Interview: Michael Kowalzik von tyntec über IP-basiertes Mobile Messaging und VoIP.

von Florian Treiß am 24.Februar 2012 in Interviews

Michael Kowalzik will die Internetwelt näher an die Telekommunikationswelt bringen: Der CEO von tyntec, einem weltweit aktiven Spezialisten für mobilfunkbasierte Dialog-Dienste aus München mit über 500 Kunden, zeigt kommende Woche auf dem Mobile World Congress in Barcelona eine Lösung, mit der einerseits Mobilfunkanbieter mehr Umsatz aus Over-the-Top (OTT)-Diensten erzielen können und andererseits auch OTT-Anbieter die Telekommunikationsdienste in ihre Angebote integrieren können. Im mobilbranche.de-Interview stellt Michael Kowalzik das entsprechende Angebot tt.One vor und bringt außerdem frische Studienergebnisse zum Mobile Social Networking nebst einer umfangreichen Infografik mit, die am Ende des Interviews zu finden ist.

mobilbranche.de: Herr Kowalzik, während manche Fachleute klassischen SMS schon den Tod voraussagen, meldet der Branchenverband Bitkom jedes Jahr neue Rekordwerte beim SMS-Versand. Wie sehen Sie das als Experte für Mobile Messaging?

Michael Kowalzik: Die SMS ist noch lange nicht tot. Auch in Zeiten von Smartphones, IP-basierten Messaging-Diensten und Mobile Internet bleibt sie weiterhin die am häufigsten verwendete Methode, um Kurznachrichten zu versenden. Daher ist sie für Anbieter als Ergänzung zu Messaging-Diensten etc. durchaus immer noch attraktiv. Das zeigt auch das Ergebnis unserer Umfrage, die wir kürzlich gemeinsam mit YouGov unter jeweils 1.000 Verbrauchern in Deutschland und Großbritannien durchgeführt haben. Demnach verschicken 73 Prozent der deutschen Smartphone-Nutzer Nachrichten noch immer mittels SMS, selbst wenn ihnen andere Kommunikationskanäle zur Verfügung stehen. Zudem wird auch der Versand von A2P (application to person) SMS, bei denen SMS automatisch über spezielle Softwareapplikationen versendet werden, weiterhin steigen.

mobilbranche.de: Der Mobile World Congress wirft seine Schatten voraus. Was werden Sie dort kommende Woche präsentieren?

Michael Kowalzik: Bei tyntec dreht sich auf dem diesjährigen Mobile World Congress alles um das Zusammenwachsen der Telekommunikations- und Internetwelt. Bei unserem Frühstücksseminar „In bed with your enemy: How Telco and Internet can become friends with benefits“ diskutieren wir die Frage, wie einerseits Mobilfunkanbieter mehr Umsatz aus Over-the-Top (OTT)-Diensten erzielen und wie OTT-Anbieter andererseits Telekommunikationsdienste in ihre Angebote integrieren können. An dieser Expertenrunde werden auch Gavin Patterson, Chief Strategist des Analystenhauses MobileSquared, und Greg Woock, CEO von Pinger, teilnehmen. Außerdem präsentieren wir auf dem MWC unsere kürzlich vorgestellte und bereits mehrfach ausgezeichnete Lösung tt.One.

mobilbranche.de: Wie kann ich mir Ihre Lösung tt.One genauer vorstellen? Wo ist der Unterschied zu anderen Over-the-top-Angeboten wie Skype oder WhatsApp?

Michael Kowalzik: Mit unserer Lösung tt.One erhalten Unternehmen einen zentralen Zugang zu weltweit verfügbaren Telekommunikationsdiensten, indem tyntec ihnen weltweit erreichbare virtuelle Standard-Mobilfunknummern zur Verfügung stellt. tt.One bringt alle zentralen Mobilfunk-Funktionen in die Cloud, sodass eine SIM-Karte nicht mehr länger Voraussetzung ist, um Sprach- und SMS-Dienste auf praktisch jedem softwarefähigen Gerät nutzen zu können. Soziale Netzwerke, Internet und Application Service Provider, Microblogging-Dienste und andere Online-Dienstleister können also mit tt.One universelle Dienste wie SMS, Sprache und Rufnummern in ihre Web-Services integrieren. tt.One fungiert daher als Plattform, auf die Anbieter wie Skype oder Whatsapp zurückgreifen können. Mit tt.One können VoIP-Anbieter beispielsweise Handytelefonate einfach in und aus einem VoIP-Konto heraus steuern. Die Endnutzer erhalten dafür eine Mobilfunknummer, die ihrem Konto zugeordnet ist.

mobilbranche.de: Einer Ihrer Referenzkunden ist Pinger, bei dem gerade eben die Deutsche Telekom über ihre Tochter T-Venture als Investor eingestiegen ist. Wie läuft hier die Zusammenarbeit ab?

