Interview: Sebastian Diemer über sein Startup Gigalocal.

von Florian Treiß am 22.September 2011 in Interviews

Sebastian Diemer ist Geschäftsführer des Hamburger Startups fastforward RSA GmbH, das vor rund einem Monat offiziell den mobilen Marktplatz Gigalocal gestartet hat. Diemer, Jahrgang 1986, kann man getrost als Überflieger bezeichnen: Bachelor-Studium auf General Management an der European Business School in Oestrich-Winkel, Master in Management and Strategy an der London School of Economics und danach für kurze Zeit Managing Director/Head of Sales bei Groupon International in Peking. Im Interview mit mobilbranche.de erzählt Diemer, dass Gigalocal mittlerweile 10.000 User zählt, nach Berlin und Hamburg nun in Münster gestartet ist und gerade fürs 1. Halbjahr 2012 die Expansion ins Ausland plant. Zudem gibt Diemer wertvolle Tipps für andere Gründer.

mobilbranche.de: Vor rund einem Monat ist Gigalocal offiziell gestartet, doch noch wird wohl nicht jeder mobilbranche-Leser Dein Startup kennen. Beschreibe daher bitte zunächst einmal, was Gigalocal überhaupt ist.

Sebastian Diemer: Gigalocal ist die Wünsch-Dir-Was-App, ein Marktplatz, bei dem User kostenlos Gesuche eingeben, was sie dafür bereit sind zu zahlen und wann und wo sie es benötigen. Vom Wohnungsputz über Umzugshelfer bis hin zu Sandwich-Lieferungen ist alles möglich – lediglich Angebote und unseriöse Anfragen werden geblockt. Unsere 300 Premiumpartner (z.B. Reinigungsdienste, Kurierfahrer, Lieferdienste, etc.) und mittlerweile 10.000 User in Hamburg und Berlin haben dann die Möglichkeit, zu diesem Gesuch („Gig“) Fragen zu stellen und ihn zu erfüllen. Gigalocal bietet somit einerseits die Möglichkeit, schnell und einfach Sachen erledigen zu lassen, andererseits können User flexibel in ihrer Nachbarschaft Geld verdienen – genau dann, wenn sie Zeit und Lust darauf haben.

mobilbranche.de: Findet sich eigentlich bereits für jeden Gig jemand, der diesen auch tatsächlich erfüllt, oder wie ist da die „Einlösequote“?

Sebastian Diemer: Wir sind bisher in Berlin, Hamburg und neuerdings Münster online. In diesen Städten wird jeder Gig, der mit einem vernünftigen Preis versehen ist, erfüllt. Selbstverständlich gibt es immer Gesuche, die auch bei einer täglich um bis zu 500 User wachsenden Community nicht erfüllbar sind, weil entweder der Preis zu niedrig oder der Gig zu absurd ist (z.B. „Suche Atomkraftreaktor“). Interessant ist, wie unterschiedlich die App in den drei Städten genutzt wird: Berlin ist eher erfüllerorientiert, Hamburg erstellerorientiert und wie Gigalocal in der Studentenstadt Münster angenommen wird, zeigt sich in den nächsten Tagen und Wochen.

mobilbranche.de: Bereits vor dem Gigalocal-Start habt Ihr mit Gigalo ein ganz ähnliches klingendes Angebot gestartet. Ist da die Verwechselungsgefahr nicht zu groß?

Sebastian Diemer: Die gemeinsame Schnittmenge ist die Vermittlung von Minidienstleistungen. Abgesehen davon ergänzen sich die Portale aufgrund der komplementären Ausrichtung. Gigalo vermittelt digitale Dienstleistungen, die ortsunabhängig erfüllt werden können, z.B.: ein Anbieter in Chile verkauft an einen User in Madrid. Gigalocal vermittelt lokale Dienstleistungen. Gigalo ist angebotsgetrieben, d.h. private User bieten ihre Dienstleistung an, während Gigalocal nachfrageorientiert ist, also User ihre Gesuche einstellen.

mobilbranche.de: Was für Learnings habt Ihr denn aus Gigalo bei Gigalocal einbringen können?

