Interview: Mirija Cuntz von Heidelberg Mobil über App-Sponsoring.

von Florian Treiß am 16.Februar 2012 in Interviews

App-Anbieter haben es schwer, Ihre Apps zu refinanzieren – wie eine Studie von research2guidance jüngst zeigte, ist der Markt für die App-Entwicklung derzeit dreimal so groß wie das Umsatzvolumen, das mit App-Downloads, In-App-Käufen und In-App-Werbung verdient wird. Das Unternehmen Heidelberg Mobil hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, für seine Kunden nicht nur Apps zu entwickeln, sondern für sie zugleich auch einen passenden Sponsor für die jeweilige App zu finden – so soll die Refinanzierung der Entwicklungskosten deutlich einfacher werden. Über dieses Model des App-Sponsorings hat mobilbranche.de mit Mirija Cuntz gesprochen, die bei Heidelberg Mobil seit 2011 als Sponsoring Manager tätig ist.

mobilbranche.de: Die Entwicklung einer App kostet durchschnittlich 23.000 Euro. Gibt es eine Chance, das zeitnah durch Mobile Advertising wieder reinzuspielen? Was muss man dafür tun?

Mirija Cuntz: Statistiken zeigen, dass die durchschnittlichen Einnahmen einer iOS-App 700 US Dollar betragen. Diese Zahl verdeutlicht, in welcher Höhe Werbeeinnahmen benötigt werden, um eine Deckung der Entwicklungskosten zu erzielen. Wir glauben von daher, dass ein Sponsoring-Modell mit strategischen Partnern ein sehr interessanter und lohnenswerter Ansatz ist, um eine App zu refinanzieren.

mobilbranche.de: Sie haben jetzt schon ein Sponsoring-Modell angedeutet. Was ist da der Unterschied zum „klassischen“ Mobile Advertising – wenn man „klassisch“ bei so einer jungen Branche überhaupt sagen kann?

Mirija Cuntz: Beim klassischen Advertising ist in der Regel ein Vermarkter dazwischen geschaltet, der die einzelnen Werbeplätze vermarktet. Die inhaltliche Steuerung ist in der Regel durch den Vermarkter gesteuert. Dies ist beim Sponsoring nicht so. Wir versuchen für unsere Kunde und deren Plattformen Sponsoren zu finden, für die die App-Zielgruppe eine attraktive Werbezielgruppe darstellen und die bereit sind, in diesen Projekte zu investieren. Die Verweildauer der Werbung ist beim Sponsoring in der Regel länger (meist sogar exklusiv) als beim mobile Advertising. Sponsoringformate sind häufig hochintegriert in die mobilen Lösungen. Wir versuchen auf längere Sicht hin eine strategische Partnerschaft zu entwickeln, durch die alle drei Parteien – App-Entwickler, App-Betreiber und Sponsor – möglichst eine Win-Win-Situation erzielt.

mobilbranche.de: Das heißt, der Sponsor ist in der App drin. Von welchen Zeiträumen sprechen wir da: Monate oder Jahre?

Mirija Cuntz: Das ist unterschiedlich, Budget-abhängig und Projektabhängig. Bei unseren Messe- und Kongress-Lösungen ist es so, dass die Sponsoren ganzjährig vertreten sind. Sicherlich besteht hier der Nachteil, dass sich die Nutzerzahlen nach der Veranstaltung deutlich verringern. Aus diesem Grund wird i.d.R. die Medialeistung im Nach-Veranstaltungszeitraum nicht bepreist und ist für den Sponsor als Add-on zu sehen.

mobilbranche.de: Wird erst die App entwickelt und dann dem Sponsor gezeigt oder wie ist der Ablauf?