Michael Kowalzik: Deutschland war der Ausgangspunkt für die europäische Expansion von Pinger. Das Unternehmen bietet eine kostenlose App für iPod touch, iPhone und Android an, mit der Nutzer kostenfrei SMS versenden und telefonieren können. tyntec stellt Pinger dabei virtuelle Standard-Mobilfunknummern zur Verfügung, um Unternehmen Zugang zu den europäischen Mobilfunknetzwerken zu ermöglichen. Die Rufnummern verteilt Pinger an seine Nutzer. tyntec kümmert sich dabei um alle ein- und ausgehenden SMS- und Sprachnachrichten, die zwischen den deutschen Pinger-Nutzern ausgetauscht werden. Ende letzten Jahres wurde Pinger DE eingeführt – die erste App, die mittels tt.One kostenlose Telefonate in alle deutschen Mobilfunknetze erlaubt.

mobilbranche.de: Und für wen kommt tt.One ansonsten in Frage?

Michael Kowalzik: tt.One kommt für alle Unternehmen in Frage, die klassische Mobilfunkservices ohne viel Aufwand in ihre Internet-Angebote und Apps einbinden möchten. Dabei ergeben sich neue Anwendungen und Geschäftsmodelle, von denen nicht nur die Mobilfunk- und Online-Industrie, sondern letztlich auch die Verbraucher profitieren. Beispielsweise können VoIP-Anbieter mit tt.One Telefonate und SMS einfach in und aus einem VoIP-Konto heraus steuern. Die Endnutzer erhalten dafür eine Mobilfunknummer, die ihrem Konto zugeordnet ist und sind damit weltweit für Anrufe und SMS erreichbar. Betreiber von Dating-Webseiten können ihren Nutzern untereinander anonyme Telefonate direkt von der Website aus ermöglichen. Dabei wird dem jeweiligen Nutzerprofil eine Mobilfunknummer zugeordnet, anhand derer Nutzer per SMS und Anruf anonym miteinander kommunizieren können.

Laut unserer Umfrage ist auch der tt.One-Service One Number sehr interessant für Endkunden (siehe Grafik rechts). Damit können sie eine einzige Mobilfunknummer zu ihrer zentralen Kommunikationsschnittstelle machen und über eine Web-Benutzeroberfläche ihre Kommunikation einfach verwalten. So lassen sich zum Beispiel eingehende Anrufe oder SMS wahlweise auf das Handy, das Festnetztelefon, den VoIP-Account oder auf einen webbasierten Sprach-Mailbox-Dienst umleiten.

mobilbranche.de: Wie steht es eigentlich um ihre Beziehungen zu Mobilfunkunternehmen? Vielen von ihnen sind VoIP und Mobile Messaging per Web ja nach wie vor ein Dorn im Auge.

Michael Kowalzik: Durch die steigende Zahl an VoIP- und IP-Messaging-Anbietern im Markt erhöht sich natürlich der Wettbewerbsdruck auf Mobilfunkbetreiber. Zugleich ergeben sich für die klassischen Anbieter dadurch aber auch neue Möglichkeiten. Indem sie beispielsweise mit tyntec zusammenarbeiten und Unternehmen eine Anbindung an das Mobilfunknetz ermöglichen, können sie vom Wachstum der Internetdienste durchaus profitieren. Während tyntec den Online-Unternehmen sowohl Mobilfunknummern als auch SMS- und Sprach-Dienste aus einer Hand bietet, bekommen Mobilfunkbetreiber die Möglichkeit, den IP-basierten Datenverkehr über ihre Netze zu leiten und neues Umsatzpotenzial weltweit zu erschließen.

mobilbranche.de: Vielen Dank für das Interview!

tyntec hat mobilbranche.de zusätzlich zum Interview eine spannende Infografik zur Smartphone-Nutzung und zum Mobile Social Networking zur Verfügung gestellt, die auf einer Befragung von je 1.000 Verbrauchern in Deutschland und Großbritannien durch Marktforscher YouGov basiert:

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