Interview: Philipp Hartmann von Reposito über die Initiative Verbraucher Apps.

von Florian Treiß am 12.Juli 2012 in Interviews

Wir haben uns einen Ehrenkodex auferlegt, den jedes Mitglied strikt befolgen muss. Dazu gehören in erster Linie das Befolgen der deutschen Datenschutzrichtlinien, außerdem dürfen unsere Mitglieder keinerlei versteckte Kosten oder gar Abofallen haben“, sagt Philipp Hartmann über die Gründung der Initiative Verbraucher Apps (IVA). Mit seinem Unternehmen Reposito ermöglicht er es, Kassenzettel mit einer Smartphone-App zu erfassen und zu sammeln. Ein Dienst also, der genauso wie die IVA-Mitgründer Aboalarm, barcoo und mehr-tanken.de ganz im Zeichen der Verbraucher steht.

mobilbranche.de: Philipp, Dein Startup Reposito hat zusammen mit anderen App-Anbietern die Initiative Verbraucher Apps (IVA) gegründet. Für was braucht es eine solche Initiative?

Philipp Hartmann: Vor allem für die Verbraucher: Das Internet, insbesondere seitdem es auch jederzeit mobil verfügbar ist, hat viel für mehr Transparenz getan. Eine neue Macht der Verbraucher ist entstanden. Dabei geht es in erster Linie um Informationen – frei nach dem Spruch „Wissen ist Macht“. Andererseits wird es angesichts von über 600.000 Apps alleine in Apples Appstore immer schwieriger, die wirklich relevanten Apps zu finden. Die Initiative Verbraucher Apps möchte nun diese Apps bündeln, um damit dem Verbraucher diese Macht zu geben.

Auf der anderen Seite geht es uns darum, den noch jungen und für viele etablierte Akteure schwierig zu verstehenden Bereich Apps verständlicher zu machen. Wir sind alle seit langem in der Branche unterwegs und kennen uns hervorragend aus – dieses Wissen stellen wir etablierten Verbraucherschützern, aber auch der Politik, Verbänden und Medien, gerne zur Verfügung. Ziel ist es, die zentrale Anlaufstelle rund um das Thema verbraucherschützende Apps im deutschsprachigen Raum zu werden. Dabei suchen wir ausdrücklich den Schulterschluss mit anderen Institutionen, die sich für mehr Verbraucherschutz einsetzen.

mobilbranche.de: Ist es nicht ein gefährlicher Spagat, sich von App-Anbieter-Seite als verbrauchernah zu positionieren? Unabhängige Verbraucherschützer könnten sich doch veräppelt vorkommen.

Philipp Hartmann: Überhaupt nicht: Wir wollen da ganz partnerschaftlich helfen, und die traditionellen Verbraucherschützer mit unserem Wissen und Erfahrung unterstützen. Wir sind eine branchengetriebene Initiative und machen das auch ganz deutlich. Das schließt aber nicht aus, dass wir verbrauchernah sind. Wir kennen uns in der Materie aus und können so von innen dafür sorgen, dass es mehr Transparenz und Verbraucherschutz gibt.

mobilbranche.de: Woran machen die IVA-Mitglieder denn fest, dass Ihre eigenen Apps verbraucherfreundlich sind?

Philipp Hartmann: Dafür gibt es klare Richtlinien. Wir haben uns einen Ehrenkodex auferlegt, den jedes Mitglied strikt befolgen muss. Dazu gehören in erster Linie das Befolgen der deutschen Datenschutzrichtlinien, außerdem dürfen unsere Mitglieder keinerlei versteckte Kosten oder gar Abofallen haben. Schließlich schreiben wir vor, dass ein deutschsprachiger Kundensupport angeboten wird. Das ist wahre Verbraucherfreundlichkeit.

Wir haben uns im ersten Schritt aber bewusst gegen die Verleihung irgendeines Siegels oder Prüfabzeichens entschieden. Davon gibt leider schon zu viele undurchsichtige, so dass sie die Verbraucher eher verwirren, als wirkliche Transparenz zu schaffen – das ist übrigens eine Stelle, an dem unser Mitglied barcoo Transparenz schafft.

mobilbranche.de: Kannst Du am Beispiel Deiner eigenen Firma Reposito festmachen, wie der Datenschutz funktioniert? Immerhin sieht Euer Geschäftsmodell vor, Hersteller und Händler als Partner zu gewinnen. Und die sollen nach dem Erfassen eines Kassenbons in Eurer App die Möglichkeit erhalten, den Usern Zubehör oder Garantieverlängerungen anzubieten. Werden da denn nicht Daten bei weitergegeben?

Philipp Hartmann: Unser Verständnis von Datenschutz bei Reposito ist ein gutes Beispiel, für was wir in der Initiative Verbraucher Apps stehen. Erstens halten wir uns immer an die Datensparsamkeit, jeder User kann sich grundsätzlich mit einer beliebigen E-Mail Adresse anmelden, zusätzlich wollen wir nur den Vornamen wissen, damit wir unsere Nutzer freundlich ansprechen können. Zweitens geben wir die Daten unserer Kunden niemals ohne ausdrückliche Zustimmung weiter. Wenn es also Angebote gibt, dann nur über unsere Plattform.

Darüber hinaus schützen wir auch durch technische Maßnahmen die Daten unserer Nutzer: Alle Daten werden immer verschlüsselt per HTTPS übertragen. Auch können unsere User die Synchronisierung der Daten mit unserem Server deaktivieren. Andererseits ist es aber auch klar, dass man auf den Einsatz von Analysetools wie Google Analytics nur schwer verzichten kann, wenn man seinen Dienst sinnvoll weiterentwickeln möchte. Dabei achten wir aber auf eine datenschutzkonforme Einbindung durch Anonymisierung der IP Adresse

mobilbranche.de: Aus was für Vorgaben besteht Eurer Kodex noch?

Philipp Hartmann: Wir wollen da nichts überkomplizieren – daher sind es schlicht und ergreifend diese drei Punkte: Einhaltung Datenschutz, keine Kostenfallen, deutschsprachiger Kundensupport.

mobilbranche.de: Wen habt Ihr als weitere Mitglieder für IVA im Visier und wie muss man sich als App-Anbieter bewerben?

Philipp Hartmann: Die IVA steht allen App-Anbietern offen, deren Apps ebenfalls dazu beitragen das Ungleichgewicht zwischen Unternehmen und Verbrauchern auszugleichen. Wichtig ist allerdings, dass sich die Anbieter ebenfalls an unseren Ehrenkodex halten müssen. Sind diese Voraussetzungen gegeben, kann sich jeder Anbieter per E-Mail unter neueapp@verbraucher-apps.de melden. Dabei sollte eine zentrale Frage beantwortet werden: „Warum hilft meine App den Verbrauchern?“

Es müssen sich übrigens nicht die Entwickler selbst melden – wir glauben an die Macht und das Wissen der Verbraucher und freuen uns über Vorschläge aus den Reihen der Nutzer.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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