Interview: Matthias Keuck und Volker Graubaum über MyTaxi für Windows Phone und das mobilecamp Hamburg.

von Florian Treiß am 26.Juli 2012 in Interviews

Seit kurzem ist die beliebte App MyTaxi auch für Windows Phone verfügbar. Matthias Keuck (Foto links) und Volker Graubaum (Foto rechts) von e-net haben die App gemeinsam mit dem MyTaxi-Betreiber Intelligent Apps entwickelt und sprechen im Vorfeld des mobilecamps Hamburg (3. bis 5. August) über die Herausforderungen, eine bereits auf anderen Plattformen erfolgreiche App auf Windows Phone zu übertragen. Da Microsoft für die Entwicklung von Windows-Phone-Apps strikte Vorgaben macht, gab es reichlich Konfliktpotenzial: Dass der markante „T“-Button nicht in der gleichen prägnanten Größe und Form innerhalb der App auftauchen würde, führte zu wilden Diskussionen, erzählen Matthias Keuck und Volker Graubaum.

mobilbranche.de: Seit kurzem ist MyTaxi auch als App für Windows Phone verfügbar. Was waren für Sie die Herausforderungen bei der Entwicklung?

Matthias Keuck und Volker Graubaum: Zwischen e-net und Intelligent Apps stand von vornherein fest, dass die myTaxi-App sich auf Windows Phone zum einen für die Benutzer, die myTaxi schon von anderen Plattformen her kennen, vertraut anfühlen sollte. Zum anderen sollte sie sich aber auch in das neue Windows-Phone-Design und die Windows-Phone-Navigationsarchitektur bestmöglich einfügen. Eine der größten Herausforderungen dabei war, dass einige der bekannten Bedienelemente, wie z.B. der „T“-Button, aber besonders auch die etablierte Navigationsstruktur, wie sie auf dem iPhone und Android funktioniert, auf Windows Phone nicht umzusetzen war.

Wir haben ein paar Versuche gebraucht, bis wir den neuen „Look and Feel“ der myTaxi-App – der in enger Zusammenarbeit mit Windows-Phone-Spezialisten von Microsoft entstand – entwickelt hatten. Hinzu kommt, dass WP7 ein junges System ist. Dementsprechend ist es mit ein paar Eigenheiten „gesegnet“. Bestimmte Dinge konnten nicht auf die gleiche Art und Weise wie bei anderen Plattformen umgesetzt werden. Eine der größten technischen Herausforderungen war beispielsweise die Einbindung der App in die bestehende Server-Kommunikation, ohne am Server zu viel verändern zu müssen. Auch einige Funktionen mussten hinsichtlich des Frameworks und der Bedienung neu gestaltet werden, um sowohl Metro als auch dem existierenden Server gerecht zu werden.

mobilbranche.de: Die fertige App sieht völlig anders aus als die Apps für iOS und Android. Hatte MyTaxi hier keine Sorge, das eigene Corporate Design aufzugeben?

Matthias Keuck und Volker Graubaum: myTaxi war, was das Design angeht, sehr entspannt und hat uns bezüglich der App-Gestaltung sehr viele Freiheiten gelassen. Einzig, dass der „T“-Button nicht in der gleichen prägnanten Größe und Form innerhalb der App auftauchen würde, führte zu einigen wilden Diskussionen. Schließlich ist der „T“-Button bis zu diesem Zeitpunkt nicht nur das Erkennungsmerkmal von myTaxi gewesen, sondern auch Teil ihres Logos. Da das Metro-Design aber, was Buttons angeht, sehr genaue Vorgaben macht, hat myTaxi sich schlussendlich entschieden, den Weg „ganz zu gehen“ und auch den „T“-Button – und damit ihr Logo – im Windows-Phone-Kontext an Metro anzupassen. Dadurch wirkt die App im Metro-Kontext sehr organisch. Die Bedienung ist für einen Metro-User intuitiv, weil alle Bedienelemente, inklusive „T“-Button, sich so verhalten, wie Metro es vorgibt. Das war schlussendlich unser Ziel: Bei der Anpassung des Designs lag unser Fokus stets auf der optimalen Usability.

mobilbranche.de: Welche Usability-Vorteile bringt das Metro-Design der App denn für die Nutzer?

