Interview: Sandra Harzer-Kux über Kundenzeitschriften auf iPad & Co.

von Florian Treiß am 10.Oktober 2011 in Interviews

Tabletmagazine liefern dann einen Mehrwert, wenn Nutzungsverhalten, Content und Endgerät optimal miteinander in Einklang gebracht werden, so Sandra Harzer-Kux, Leiterin Video und digitale Medien bei G+J Corporate Editors. In einem Vortrag auf dem diesjährigen Corporate Publishing-Gipfel der Akademie des Deutschen Buchhandels spricht sie über die damit verbundenen Herausforderungen für Unternehmen und Agenturen. Im Interview, das der Veranstalter dem Fachdienst mobilbranche.de freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, erläutert Sandra Harzer-Kux vorab ihre Thesen.

Frau Harzer-Kux, wann empfiehlt es sich für Unternehmen, bestehende Kundenmagazine auch für Tablets aufzubereiten?

Sandra Harzer-Kux: Ob und inwieweit sich Magazine für Tablets eignen, hängt im Wesentlichen von der Art der Inhalte, der Zielgruppen sowie dem Erscheinungsrhythmus der Printmagazine ab. Eine App empfiehlt sich insbesondere dann, wenn hochwertige Print- und zusätzliche, multimediale Inhalte vorhanden sind, die die Magazin-App zu einem visuellen Erlebnis machen.

Wie nahe sollte eine Magazin-App Ihrer Meinung nach am Print-Titel sein und wie weit sollte sie sich davon entfernen, um wirklich einen Mehrwert zu bieten?

Sandra Harzer-Kux: Apps und Webseiten sollten sich am Printtitel – der Marke – orientieren und Wiedererkennbarkeit gewährleisten, aber gleichzeitig auch die besonderen Möglichkeiten der Navigation und digitale Rich Media-Inhalte nutzen.

Multimedia und Bewegtbild gelten momentan als die Zukunftsthemen im Corporate Publishing. Welche Chancen bieten diese Formate, setzt man sie sinnvoll ein? Und welche Trends sehen Sie noch?

Sandra Harzer-Kux: Audio, Video sowie grafische Animationen in 2D und 3D ermöglichen es, auch komplexe Inhalte auf attraktive Weise zu vermitteln. Zusätzlich kann die Nutzungsintensität und -dauer durch die starke Emotionalität dieser Inhalte erhöht werden. Den wichtigsten Trend stellen aktuell meiner Meinung nach „Social Media“-Anwendungen dar, deren Einbindung in bestehende digitale Angebote ich als größte Herausforderung sehe.

Wie bewerten Sie die Rolle von Location-based Services im Kontext von Tabletmagazinen?

Sandra Harzer-Kux: Location-based Services eignen sich für die Verknüpfung mit Reiseinhalten besonders gut, aber auch für alle Ratgeber-ähnlichen Publikationen. Überhaupt sind Service-Funktionalitäten eine wichtige Erweiterung für inhaltegetriebene, digitale Angebote.


Magazin-Apps sind in der Regel nur eine Komponente im Medienmix. Worauf gilt es bei der Vernetzung mit anderen Formaten zu achten? Werden sich z. B. QR-Codes als Vernetzungsmöglichkeit zwischen Print und Online langfristig durchsetzen?

Sandra Harzer-Kux: Um Mehrwert zu generieren, müssen vor allem das Nutzungsverhalten, die Inhalte sowie das Endgerät optimal miteinander in Einklang gebracht werden. Hierbei sind QR-Codes sicherlich eine interessante Spielart einer ganzen Reihe neuartiger Abrufmöglichkeiten. Am Ende entscheidet aber der Content, der auf diese Weise verfügbar gemacht wird, über den Erfolg der einzelnen Angebote.

Welche redaktionelle Denke erfordert das Publizieren auf dem iPad? Welche neuen Kompetenzen sind daher in Agenturen und Unternehmen gefragt?

Sandra Harzer-Kux: Publikationen auf dem iPad oder anderen Tablets erfordern in erster Linie verzahntes Produzieren, Know-how für die Herstellung von Audio-Video-Inhalten sowie ein erhöhtes Verständnis für grafisches Design und innovative Navigationsmöglichkeiten.

Eine aktuelle Studie des Forum Corporate Publishing hat ergeben, dass die Erwartungshaltung gegenüber digitalen CP-Inhalten steigt. Wie lässt sich der Spagat meistern, einerseits bestehende Print-Titel zu stärken und andererseits hochwertige digitale Angebote zu schaffen?

Sandra Harzer-Kux: Man muss sich meines Erachtens mit dem Gedanken anfreunden, dass sich die Inhalte von Print- und Online-Angeboten aufgrund sehr unterschiedlicher Nutzungsgewohnheiten sowie Zielgruppen noch stärker voneinander entfernen als dies bisher der Fall ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass Print- und Online-Angebote losgelöst voneinander existieren sollen oder können. Ganz im Gegenteil: nur die starke Marke einer Publikation und deren stetig hoher Qualitätsanspruch in Print wie auch in allen digitalen Produkten können das Auseinanderdriften und damit den Verlust an Nutzer-Identifikation und Markenwert auf lange Sicht verhindern. Die Herausforderung besteht darin, digitale Kompetenzen und Workflows mit einem bestehenden Printherstellungsprozess zu kombinieren und neue, übergreifende Produktionsprozesse zu definieren.

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