Interview: Stefan Janssen über Mobile Commerce bei Metro.

von Florian Treiß am 28.Mai 2012 in Interviews

„Eins steht fest: auch in fünf oder zehn Jahren werden wir alle noch einkaufen“, sagt Metro-Fachmann Stefan Janssen über die Zukunft des Einzelhandels. Im Vorfeld des Mobile Gipfel 2012 am 26. und 27. Juni in Düsseldorf, wo Stefan Janssen über den Einsatz von Mobile am Point of Sale referieren wird, spricht der Department-Manager für Mobile Commerce Solutions über verschiedene Szenarien, die derzeit im real,- FutureStore erprobt werden. So können die Kunden dort mit dem iPhone „pre-“ bzw. „self-scanning“ ausprobieren. Mobile Zahlverfahren werden einen solchen Prozess künftig dann abrunden, indem das Smartphone auch noch die Zahlung übernimmt, sagt Stefan Janssen.

mobilbranche.de: Herr Janssen, Sie sprechen beim Mobile Gipfel 2012 über den Einsatz von Mobile am Point of Sale – wie präsent sind denn Smartphones im Jahr 2012 in einem durchschnittlichen Ladengeschäft?

Stefan Janssen: Die Präsenz von Smartphones ist in einem Ladengeschäft mit E-Mail, Facebook etc. erstmal genauso hoch oder niedrig wie im sonstigen Leben, mal abgesehen von möglichen Schwierigkeiten der Netzabdeckung innerhalb großer geschlossener Gebäude. Wenn Sie von der Nutzung im Sinne von Mehrwert für den Kunden durch Serviceleistungen der jeweiligen Betreiber reden, dann gibt es hier derzeit noch wenig Angebot, was sich aber sicherlich nach und nach ändern wird.

mobilbranche.de: Im real,- FutureStore erproben Sie derzeit diverse Szenarien für den künftigen Einsatz von Smartphones im Laden – was können die Test-Kunden dort schon heute ausprobieren und was erwartet die deutschen Verbraucher in Zukunft?

Stefan Janssen: Im real,- FutureStore können die Kunden mit dem iPhone „pre-“ bzw. „self-scanning“ ausprobieren. Das heißt, durch die Kamera des iPhones wird das Gerät zu einer Art Kasse, kann Barcodes erfassen, Produkte erkennen und dazu Informationen sowie den Preis geben. Hat man am Ende des Einkaufs alle Produkte auf diese Art erfasst, kann der Kunde einen Zahlbon erzeugen und direkt zu einem Zahlterminal gehen, ohne alle Artikel aufs Band zu legen und nochmal erfassen zu lassen. Das spart enorm Zeit an der Kasse und ist aus meiner Sicht auch sehr komfortabel.

mobilbranche.de: Welche Bedeutung wird dabei Mobile Payment einnehmen, wo die Deutschen doch schon vergleichsweise ungern mit Plastikgeld bezahlen?

Stefan Janssen: Mobile Zahlverfahren runden einen solchen Prozess dann ab, indem das Smartphone auch noch die Zahlung übernimmt. Damit wird das Smartphone zu einer Alternative zum Plastikgeld mit dem Vorteil, dass man sein Smartphone immer dabei hat und die eine oder andere Karte vielleicht auch gerne mal vergisst. Bargeld wird selbstverständlich immer Zahlungsmittel bleiben, der Kunde entscheidet, was ihm am Liebsten ist, wir eröffnen lediglich die Möglichkeiten.

mobilbranche.de: Ist hierbei die geringe NFC-Verbreitung in Smartphones tatsächlich noch eine so große Hemmschwelle oder drückt der Schuh in Wahrheit ganz woanders?

Stefan Janssen: NFC ist aus unserer Sicht die Nummer 1, was mobile Bezahltechniken angeht. Dabei müssen alle beteiligten Parteien ihren Beitrag leisten: die Smartphone-Hersteller die Technologie einbauen, die Händler die Kassen bzw. Terminals bereitstellen, und Mobilfunkbetreiber und die Kartenherausgeber die Möglichkeit der Bespielung der SecureElements im Smartphone mit Bezahldaten ermöglichen. Punkte eins und zwei laufen jetzt gut an und finden immer mehr Verbreitung. Und die Art und Weise der Bespielung wird sicherlich auch bald geregelt sein. Die Kunden werden das dann von ganz alleine nutzen, wenn sie eine Verbesserung zu den jetzigen Möglicheiten sehen.

mobilbranche.de: Welche Vorteile bieten all die mobilen Technologien für die Händler – werden beispielsweise die Analysemöglichkeiten zum Kundenverhalten noch besser?

Stefan Janssen: Für Händler sind mobile Zahlverfahren via NFC kein großer Vorteil, wohlmöglich kann man etwas Zeit beim Kassiervorgang einsparen, ansonsten sehe ich da wenig Potential. Der Vorteil liegt hier klar auf Seiten des Kunden, was die Bequemlichkeit anbelangt, und dass auf Sicht gesehen das Portemonnaie zu Hause gelassen werden kann. Ein Gerät reicht dann aus, um alle relevanten Dinge des Lebens steuern zu können: Kommunikation, Bezahlung und sogar das Verschließen von Türen und Autos. Über die Zahlverfahren hinaus bieten mobile Technologien dem Händler die Möglichkeit einer neuen Kommunikation. Ich denke, hier liegt der Hauptvorteil, den Kunden persönlich ansprechen zu können und die Kundenbindung zu erhöhen. Wir bieten heute schon an, die Wochenangebote auf dem Smartphone abzurufen oder sich eine Einkaufsliste zusammenzustellen.

mobilbranche.de: Wie geht die Metro mit mobilen Preisvergleichen um, z.B. via Barcoo?

Stefan Janssen: Preisvergleiche haben Kunden seit jeher gemacht und das ist auch richtig so. Unsere Kunden wissen, was ihre Lieblingsprodukte beim Wettbewerb kosten und schätzen unser Angebot und unsere Vielfalt mit den Möglichkeiten, aus Einstiegsmarken und Premium- bzw. Markenware zu wählen. Insofern kann uns Transparenz auch helfen und Chancen bieten, sich richtig zu positionieren.

mobilbranche.de: Wie wird der Einkauf im Ladengeschäft in fünf Jahren aussehen?

Stefan Janssen: Das ist eine gute Frage. Letztlich glaube ich, dass der Handel sich mehr differenzieren wird durch Service und Einkaufs-Atmosphäre. Dazu können technische Innovationen sicherlich ein gutes Stück beitragen. Ich glaube, dass unser Ansatz, mit einem mobilen Gerät bzw. Smartphone den Einkauf zu begleiten, der richtige Weg dahin ist, dem Kunden auch Spaß zu bringen und den Einkauf mit einem positiven Gefühl erlebbar machen kann. Eins steht aber fest: auch in fünf oder zehn Jahren werden wir alle noch einkaufen…

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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