Sebastian Diemer: Wir haben durch Gigalo unsere Infrastruktur aufgebaut, sodass wir uns bei Gigalocal voll aufs Produkt konzentrieren konnten. Außerdem haben wir durch Gigalo Marketingkanäle testen und Erfahrung in der Internationalisierung sammeln können – Gigalo war innerhalb von einem Monat in Deutschland, Spanien, Chile, Argentinien und Bolivien verfügbar.


mobilbranche.de: Bislang gibt’s Gigalocal ja nur in Berlin, Hamburg und Münster. Wann werden weitere Städte in Deutschland folgen und womöglich auch im Ausland?

Sebastian Diemer: Es ist schön zu sehen, dass Gigalocal auch in weiteren Städten gewünscht wird – wir bekommen regelmäßig E-Mails, Facebook-Messages und Anrufe von Usern aus anderen Städten. Das freut uns ungemein und wir kommen dem so schnell wie möglich nach. Wir werden noch ein paar Experimente am Produkt vornehmen und neue Features testen, bevor wir zum Ende des Jahres weitere deutsche Großstädte in Angriff nehmen. Internationalisierung steht für die erste Jahreshälfte 2012 auf dem Plan.

mobilbranche.de: Mit Hanse Ventures, Holtzbrinck Ventures, Bigpoint-Gründer Heiko Hubertz und Sony-Manager Edgar Berger habt Ihr ja schon eine ganze Reihe prominenter Investoren. Wie tauscht Ihr Euch mit denen aus und wo können sie Euch unter die Arme greifen?

Sebastian Diemer: Mit Hanse Ventures haben wir seit der ersten Stunde einen Inkubator an unserer Seite, der uns nicht nur operativ durch die Vermittlung von Ressourcen wie Büroräume, Entwickler, Grafiker usw. unter die Arme gegriffen hat, sondern bis heute strategisch und operativ mitwirkt. Dennoch sind wir anders als bei diversen anderen Inkubatoren in unserer unternehmerischen Freiheit weitesgehend uneingeschränkt. Mit Heiko Hubertz und Edgar Berger konnten wir Business Angels für Gigalocal gewinnen, die eine optimale Symbiose aus unternehmerischem Know-how und weitreichendem Netzwerk bilden. Holtzbrinck als Lead-Investor greift auf eine breite Portfolio-Erfahrung im Bereich Marktplätze und Mobilethemen zurück. Aufgrund der räumlichen Nähe zu den meisten Partnern tauschen wir uns direkt in geregelten Intervallen aus. Für dringende Angelegenheiten greifen wir auf Skype zurück.

mobilbranche.de: Zum Abschluss wüsste ich noch gerne: Welche Tipps hast Du selbst für Leute, die ein Mobile-Startup gründen wollen?

Sebastian Diemer: 1. Just do it: Egal welche Idee man hat, wird man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mehr Gegen- als Rückenwind ernten. Als Gründer in-spe wird man alles zu hören bekommen: von „das gibt’s doch schon“ über „wenn das funktionieren würde, warum macht es dann noch keiner“ bis zu „was, wenn’s nicht funktioniert“. Wenn es dann doch funktioniert, hat aber jeder von Anfang an daran geglaubt. Also: Nicht beirren lassen, den eigenen Weg gehen und einfach durchziehen. A perfect hedge only exists in a Japanese flower garden.

2. Frühzeitig Userfeedback einholen: Jedes neuartige Produkt basiert auf Hypothesen (z.B. Smartphone-Verbreitung nimmt zu und User werden in Zukunft mehr über ihr Smartphone bestellen und Leute haben immer weniger Zeit, daraus folgt…). Es ist wichtig, diese Annahmen frühzeitig zu validieren. Das geht entweder, indem man einen schnellen Prototypen entwickelt und testet oder – falls das nicht möglich ist – User in der Konzeptionsphase einbezieht, damit am Ende nicht ein Produkt herauskommt, das der User gar nicht braucht oder versteht.

3. Nicht zu früh skalieren: Erst wenn die richtigen Stellschrauben gefunden wurden und das Produkt auf kleiner Flamme funktioniert, sollte man Kapital aufnehmen und skalieren.

mobilbranche.de: Vielen Dank für die Gründer-Tipps und das Interview!

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