Interview: Johannes Borchardt von Andlabs über die Monetarisierung von Android-Apps.

von Florian Treiß am 21.März 2012 in Interviews

Johannes Borchardt ist Mitgründer der Andlabs, einem jungen Münchner Softwareunternehmen, das ausschließlich für Android entwickelt. Neben der Anwendungs- und Spieleentwicklung hat Johannes Borchardt sich auf mobile Monetarisierung und App Store Optimization spezialisiert. Auf der MobileTech Conference, die von Montag, 26. März, bis Donnerstag, 29. März, in München stattfindet, spricht er folgerichtig über „Ads vs. In-App Billing vs. Paid Apps on Android“, sprich: die verschiedenen Möglichkeiten der Monetarisierung von Android-Apps. Im Vorfeld der Konferenz hat mobilbranche.de mit Johannes Borchardt gesprochen, der schon vorab verrät, dass nach seiner Erfahrung bei Android momentan mit mobiler Werbung zwanzigmal soviel zu verdienen ist wie mit kostenpflichtigen Downloads.

mobilbranche.de: Mit den Andlabs haben Sie eine der ersten deutschen App-Schmieden gegründet, die sich komplett auf Android fokussiert. Lohnt sich das in Deutschland denn überhaupt, wo hierzulande die iPhone-Verbreitung durchaus höher ist als in anderen Ländern?

Johannes Borchardt: Als Android in Deutschland auf den Markt gekommen ist, war dessen Erfolg für uns keine Frage, deshalb haben wir uns leidenschaftlich darauf konzentriert. Nachdem einige von uns, mich eingeschlossen, zuvor schon für Windows Mobile entwickelt hatten, war Android eine echte Offenbarung. Es wäre für uns darum schon aus Gründen der Leidenschaft abwegig, für iOS oder ein anderes Betriebssystem zu entwickeln. Aus finanzieller Sicht: Die wenigsten Android-Apps bedienen eine Zielgruppe, die auf ein einzelnes Land konzentriert ist, darum sind diese Grenzen meist von geringerer Bedeutung. Mittlerweile beginnen auch die großen deutschen Unternehmen, Android zu bedienen, auch für Entwicklungsdienstleister ist der Markt also gegeben, man muss sich, wie immer, nur durchsetzen.

mobilbranche.de: Was reizt Sie denn besonders an Android? Immerhin scheinen Sie sich ja so sehr damit zu identifizieren, dass Sie sich auf Ihrer Website selbst als Androiden darstellen.

Johannes Borchardt: Von der Hardwareseite: Die Vielfalt. In Shenzen werden Ice-Cream-Sandwich-Devices für weniger als 100 Dollar angeboten, gleichzeitig gibt es Flaggschiff-Geräte für 600 Dollar und mehr. Dies ermöglicht es Menschen aus unterschiedlichsten Schichten und Ländern, sich ein Smartphone zu kaufen. Das wird mit dem iPhone, Blackberry oder Windows Phone nicht so schnell möglich sein. Auf Softwareseite die Komponentenbasiertheit, die späte Bindung dieser zur Laufzeit, die Offenheit.

mobilbranche.de: Bei der MobileTech Conference sprechen Sie über die verschiedenen Möglichkeiten der Monetarisierung von Android-Apps. Was ist hierbei derzeit aus Ihrer Sicht die Nummer 1?

Johannes Borchardt: Die Möglichkeiten sind divers, ich gehe auf lediglich drei dieser Mechanismen ein. Für die meisten Apps ist Werbung derzeit am erfolgversprechendsten, darum würde ich diese Möglichkeit auf die eins setzen. Für Unternehmen, deren Kernkompetenz nicht im Softwarebereich liegt, bieten Apps die Möglichkeit, eine umfassendere User Experience zu bieten und letzten Endes durch Produkt- und Serviceverkäufe zu monetarisieren.

mobilbranche.de: Android-Nutzern wird in verschiedenen Studien eine Billigheimer-Mentalität beim Download von Apps nachgesagt – die Zahlungsbereitschaft für iOS-Apps soll weitaus höher sein. Was sind Ihre Erfahrungen?

Johannes Borchardt: Das steht außer Frage, es werden ja oft genug Studien zitiert, aus denen hervorgeht, dass in Apples AppStore deutlich mehr Apps verkauft werden als im Play Store (bis vor kurzem Android Market genannt). Nachdem wir keine iOS-Apps veröffentlich haben, kann ich zu diesem Vergleich keine Zahlen liefern, zwischen Werbeeinnahmen und Einnahmen aus Verkäufen herrscht bei uns ein Verhältnis von 20:1.

mobilbranche.de: Erwarten Sie eine steigende Bereitschaft für den kostenpflichtigen Download von Apps oder ist hier bspw. In-App-Billing aussichtsreicher?

Johannes Borchardt: Ich erwarte eine steigende Bereitschaft, denke aber dass In-App-Billing, also Freemium, aussichtsreicher ist. Nicht umsonst setzen große Firmen wie Zynga auf dieses Pferd.

mobilbranche.de: Zum Abschluss wüsste ich noch gern, welches Thema für Sie dieses Jahr das wichtigste Mobile-Thema ist bzw. sein wird.

Johannes Borchardt: Für mich privat Cross Platform 2D Game Development, für Andlabs Android und Automotive.

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