Interview: Bernhard Kirchmair über Telefónicas Startup-Initiative Wayra.

von Florian Treiß am 06.Juni 2012 in Interviews

„Die Kreativität von Startups und unsere Größe sind eine gute Kombination, denn für manche Entwicklungen ist die Firmenkultur von Startups einfach besser geeignet“, sagt Bernhard Kirchmair, Programmleiter für Deutschland von Wayra. Der Startup-Accelerator des Telefónica-Konzerns eröffnet in Kürze in München eine Niederlassung, nachdem schon in elf anderen Ländern sogenannte Wayra-Akademien eröffnet wurden, um dort jungen Unternehmen aus Internet und Telekommunikation den notwendigen Rückenwind zu geben. Dadurch sollen auch in Europa und Lateinamerika neue Silicon Valleys entstehen, so das Ziel von Telefónica. Noch bis zum 8. Juli können sich Startups aus Deutschland für die Wayra-Akademie bewerben.

mobilbranche.de: Telefonicá eröffnet im September in München die Wayra-Akademie für Startups. Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Bernhard Kirchmair: Unsere Wayra-Akademie befindet sich in einer exklusiven Münchner Lage und wird gerade nach dem neuesten Stand der Technik eingerichtet. Dort bekommen die Startups nicht nur modernste Büroräume und Finanzierungen bis 50.000 Euro, für die keine Exklusivität verlangt wird. Auch umfangreiches Coaching gehört zu dem Paket: Die jungen Gründer werden durch erfahrene Mentoren von Telefónica sowie dem Wayra-Partnernetzwerk betreut und können mit Unternehmern aus anderen Wayra-Ländern zusammenarbeiten.

In der Wayra-Akademie können die Startups die technologische Kompetenz von Telefónica und O2 nutzen. Sie bekommen außerdem Zugang zum gesamten Wayra-Netzwerk in Europa und Lateinamerika sowie die Möglichkeit, ihre Produkte den über 300 Millionen Telefónica-Kunden weltweit anzubieten. Zum Abschluss ihres Akademie-Aufenthaltes präsentieren die Startups ihre Projekte vor Risikokapitalgebern für die Anschlussfinanzierung. Telefónica erhält eine Beteiligung von bis zu zehn Prozent an den Startups sowie das Vorkaufsrecht für ihre Produkte und Services.

mobilbranche.de: Wie läuft das Bewerbungsverfahren für Startups ab und wie werden diese ausgewählt?

Bernhard Kirchmair: Bis zum 8. Juli können Startups aus Deutschland ihre Projekte über unsere Website einreichen. Die 30 besten Bewerber präsentieren dann ihre Geschäftsideen während der sogenannten Wayra Week Ende August einer Fachjury. Dabei werden bis zu zehn Startups ausgewählt, die im September für sechs Monate in die neue Wayra Akademie in München einziehen.

mobilbranche.de: Welche Ideen von Gründern wären Ihnen denn am liebsten? Wollen Sie das nächste Facebook finden?

Bernhard Kirchmair: Wir suchen vorrangig nach Geschäftsideen aus den Bereichen Internet und Telekommunikation. Eventuell empfehlen sich auch Hardware-Projekte, wenn sie sich in den Räumen der Wayra-Akademie realisieren lassen. Und natürlich würden wir gern das nächste Facebook finden. Rein statistisch haben wir gute Chancen: In nur einem Jahr reichten über 10.000 Jungunternehmen aus elf Ländern ihre Geschäftsideen bei Wayra ein. Mehr als 100 Startups bekamen bereits eine Finanzierung. So systematisch hat bisher noch kein Telekommunikationsunternehmen diesen Markt erschlossen.

mobilbranche.de: Die Initiative Wayra gab es zuvor bereits in anderen Telefónica-Ländern. Wie waren die Erfahrungen dort, was wurden für Ideen eingereicht und womöglich schon bis zur Marktreife gebracht?

Bernhard Kirchmair: Die Startups in den Akademien brachten bereits dutzende Geschäftsmodelle zur Marktreife, viele haben auch schon Anschlussfinanzierungen für ihre Zeit nach Wayra bekommen. Dabei sahen wir viele interessante Ideen. Das geht vom Social Network, in dem Musiker übers Internet gemeinsam Tracks aufnehmen können, bis zu Microsoft Kinect, das zu einem Werkzeug für Chirurgen umfunktioniert wurde. Damit laufen bereits Pilotversuche in Krankenhäusern in Singapur und Südafrika. Selbst B2B-Anwendungen wie ein digitales Beschwerdemanagement für Unternehmen wurden entwickelt. Die Palette der Ideen ist unglaublich breit, aber es ist auch eine Gemeinsamkeit erkennbar: Bei den meisten Startups gehören Apps für Smartphones und Tablets zum Geschäftsmodell. Viele waren schon nach wenigen Wochen bei Wayra im App Store verfügbar.

mobilbranche.de: Was ist für einen Großkonzern wie Telefónica so interessant daran, Startups zu fördern? Hat die eigene Forschung & Entwicklung nicht genug eigene Ideen?

Bernhard Kirchmair: Das kann man so nicht sagen. Unsere weltweiten Forschungs- und Entwicklungszentren gehören zu den modernsten der Welt und wir haben gerade erst den neuen Geschäftsbereich Telefónica Digital gegründet, in dem die wichtigsten Innovationsprojekte aus allen 26 Ländern konzentriert sind. Doch Telefónica will sich auch auf andere Weise weiter entwickeln, um weiterhin im Markt erfolgreich zu sein. Dazu möchten wir auch den Erfindergeist der Startups nutzen.

Ihre Kreativität und unsere Größe sind eine gute Kombination, denn für manche Entwicklungen ist die Firmenkultur von Startups einfach besser geeignet. Wayra unterstützt diese jungen Unternehmen in ihrer ersten Entwicklungsphase. Damit bekommt Telefónica einen sehr frühen Zugang zu der nächsten Generation der Hightech-Champions, beispielsweise durch die Unternehmensbeteiligungen von bis zu zehn Prozent sowie das Vorkaufsrecht für die Produkte und Services der Startups.

mobilbranche.de: Wird Telefónica nach Ablauf der ersten sechs Monate, in denen jedes Startup bis zu 50.000 Euro an Förderung erhält, im Anschluss größere Summen in die jeweiligen Startups investieren?

Bernhard Kirchmair: Telefónica hat auch einen eigenen Venture-Fond und wird sich gute Investments nicht entgehen lassen. Nach sechs Monaten findet in jeder Wayra-Akademie ein sogenannter Demo Day statt, wo die Startups sich unserem Netz aus Partnern und Venture Capitalists präsentieren. Das ist ein klassischer VC Pitch, bei dem es um die Anschlussfinanzierung geht. Für uns ist grundsätzlich wichtig, dass jedes Startup die Anschlussfinanzierung bekommt, die es benötigt. Sie kann von Telefónica oder von anderen Kapitalgebern kommen, auch gemeinsame Investitionen sind möglich.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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