit die Deutschen bereit sind, mit dem Handy statt mit Bargeld oder Plastikkarte zu zahlen?

Michael Kurz: Entwicklungen in unterschiedlichen Branchen in Deutschland haben gezeigt, dass es oft ein wenig Zeit in Anspruch nimmt, bis sich Innovationen massentauglich durchsetzen. Hier sind andere Länder weiterentwickelt. So brauchen neue Produkte und Services einige Zeit, bis sie von der breiten Masse angenommen werden. Das Etablieren der EC-Plastikkarte als Zahlungsmittel hat beispielsweise etwa 10 Jahre in Anspruch genommen. Ist aber die Schwelle zur Akzeptanz einer neuen Entwicklung oder Technologie gebrochen, nutzen die Kunden die Innovationen verstärkt und für einen langen Zeitraum. In Deutschland sind bereits 75 Prozent der unter 30-jährigen Mobiltelefonnutzer bereit mobil zu bezahlen (Bitkom 2012). Zukünftig werden mehr und mehr Kunden auf mobile Bezahlverfahren setzen.

mobilbranche.de: Was haben Sie als Telefónica Deutschland davon, wenn Mobile Payment zum Erfolg würde? Sprich, was für zusätzliche Umsätze versprechen Sie sich davon?

Michael Kurz: Telefónica in Deutschland setzt frühzeitig auf Wachstumsmärkte der Zukunft. So auch auf den Bereich Finanzprodukte und –services. Unserem Ziel, ein vollständiges Ökosystem abzubilden, sind wir sehr nahe. Kunden können aus einem breiten Portfolio auswählen und profitieren von unterschiedlichen Produkten und Services wie zum Beispiel Versicherungen (Internet- oder Handy-Versicherung), der o2 Kreditkarte oder mobilen Bezahlverfahren (direct to bill und mpass). Der Markt für mobiles Bezahlen ist bereit und bietet viel Potenzial. Viele Marktforschungsdaten untermauern dies. So geht zum Beispiel das Institut Gartner davon aus, dass bis 2016 weltweit durch die Bezahlung über Mobiltelefone 617 Milliarden US Dollar umgesetzt werden.

mobilbranche.de: Müssen wir wirklich darauf warten, dass alle Smartphones mit NFC ausgestattet wird, damit Mobile Payment sich durchsetzt – oder geht es auch anders?

Michael Kurz: Aktuell gibt es noch nicht ausreichend viele NFC-taugliche Endgeräte im Markt, um die kontaktlose Bezahlung via NFC massentauglich abzubilden. Hier ist der Markt darauf angewiesen, dass die Gerätehersteller ihr Angebot in Zukunft deutlich ausbauen. Ein NFC-fähiges Telefon alleine kann die kontaktlose Bezahlung nicht abbilden. Hierfür ist das Ineinandergreifen unterschiedlicher Komponenten erforderlich, wie beispielsweise spezielle SIM-Karten. Auch NFC-fähige SIM-Karten befinden sich noch in keinem massentauglichen Stadium. Perspektivisch wird es in Zukunft auch NFC-Mobiltelefone mit der dazugehörigen Infrastruktur und passenden SIM-Karten geben.

Um einer großen Anzahl von Kunden das mobile und kontaktlose Bezahlen schon heute zu ermöglichen, setzt Telefónica in Deutschland auf die NFC-Sticker-Lösung. Diese ermöglicht auch Nutzern älterer Mobiltelefone kontaktlos in den Geschäften zu bezahlen.

mobilbranche.de: Wie steht es eigentlich um mpass, dem Bündnis von Telefónica, Deutscher Telekom und Vodafone für Mobile Payment? Als Außenstehender konnte man zuletzt den Eindruck bekommen, dass hier jeder Partner sein eigenes Süppchen köchelt.

Michael Kurz: Die Kooperationspartner Telefónica, Deutsche Telekom und Vodafone halten unverändert daran fest das mobile Bezahlverfahren mpass weiter voranzutreiben.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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