Mirija Cuntz: Zunächst findet eine Abstimmung mit dem jeweiligen Kunden statt, wie die App Feature-technisch aussehen soll. Im Anschluss erarbeiten wir zusammen mit dem Kunden eine Liste mit potenziellen Partnern. Hierbei werden bereits bestehende Partnerschaften analysiert und natürlich auch potenzielle neue Sponsoren identifiziert. Im Anschluss geht es dann in die Vermarktung. Hierbei ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dem Kunden und uns wichtig.

mobilbranche.de: Sie haben Messe-Apps, wo dieses Sponsoring-Modell bereits konkret durchgeführt wird. Welche sind das konkret?

Mirija Cuntz: Unser Flaggschiff ist der Mobile Guide zur Cebit, CeBIT2go. 2011 hat sich die IBM für ein App-in-App Konzept innerhalb des CeBIT Guides entschieden. Bei diesem Konzept wurde für den Sponsor eine eigene App innerhalb des mobilen CeBIT Guides entwickelt. Dort waren Social Media Features, ein Gewinnspiel und detaillierte Informationen zum IBM CeBIT Auftritt integriert. Also wirklich eine Art eigener Messe-Auftritt innerhalb des mobilen Guides mit dem Ziel der Vernetzung des realen mit einem virtuellen Messestand. Dieses Konzept war sehr erfolgreich und wird zur kommenden CeBIT erneut realisiert.

mobilbranche.de: Die Apps entwickeln Sie immer selbst – oder wäre es auch denkbar, dass Sie nur die Sponsoren akquirieren für eine App, die jemand anderes entwickelt?

Mirija Cuntz: Das machen wir zwar auch, aber nur auf gezielte Nachfrage. Wir sehen uns eher im Entwicklungsbereich zu Hause und vermarkten daher zum Großteil nur von uns entwickelte Apps.

mobilbranche.de: Kann man mit diesem Modell eine App vollständig refinanzieren oder zahlt man auch mit Sponsor noch etwas oben drauf?

Mirija Cuntz: Das ist immer abhängig von der App. Aber wir haben durchaus Kunden, die ihre App nicht nur refinanzieren, sondern auf längere Sicht hin sogar Geld mit ihrer App verdienen. Die Einstellung zum Thema mobiles Sponsoring hat sich positiv verändert und der mobile Kanal wird als ein wichtiges Marketinginstrument anerkannt. Wir gehen davon aus, dass sich die positive Tendenz in den kommenden Jahren noch deutlich fortsetzt.

mobilbranche.de: Tauchen die Sponsoren gleich zum Start der App auf oder eher dezent?

Mirija Cuntz: Wie beim normalen Mobile Advertising haben wir unterschiedliche Sponsoring-Produkte. Es geht von einem einfachen Banner über Premium-Pakete mit individuellen mobilen Landingpages Einbindung von Videos bis hin zum oben bereits erwähnten App-in-App-Konzept

mobilbranche.de: Was für Reportings oder Erfolgsmeldungen bieten Sie für Sponsoren an?

Mirija Cuntz: Sponsoren erhalten von uns detaillierte Auswertungen Ihres Sponsorships im Nachgang des Werbezeitraums. Bei größeren Engagements erhalten Sponsoren sogar ein Daily Reporting.

mobilbranche.de: Was bietet Heidelberg Mobil generell an, Sponsoring ist ja nur ein Thema davon?

Mirija Cuntz: Heidelberg Mobil fokussiert sich auf mobile ortsbasierte Produkte und komplexe Lösungen, die auf Basis unserer Deep Map™ Plattform erstellt werden. Aufgrund unserer Kernkompetenz im Bereich Geolokalisierung ist die Fokussierung auf den Messe- und Kongressmarkt zurückzuführen. Aber auch im Bereich von mobilen CRM-Lösungen oder im Bereich Shopping sind wir sehr gut aufgestellt.

mobilbranche.de: Nochmal zu den Messe-Apps – funktioniert es auch, dass Sie damit Kunden direkt zum Stand lotsen können?

Mirija Cuntz: Im mobilen Guide zur CeBIT 2012 wird es ein solches Feature geben. Gerade bei der Positionierung sind wir einer der Marktführer, meinen wir.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

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