Interview: Stefan Bielau über Zapstreak.

Stefan Bielau (Twitter: @StefanBielau) hat vor kurzem Zapstreak gelauncht, ein Mobile SDK für Entwickler von Medien-Applikationen wie etwa Video-, Musik- oder Foto-Apps. Durch Zapstreak wird es möglich, die Inhalte von mobilen Apps sehr einfach auf Fernseher zu streamen – und sich Videos oder Fotos gemeinsam mit Freunden oder Familie auf dem großen Bildschirm anzuschauen. Stefan Bielau, der seit 2007 in der Mobilbranche tätig ist und einst mit dailyme eines der ersten deutschen mobilen Startups gegründet hat, stellt Zapstreak im mobilbranche.de-Interview näher vor. Bielau spricht zudem über die Unterschiede zwischen britischem, deutschem und polnischem Mobile-Markt, die er durch seine Tätigkeit als Mobile-Berater u.a. für HAILO, Lookout Mobile Security und 90elf bestens kennt. Im Web ist Stefan Bielau unter www.stefanbielau.com zu erreichen.

mobilbranche.de: Stefan, für was steht Dein neues Startup namens Zapstreak?

Stefan Bielau: Zapstreak ist ein Mobile SDK für Entwickler von Medien-Applikationen wie etwa Video-, Musik- oder Foto-Apps. Die Entwickler laden sich unser Software Development Kit herunter, integrieren es in ihre Applikation und veröffentlichen ihre App im Appstore. Danach hat der Nutzer der jeweiligen Medien-App die Möglichkeit, den Inhalt der App wie etwa Videos, Fotos, Musik oder auch lokale Dateien sich auf seinem Fernseher anzuschauen bzw. anzuhören. Voraussetzung ist: Fernseher und Smartphone befinden sich dabei im gleichen WLAN. Starten wollen wir mit einem SDK für Android-Entwickler.

mobilbranche.de: Wie funktioniert das technisch?

Stefan Bielau: Zapstreak kommt ohne zusätzliche Hardware aus. Vergleichbar dazu ist Airplay von Apple, das aber eine zusätzliche Basisstation zwischen iPad, iPod und Fernseher verwendet. Eine solche Box braucht Zapstreak aber nicht, sondern Zapstreak nutzt eine Technologie, die über das W-Lan-Netz eine Verbindung zwischen Fernseher und Handy herstellt. Dabei nutzt Zapstreak einen Standard namens DLNA, der es Geräten ermöglicht, miteinander zu kommunizieren. Der Nutzer braucht dann nur ein Android-Gerät mit seiner Lieblings-App, in die dann künftig Zapstreak eingebaut ist, und im gleichen W-Lan muss sein Fernseher online sein.

Dabei denke ich an folgendes Szenario: Man hat bei YouTube ein Video gesehen und ist so begeistert davon, dass man es zu Hause seiner Frau zeigen will – die sitzt aber schon vorm Fernseher. Anstatt ihr nun das Mobiltelefon vors Gesicht zu halten, streamt man das Video auf den Fernseher. Ein anderes Anwendungsbeispiel: Wenn man im Urlaub seine Fotos mit Instagram gemacht hat und diese nun seiner Familie zeigen will, muss man das Handy nicht mehr herumreichen, sondern startet einfach eine Slideshow mit den Fotos auf dem Fernseher.

mobilbranche.de: Wie stark sind W-Lan-fähige Fernseher denn verbreitet?

Stefan Bielau: 80 Prozent aller aktuell verkauften Fernseher sind bereits W-Lan-tauglich. Außerdem wird das Thema Connectivity in diesem Jahr nochmal richtig Aufschwung bekommen, weil Player wie Apple das Ganze in den Mainstream bringen werden, wenn sie TV-Geräte mit solchen Funktionen herausbringen. Apple-Geräte sollen künftig auch in Verbindung mit Geräten anderer Hersteller treten können. Und sogar Ikea will ab Sommer ein eigenes Connected-TV-Gerät verkaufen. Außerdem setzen Xbox und Playstation auf Connectivity: Wenn man seine Xbox an einen älteren Fernseher ohne W-Lan anschließt und eine App mit Zapstreak hat, kann man darüber dann eine Verbindung zu anderen Geräten herstellen und z.B. Fotos auf den Fernseher streamen.

mobilbranche.de: Manche TV-Hersteller wie Samsung bieten schon heute Smartphone-Apps an, mit denen man den Fernseher via DLNA fernbedienen kann. Sind solche Hersteller Eure Wettbewerber?