Matthias Keuck und Volker Graubaum: Microsoft hat mit Metro ein betont schnörkelloses Designkonzept entwickelt. Das User Interface soll von allen WP7-Apps so schlank wie möglich gehalten werden, um eine maximale Platzausbeute für den Inhalt zu garantieren. Die zugrunde liegende Annahme ist die, dass auf einem Touch-Device die Anzahl der nötigen „Klicks“, um eine Aktion auszuführen, oft weniger entscheidend ist, als die Übersichtlichkeit der einzelnen Screens. Die Theorie besagt, dass, wenn alle entscheidungsspezifischen Informationen für eine Einzelentscheidung auf einem Screen abgebildet sind, die Anzahl der Userklicks, die für einen Vorgang (der aus mehreren Einzelentscheidungen besteht) benötigt werden, irrelevant ist. Faktisch kommt der User durch mehr Klicks trotzdem schneller zum Ziel, wenn die jeweiligen Einzelentscheidungen, um einen Vorgang abzuschließen, in der Summe weniger Zeit brauchen.

Sind die einzelnen Vorgänge also intelligenter gekapselt, ist der gesamte Ablauf schneller, übersichtlicher und transparenter. Dadurch fühlt sich der User laut besagter Theorie insgesamt sicherer. Die Interaktion mit dem Device ist entspannter, da er besser die Kontrolle behält. Ob Microsoft seine selbstgesteckten Ziele mit WP7 erreicht, muss jeder Nutzer für sich selbst entscheiden. Von unserer Seite aus sind wir jedenfalls schon ein bisschen stolz auf unsere WP7-App. Und die myTaxi-User können sich auch bei WP7 auf alle bekannten Funktionen von myTaxi freuen.

mobilbranche.de: Sie organisieren das mobilecamp Hamburg, das vom 3. bis 5. August stattfindet. Welche Rolle wird Windows Phone und auch Windows 8 dort spielen?

Matthias Keuck und Volker Graubaum: Windows Phone wird sicherlich ein Thema sein. Beim letzten Camp im vergangenen Jahr stand WP7 zwar schon in den Startlöchern, aber es gab kaum Erfahrungsberichte. Die Community war damals sehr gespannt, wie gut sich das System schlagen und ob es für Windows und Nokia den erhofften Durchbruch im mobilen Bereich bringen würde. In diesem Jahr wird sicherlich auch kritisch eine vorläufige Bilanz gezogen. Viele Firmen haben mittlerweile Erfahrungen mit Windows Phone 7.5 gemacht. Und da das mobilecamp einen technischen Fokus aufweist, werden hier sicherlich Aspekte der Entwicklung im Vordergrund stehen: Wie komfortabel lässt sich für WP7 entwickeln? Wie Aufwändig sind Portierungen von anderen Plattformen? etc. Dennoch werden sicherlich auch ökonomische Faktoren eine Rolle spielen. Zum Beispiel stellt sich die Frage, ob sich das Investment, eine App auf WP7 zu portieren, lohnt.

Trotzdem wird auch in diesem Jahr wieder viel Raum für Spekulationen sein. Schließlich ist mittlerweile bekannt, dass WP7 nur das Vorspiel für Windows 8 war. WP7 hat sich sicherlich respektabel geschlagen, hat aber nicht die Begeisterungsstürme ausglöst, die Microsoft und Nokia herbeigeredet haben. Von dieser Warte aus betrachtet ist WP7 sicherlich hinter den Erwartungen zurück geblieben. Umso entscheidender ist es für Microsoft, dass Windows 8 ein Erfolg wird. An dieser Stelle sind wir sehr gespannt, was von den mobilecamp-Teilnehmern an dieser Stelle an Erfahrungen, Erwartungen Sorgen und Hoffnungen so kommt.

mobilbranche.de: Das mobilecamp Hamburg ist keine normale Konferenz, sondern ein sogenanntes Barcamp. Was bedeutet das?

Matthias Keuck und Volker Graubaum: Ein Barcamp ist eine der Formen der sogenannten Unkonferenzen, bei denen es kein vorher festgelegtes Konferenzprogramm gibt. Im Gegenteil, das Programm wird morgens durch die Teilnehmer festgelegt, sodass statt rein kommerziellen Beiträgen ein hochwertiges gemischtes Programm entsteht. Viele Teilnehmer kommen bereits mit Ideen für Sessions zur Veranstaltung. Andere Themen entwickeln sich spontan auf der Warm-Up Party oder werden am Sonntag als Fortsetzung von den Sessions am Samstag angeboten. Der inhaltliche Austausch unter den Teilnehmern ist einzigartig. Während man auf vielen Konferenzen von Vorne berieselt wird, hat hier jeder Teilnehmer die Chance selbst etwas zu bewirken und sich einzubringen, wodurch häufig deutlich intensiver diskutiert wird. So finden alle Teilnehmer, egal aus welchem Bereich der Mobilszene sie kommen, Ihre Plattform um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Wer mehr über Barcamps und deren Entstehung wissen möchte, kann hier mehr dazu lesen.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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