Stefan Bielau: Es gibt Apps, die eine ähnliche Funktionalität abbilden, wobei ich da weniger an Fernbedienungs-Apps denke als an andere Apps, mit denen man Video- und Musikinhalte auf den Fernseher streamen kann. Die bisherigen Angebote haben aber mehrere Einschränkungen: Es sind Apps, die man als Nutzer zusätzlich installieren muss neben den Medien-Apps, deren Inhalte man auf den Fernseher streamen möchte. Außerdem benötigen sie zusätzliche Hardware wie z.B. ein Bluetooth-Dongle oder man muss auf dem Fernseher einen Pin-Code eingeben, um die Verbindung herzustellen. Sie sind also eher Nutzer-unfreundlich. Das zeigt aber trotzdem, das sich in diesem Bereich viel tut – und wir sind die ersten, die für Entwickler ein Software Development Kit zur Verfügung stellen, um solche Möglichkeiten innerhalb von Apps anzubieten. Der Nutzer muss dadurch nicht etwa eine Zapstreak-App installieren, sondern bräuchte künftig z.B. nur noch seine Spotify-App oder seine EyeEM-Foto-App öffnen, die dann dank der Integration von Zapstreak die Streaming-Funktion eingebaut haben wird.

mobilbranche.de: Und die TV-Hersteller?

TV-Hersteller sehen wir eher als neutral an. Wir unterstützen die Hersteller faktisch dadurch, dass Nutzer eine Emotionalisierung erleben, indem sie z.B. von einem LG-Handy auf einen Samsung-Fernseher Inhalte streamen können, was für beide ein Vorteil wäre. Außerdem planen wir, in Zukunft TV-Herstellern Daten zur Verfügung zu stellen, welche Inhalte auf die Fernseher gestreamt werden. So könnten wir z.B. künftig ermitteln, dass beispielsweise monatlich 5.000 Stunden Country-Musik auf ein bestimmtes Samsung-Modell gestreamt werden, was dann für den TV-Hersteller für die weitere Produktentwicklung sowie die Forschung und Entwicklung interessant sein könnte, um die Content-Strategie darauf abzustimmen. Unser Business Model ist also einerseits eine monatliche Gebühr für Entwickler, die unser SDK nutzen. Auf der anderen Seite sehen wir das Potenzial der Daten, die wir aggregieren, um künftig z. B. TV-Herstellern einen Mehrwert zu bieten.

mobilbranche.de: Der Kern Eurer Idee ist ja, Smartphone-Inhalte auf den Fernseher zu beamen. Aber ist das überhaupt nötig? Immer mehr Leute nutzen doch Tablets, um sich gemeinsam mobile Medieninhalte anzuschauen, was schon stark in Richtung des „Lagerfeuer-Charakters“ eines Fernsehers geht.

Stefan Bielau: Das eine schließt das andere nicht aus und die Entwicklung schreitet voran. So hat mein Vater mir neulich gesagt, er wolle sich einen neuen Fernseher kaufen, auf dem aber unbedingt auch das Internet laufen müsse. Es gibt also eine Art Lerneffekt: Erst kam das Internet auf Smartphones, dann haben Tablets das Internet ins Wohntzimmer gebracht – und nun, wo das Internet bereits auf kleinen Smartphone-Displays und mittelgroßen Tablet-Displays läuft, muss es doch auch auf dem großen, schönen Fernseher laufen können.

Tablets kannibalisieren hier also nicht den Fernseher, sondern im Gegenteil denke ich daran, dass z.B. meine Frau gerade etwas auf dem Tablet anschaut und es mich auch interessiert. Dann brauchen wir nicht gemeinsam auf das Tablet starren, sondern können die Musik oder das Video auf den noch deutlich größeren Fernseher streamen. Da sehe ich schon einen deutlichen Mehrwert, Apps und Medieninhalte auf den großen Bildschirm zu bringen. Ein anderes Beispiel dazu wäre Spotify: Statt die Musik über die Tablet-Lautsprecher zu hören, kann man sie auch auf die große Stereoanlage streamen. Denn der DLNA-Standard, den wir nutzen, ist nicht nur in Fernsehern eingebaut, sondern auch in Home-Entertainment-Systemen, W-Lan-Radios, Spielkonsonsolen etc. Das Spektrum ist also weiter als bloß der Fernseher, doch zum Anfang konzentrieren wir uns erstmal auf ihn, um einen klaren Anwendungsfall zu haben.

mobilbranche.de: Zapstreak hat vor kurzem auf der internationalen „The Next Web“-Konferenz Premiere gefeiert. Wie waren die ersten Resonanzen?

Stefan Bielau: Sehr positiv! Ohne jetzt konkrete Zahlen nennen zu können, hatten wir bereits mehr Anmeldungen für die Private Beta als erwartet. Entwickler können sich auch weiterhin für die Testphase anmelden, und zwar unter zapstreak.com/signup. Die Resonanz der Konferenzteilnehmer war ebenfalls sehr positiv, so haben sich einige wichtige Entscheider aus Medienhäusern für den Einsatz von Zapstreak innerhalb ihrer eigenen Apps interessiert.

mobilbranche.de: Zapstreak sitzt in der polnischen Stadt Posen. Wie kam die Konstellation aus zwei polnischen Gründern und Dir zustande, einem Mobile-Berater aus Deutschland?

Stefan Bielau: Ich habe meine beiden Co-Gründer vergangenes Jahr auf einem Startup-Wochenende in Warschau kennengelernt. Da ich in Warschau lebe, das nur drei Stunden von Posen entfernt liegt, und vor allem inhaltlich alles zwischen uns passt, ist es zu dieser Konstellation gekommen. Meine Aufgabe ist aktuell, das Team in Posen in den Bereichen Networking, Business Model, Produktentwicklung, Marketing und Kommunikation zu unterstützen. Ich stehe dem Team rund um die Uhr zur Verfügung, bin aber weiterhin auch noch als freier Berater für andere Unternehmen tätig.

mobilbranche.de: Du bist v.a. für Unternehmen in Deutschland, Großbritannien und Polen aktiv und hast also einen guten Überblick über verschiedene Märkte. Ist es ein Learning aus Deiner Berater-Tätigkeit, nicht nur beispielsweise den deutschen oder polnischen Markt anzugehen, sondern mit Zapstreak gleich den weltweiten Markt bedienen zu wollen?

Stefan Bielau: Genau, wir haben Entwickler weltweit im Fokus und haben keine lokale Beschränkung. Wir sind mit Englisch als Hauptsprache für das SDK gestartet und werden später, wenn wir Feedback von den Entwicklern bekommen haben, entscheiden können, ob Zapstreak eine Lokalisierung braucht. Angenommen, wir hätten überproportional viele Entwickler in Korea sitzen, würde es sich wahrscheinlich lohnen, über eine koreanische Website, Dokumentation und Support nachzudenken – aber dafür ist es jetzt noch viel zu früh. Zudem haben meine Co-Gründer schon vorher in internationalen Teams gearbeitet – und wir sehen Zapstreak weiß Gott nicht als rein polnisches Thema. Dafür ist der Markt ja auch viel zu klein, gerade für unser B2B-lastiges Business Model. Wir sehen eher Märkte wie USA und Großbritannien oder auch China und Russland, wo besonders viele interessante Entwickler sitzen.

mobilbranche.de: Gibt es denn heute überhaupt noch so große Unterschiede bei der mobilen Internet- und App-Nutzung zwischen Ländern wie Polen, Deutschland, Großbritannien, USA oder auch China?

Stefan Bielau: Es gibt da zwei Perspektiven. Einerseits, wie bewerten Entwickler das? Wenn ich ein Angebot habe, das ein internationales Publikum anspricht wie etwa ein Spiel oder eine gute gemachte Produktivitäts-App, dann bin ich nicht gezwungen, mich in meinem Heimatmarkt zu positionieren. Andererseits, wenn ich aber eine große Marke oder ein großes Unternehmen bin mit Produkten für das jeweilige Land, dann muss die Applikation schon daraufhin maßgeschneidert sein. Allerdings gilt hier: Wenn mein Heimatmarkt in Osteuropa liegt, so kann ich mich noch nicht der Mittel und Reichweiten bedienen, die es z.B. in Deutschland oder Großbritannien gibt.

mobibranche.de: Hast Du ein Beispiel dafür?

Stefan Bielau: Wenn ich eine Brauerei bin, ist das überhaupt verfügbare Inventar, um die App zu bewerben, sowie die Reichweite und das Verständnis beim Nutzer noch nicht so weit entwickelt wie in westeuropäischen Märkten. Ich muss also mehr Geld aufbringen und auch andere Marketinginstrumente verwenden als eine Brauerei in Deutschland, die ihre mobilen Angebote bewerben will. Da liegt der polnische Mobile-Markt aktuell ca. 16 Monate hinter Westeuropa. Reichweite, Budgets und Know-how zu Mobile Marketing sind hier einfach noch nicht so weit, aber Polen wird sehr schnell aufholen. Und ich freue mich, dass ich hier vor Ort sein kann und mich an der Entwicklung des polnischen Marktes beteiligen kann.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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